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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 11:43

Kennzeichen T - 28.06.2010

28.06.2010

Mit Megaphon und Furzkissen

Man soll nicht nachtreten, wenn jemand schon am Boden liegt. Also sparen wir uns heute die Scherze über die französische Nationalmannschaft und Bußbruder Mixa, und wenden uns einem Opfer zu, das auch angezählt noch weiterpöbelt.

 

Die FDP hat eine weitere formidable Aktionswoche hinter sich. Nachdem sie es sich mit dem eigenen Volk umfassend verdorben hat, wurde es jetzt endlich auch Zeit, sich im Ausland unmöglich zu machen.

 

Mit dem Außenministerium für den FDP-Chef war die Marschrichtung ja von Anfang an vorgegeben: Guido Westerwelle als Chef der Diplomatie! Die Diplomatie, der sensibelste Bereich der Politik. Sozusagen die Gefäßchirurgie der internationalen Beziehungen. Da geht’s zu wie im Operationssaal. Da wird nur geflüstert. Da gibt’s nur minimale Bewegungen. Jede Geste hat eine Bedeutung. Ein falsch angewinkelter Zeigefinger - und du hast ein multilaterales Zerwürfnis! Eine Grußformel einen Halbton zu tief ausgesprochen - Handelsembargo! Es soll Protokollchefs geben, die sich wegen eines Versprechers das Leben genommen haben! Und diese Atmosphäre kommen die Deutschen mit einem Megaphon und einem Furzkissen - Guido Westerwelle und Dirk Niebel.

 

Sie waren sogar schon gemeinsam auf Tour. In Afrika. Tansania, Dschibuti. Als ginge es den Afrikanern nicht schon schlecht ge…- aber wahrscheinlich hat die Kanzlerin gesagt, das sind unsere ehemaligen Kolonien, da können sie hin! Die sind dort deutsche Schreihälse gewöhnt.

 

Und jetzt durfte Niebel zum ersten Mal alleine ran. Man hätte ihn ja erst mal zum Üben schicken können, vielleicht in ein Land, das abgelegen genug ist - den bilateralen Beziehungen zu Äquatorialguinea einen ordentlichen Arschtritt verpassen, oder so was. Aber nein. Er wäre nicht Westerwelles Adlatus, wenn er sich nicht gleich die ganz große Nummer randilettiert hätte: Naher Osten. Nach Gaza wollte er einreiten. Gar nicht schlecht ausgesucht. Dort halten die Israelis die Palästinenser bekanntlich hinter einer Mauer. D.h. die können nicht abhauen, wenn Niebel kommt.

 

Niebel wollte ein Entwicklungshilfeprojekt zu eröffnen. Bei B-Promis eine gängige Praxis: Wenns nicht mehr läuft, eröffnet man halt irgendwas. Einen Möbelmarkt in Frankfurt/Oder oder ein Klärwerk in Gaza. Der Vorteil in Nahost ist: Du hast immer Aufmerksamkeit. Auf einem IKEA-Parkplatz in Brandenburg erreicht man höchstens ein paar Flutopfer; aber Eva Herman bei der Vernissage eines Töpferkurses der VHS Ramallah - das ist mindestens ein BILD-Titel.

 

Prompt war Niebel in den Schlagzeilen: Israel wollte ihn nicht nach Gaza lassen. Und wie es seine Art ist, hat er gleich die Vuvuzela rausgeholt: Es sei - tröörööö! - „Fünf vor Zwölf“ für Israel. Also Mittagessenszeit. Wenn er Anstand hätte, wüsste er, da stört man Leute nicht.  Die Kanzlerin hatte sofort Verständnis: „Dirk Niebel? Den würde ich auch nicht reinlassen!“

 

Trotzdem war es natürlich unsouverän von Israel. Mit Kanonen auf Gelbfinken schießen. Kein Mensch außerhalb von Gaza hätte etwas mitbekommen, wenn Niebel seine Flasche Schampus dort ins Nachklärbecken geschmissen hätte. Warum also das Einreiseverbot? Es gibt nur eine einzige Erklärung: Sie haben Niebel für eine Hilfslieferung gehalten. So genannte „problematische Mehrzweckwaren“ dürfen nicht ins Land. Und bis jetzt ist selbst in Deutschland nicht geklärt, ob das Niebel nicht zu einer Waffe umgebaut werden kann. Man stelle sich vor, sowas fällt in die Hände der Hamas. Schon die FDP schafft ja kaum, es zu kontrollieren.

 

Das einzige, was momentan noch gefährlicher ist als das Niebel, ist das Pieper. Damit greift die FDP grad Polen an: Die Polskis sollen doch bitte nicht Kaczynski wählen, sonst… Ja, sonst holen die Liberalen die ganz große Granate raus. Das Pieper hat nämlich auch noch ein Brüderle.

 

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