Bezeichnend, dass das Konzert am 25.11.2010 im Lido mitgeschnitten wurde, einem Club, der an der Grenze zwischen dem immer schnöseliger werdenden Kreuzberg und dem linken Hipstertums Friedrichshains verortet ist. Eine Gegend, die Anlaufstelle für Technotourismus geworden ist, einer der Bereiche Berlins, die sich seit Bandgründung strukturell und kulturell wohl am meisten gewandelt haben dürfte. Das macht der Band jedoch wenig aus, wie man vom ersten Ton merkt. Auch wenn der Sound für Lido-Verhältnisse erstaunlich rau und rumpelig rüberkommt – eher Anhängerkonzi am ersten Mai als große Konzerthalle – er sitzt wie angegossen. Hibbelig wird da von der ersten Sekunde Gas gegeben und das Publikum dankt’s. Der Konzertraum wird zur Privatparty: Die Fans, die zu hören sind, dürften der Band schon seit Jahren treu sein und auch, wenn man sie selten hört, ihre Präsenz ist auf der Aufnahme spürbar.
Das macht den Charme dieses Mitschnitts aus – er schwitzt jede Menge Intimität und Passion aus. Dem schlechten Mix, des angestaubten Sounds zum Trotz. Bis in die sehr persönlichen Linernotes, die jeden Song kommentieren, zeigen sich die drei Musiker und ihre charismatisch-energetische Frontfrau Yvonne Ducksworth wie die netten, unprätentiösen Punkfans von nebenan. Mit denen man gern nach der Show ein Bier trinken würde, auf irgendeinem verschlissenen Sofa. Davon könnte der Puls der Zeit etwas mehr vertragen.
