Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen
Freitag, 25. Mai 2012 | 12:46

 

Foto: Marco Borggreve Foto: Marco Borggreve

Das European Brass Orchestra unter der Leitung von Sylvain Cambreling bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

18.07.2011

Trara, das tönt wie Jagdgesang

Bei dem Stichwort »Blechbläser« denkt man gemeinhin an Blasmusikkapellen bei der Kirchweih, an Militärmärsche und dergleichen. Spätestens seit der Botschaft von New Orleans an die Welt konnte man wissen, dass es Musik, nämlich den frühen Jazz gibt, die Blechblasinstrumente liebt und, wiewohl bei Begräbnissen für Trauermärsche eingesetzt, dennoch anders klingt als eine Blaskapelle österreichisch-bayrisch-preußischer Provenienz oder als eine böhmische Dorfmusik. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Inzwischen kennen wir subversive Bläserformationen wie das von Heiner Goebbels und Alfred Harth gegründete Sogenannte Linksradikale Blasorchester oder die osteuropäischen Roma-Bands à la Fanfare Ciocarlia. Dass man auch »Klassik« auf Blechblasinstrumenten spielen kann, hat sich hingegen – trotz dem international renommierten Philip Jones Brass Ensemble – im Bewusstsein des europäischen Konzertpublikums und in den Programmen nicht durchgesetzt.

 

Ist das der Grund, weshalb der Auftritt des European Brass Orchestra unter der Leitung des künftigen Stuttgarter Generalmusikdirektors Sylvain Cambreling bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen so deprimierend schlecht besucht war? Dabei war das Programm in seiner Durchmischung glänzend geeignet, die Vielfalt der Möglichkeiten von Blechblasinstrumenten von tonmalerischen Subtilitäten bis zum kompakten Orgelklang zu demonstrieren. Neben dem Renaissancekomponisten Giovanni Gabrieli standen drei Amerikaner, die dem Intendanten Thomas Wördehoff besonders am Herzen zu liegen scheinen: der diesseits des Atlantiks immer noch unterschätzte Samuel Barber, Aaron Copland mit seiner ebenso kurzen wie berühmten Fanfare For The Common Man und der weitaus weniger bekannte Fisher A. Tull. Bei dem Franzosen Henri Tomasi wurde zitiert, was man bei Blechbläsern wohl erwartet: der wilde und fröhliche Hörnerklang, der zum Jagdgesang ertönen soll.

 

Originalkompositionen für solche Formationen sind rar. So erklangen als Höhepunkt Mussorgskis Bilder einer Ausstellung in einer Bearbeitung. Und das schien doch eher ein Kuriosum. Maurice Ravels meist gespielte Orchestrierung des Klavierstücks ist so genial, so differenziert, dass die Version für Blechbläser, die nur von Perkussion unterstützt werden, vergleichsweise arm wirkt. Weder dynamisch, noch in den klanglichen Feinheiten können Trompeten und Posaunen, Hörner und Tuben die Instrumente eines Symphonieorchesters inklusive Saxophon ersetzen. Man konnte an diesem Abend, am Beispiel von Copland vor allem, erfahren, was es bedeutet, wenn ein Komponist ganz gezielt für eine bestimmte Instrumentengruppe schreibt. Bei seiner Fanfare kommt das European Brass Orchestra ganz zu sich.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Hausberg-Musik

Spätestens seit Ende letzten Jahres La Brass Banda nach über 500 Konzerten weltweit die Münchner Olympiahalle füllten, dürfte ...

Feuchte Studiofantasie

Der ehemalige Gitarrist einer melodischen Death Metal-Band werkelt im stillen Kämmerlein an einer feuchten Studiofantasie von Prog-Rock-Album? Jaja, wenn Schweine fliegen können. Obwohl, ...

DJ-Werkschau

Der in der ehemaligen DDR geborene Andre Lodemann blickt auf rund 20 Jahre DJ-/ Produzenten-Tätigkeit zurück. Anlass genug, auf dem eigenen ...