Die Gerüchte um das Wunderkind reißen ja nicht ab. Seit Tagen ist das Feuilleton bereits wieder in Aufruhr, weil niemand die Frühreife Hegemanns wirklich einordnen kann. Alles kreist um das Rätsel: Wie kann jemand, der noch so jung ist, es trotzdem schon schaffen, achtzehn Jahre alt zu werden? Maxim Biller, der anerkannt größte deutsche Berufsadoleszent, arbeitet bereits an einer FAZ-Sonderbeilage zu dem Thema. Unter dem Titel „Wir Kinder von Billerbü“ setzt er sich sehr persönlich mit der unglaublichen Entwicklung der Debütantin auseinander - und auch mit der Demütigung, die sie für ihn bedeutet. Er selber ist Jahrgang 1960, geht aber erst auf die siebzehn zu.
Ich muss zugeben, auch mich ließ die unwahrscheinliche Verfrühtheit von Hegemanns Jubiläum nicht los. Ich habe deshalb einen Freund aus der Blogger-Szene, der an dieser Stelle unerkannt bleiben möchte, gebeten, das Internet auf mögliche Überschneidungen zu durchforsten - und das Ergebnis ist wahrlich ernüchternd: Ca. 16 Millionen Menschen weltweit reklamieren den 19. Februar als ihren Geburtstag, darunter auch die Schriftsteller Herbert Rosendorfer, Thomas Brasch, Carson McCullers, Siri Hustvedt - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Sogar Nikolaus Kopernikus ist mit dabei. Allein die Größe dieses Namens lässt nur einen Schluss zu: Auch Helene Hegemanns Geburtstag ist geklaut.
Dem Feuilleton bleibt es jetzt überlassen, herauszufinden, bei wem im Einzelnen sich die Jungautorin bedient hat. Wer auch immer es ist, Hegemann wird sich auch hier wieder auf ihr Recht zum postmodernen Collagieren berufen. Sie hat einen copy and paste-birthday, na und? Da muss auch gar nicht mehr über die Rolle ihres Erzeugers, des berühmten Volksbühnen-Dramaturgen Carl Hegemann, spekuliert werden. Vaterschaft ist schließlich nichts als ein Urheberrechtsexzess. Helene Hegemann ist das Produkt eines genetischen Remixes aus dem Jahr 1992. Punkt. Dazu herzlichen Glückwunsch!