Die weiteren Beiträge des Katalogs können dieses Niveau jedoch kaum halten – ohne dabei allerdings, soviel muss gesagt werden, aus dem Rahmen der wissenschaftlichen Solidität auszuscheren. Selbiges gilt auch für die umsichtigen Katalogeinträge. Interessante kleine Essays finden sich erst wieder am Ende des Kataloges: Ursula Harter beschäftigt sich mit Beckmanns Verhältnis zum »schwarzen Amerika« und David Anfam versucht Parallelen zwischen Beckmanns Malerei und dem Abstrakten Expressionismus herzustellen. Während ersterer Aufsatz Staunenswertes zu Tage fördert, beschränkt sich Anfam leider allzu leichtfertig auf die Theoreme der impliziten Beeinflussung durch ähnliche Umstände: »Dass diese drei schöpferischen Akte (von Beckmann, dem Maler Willem de Kooning und dem Photographen Aaron Siskind) entstanden sind, ohne dass einer vom andern auch nur Notiz genommen hat, ist bemerkenswert und Ausdruck der zufälligen und doch bedeutsamen Übereinstimmungen zwischen Beckmann und den Abstrakten Expressionisten.« Zufällig aber doch irgendwie bedeutsam ist leider selbst für einen kleinen Katalogbeitrag zu wenig.
Doch trotz allem zeigt gerade Anfams Essay, was in diesem Katalog möglich gewesen wäre: die Durchleuchtung des geistesgeschichtlich immens spannenden Zusammentreffens unterschiedlichster Strömungen der modernen Kunst im Amerika der Kriegs- und Nachkriegszeit. Nur spärlich wird beispielsweise das Zusammentreffen von Beckmann und Thomas Mann auf der Amerikaüberfahrt thematisiert, auch das gewaltige kreative Potential der europäischen Exilantengemeinde wird – sofern es nicht Beckmann direkt betrifft – nicht thematisiert. Die Tradition des amerikanischen »Künstlerhypes«, den unter anderem ja auch Salvador Dalí bei seinen USA-Reisen in übersteigerter und freilich zu einem großen Teil selbstinszenierter Form erlebte, spielt für die Ausführungen im Katalog ebenfalls keine Rolle.
Zwingend notwendig sind diese Themenkreise für einen soliden Katalog zum Schaffen des deutschen Malers Max Beckmann in den USA nicht – für eine anregende und von einem großen Publikum mit Gewinn zu lesende Lektüre allerdings schon.