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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:06

Kennzeichen T - 02.12.2011

02.12.2011

Eine Botschaft für Westerwelle

Seit einiger Zeit gibt es in der internationalen Politik den Trend zum lustigen Versteckspiel. Jedes Mal, wenn eine einstige Regionalmacht dem Abgrund entgegen taumelt, fragt sich der Rest der Welt nach dem Verbleib des Machthabers: Wo ist Saddam? Wo ist bin-Laden? Wo ist Gaddafi? Dann werden weder Kosten noch Medien gescheut, die Suche zu einem richtigen Knaller aufzublasen.

 

Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

 

Bei bin-Laden hat man es so auf 10 spannende Jahre Rumstöberns gebracht; ein Rekord, der auf keinem Pausenhof der Welt je gebrochen werden wird: Man stelle sich vor, der kleine Finn-Maurice versteckt sich in der sechsten Klasse hinter der Turnhalle seines Heimatgymnasiums in Bocholt, und wird von seinen Klassenkameraden erst bei seiner Bachelor-Feier in Tübingen gefunden!

 

Aber soviel Engagement bringt unsere verwahrloste Facebook-Jugend natürlich nicht mehr auf. Dafür braucht es Menschen mit Spieltrieb und Durchhaltevermögen, mit anderen Worten: Amerikanische Streitkräfte. Die GIs sind die Dauersieger bei allen möglichen internationalen Versteckspielen. Nicht nur haben sie die Al-quaida-Obereule aufgestöbert, sie verstecken auch selber immer wieder mal jemanden, den man dann ein paar Jahre nicht findet – weil keiner drauf kommen würde, dass er sich im Südosten Kubas orange verkleidet unter einem Tuch verbirgt, das regelmäßig mit Wasser übergossen wird.

 

Fantasievoll wie sie sind, haben die US-Forces jetzt, zusammen mit ihren Freunden von der NATO, eine ganz neue Variante des Aufstöberns erfunden. Seit einem halben Jahr fragt sich die Welt nach dem Verbleib des ehemaligen Machthabers der neuesten in den Abgrund rasenden Regionalmacht: Wo ist Westerwelle? Anfang Juni soll er noch mal bei einem Szene-Optiker in Berlin-Mitte gesichtet worden sein; seitdem hört man nur noch Gerüchte. Am hartnäckigsten hielt sich bislang die Fama, er sei weiterhin deutscher Außenminister. Jetzt gibt es Hinweise, dass dem tatsächlich so ist: Mit einer ganz ausgefuchsten Militäraktion haben die Amerikaner ihn gezwungen, aus seinem Unterschlupf zu kommen. Operation ›Exposing Guido‹: Sie haben irrtümlich, wie sie sagen, einen pakistanischen Grenzposten bombardiert. Eine brillante außenpolitische Finte! Selbst für Pakistaner, die das Freitagsgebet bei Starbucks absitzen und sich im Ramadan den ein oder anderen Big Mäc reinleiern, klingt das nach Verhohnepipelung durch Uncle Sam. Eine verirrte Hochzeitsgesellschaft – vielleicht. Ein Rotkreuztransport – bitte. Aber eine Militäranlage der pakistanischen Armee, Entschuldigung, die kann heute jedes iPhone lokalisieren.

 

Prompt hat Islamabad entsprechend reagiert: Pakistan wird nicht an der Afghanistan-Konferenz auf dem Bonner Petersberg nächste Woche teilnehmen. Volltreffer! Daraufhin musste Westerwelle einfach aus dem Untergrund auftauchen. Bonn ist seine Heimatstadt – und das würde doch im Wahlkreis ganz blöd aussehen, wenn der wichtigste Gast nicht kommt. Also gibt er nun endlich den besorgten Außenminister.

 

Ja, Außenpolitik hat immer hintergründige Motive, über die wir aufrichtigen Menschen nur spekulieren können. Wer weiß, was die Amerikaner mit dem Bombardement noch wollten – vielleicht altes Waffenmaterial loswerden? Vielleicht bringt Obama sich in Stellung für den Wahlkampf – den Pakis zeigen, was ne Harke ist, das können nicht nur die Republikaner! Vielleicht haben die pakistanischen Soldaten auch einfach provoziert: Zunge raus, Hitlergruß und Sternenbanner als Latrinenlappen?

 

Man kann nie wissen, was dahinter steckt. Warum lassen die Iraner die britische Botschaft stürmen? Bewusste Eskalation? Ein Signal an die anderen arabischen Staaten: Schaut her, wir treten den alten Kolonialkretins in den schlaffen Hintern! Oder waren einfach Achmadinedschads Earl-Grey-Vorräte aufgebraucht? Es ist nicht rauszufinden. Am Ende gings auch ihnen nur darum, Westerwelle aufzuscheuchen. Der hat, zweite große Amtshandlung der Woche, das Botschaftspersonal aus Teheran sofort heim beordert. Die armen Diplomaten wussten gar nicht, wie ihnen geschieht: Wir sollen nachhause, ok. Aber wer ist der Mann mit der Brille?

 

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