Ein Ort ist in Gefahr. Der Feind kommt von außen und verbreitet Unruhe in dem überschaubaren Mikrokosmos, aber eine Gruppe von Verbündeten setzt sich zur Wehr und rettet den Ort, der für all das steht, was ihnen Heimat ist. Genrekino vom Feinsten? Irgendwie schon, aber der Regisseur heißt Fatih Akin, und so ist der Ort kein idyllisches Bergdorf, sondern eine schäbige Kneipe im Hamburger Problemviertel Wilhelmsburg, seine Belegschaft besteht aus Goldkettchenprolls, obdachlosen Immigranten und versoffenen Arbeitern, und der Feind kommt daher in Form eines strohblonden Immobilienspekulanten.
Mit dem multiethnischen Heimatfilm Soul Kitchen kehrt Akin dahin zurück, wo er angefangen hat: nach Hamburg, zu den impulsiven Jungs und den schönen Mädels, die sich mit viel Lärm und Getöse durchs Leben schlagen, weniger die Illegalität denn die Säulen des deutschen Staatsapparates fürchten, aber eigentlich ihr Herz am rechten Fleck haben. Im Mittelpunkt steht der deutschgriechische Restaurantbesitzer Zinos, der tollpatschig von einer Katastrophe in die nächste stolpert und erst dann zu sich kommt, als das bedroht wird, was ihm sein ein und alles ist: der eigene Laden und – darüber hinaus – das Heimatgefühl, das er und seine Freunde mit diesem Ort verbinden.
Heimat also, dieser bedeutungsschwere, urdeutsche Begriff, der bei Akin aber – befreit von seiner nationalen Dimension – bewusst bunt daherkommt und anstelle einer wie auch immer definierten homogenen Einheit die Heterogenität der Stadt Hamburg und ihrer Menschen, die Liebe, die Freundschaft und gute Musik feiert. Ob diese Menschen nun Griechen, Deutsche oder Türken sind, spielt dabei eine wohltuend geringe Rolle, anstelle von einseitiger kulturell begründeter Differenzierungen tritt in Soul Kitchen die Normalität eines Zusammenlebens von unterschiedlichsten Individuen, welche, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, zusammen lachen, streiten, feiern und lieben.