Ladies an Gentleman, liebe UNler, verehrter Herr Achmadinedschad!
Wer dieser Tage einmal wieder in die maroden Minen des weltpolitischen Tiefschürfens hinabsteigt, kommt um eine strukturelle Auffälligkeit nicht herum: Was haben Griechenland, Irland und Korea gemein, außer einer Vorliebe für blähende Nahrungsmittel? Nun, man muss nicht Gräzistik, Anglistik oder Koreanistik studiert haben, um alsbald zur korrekten Antwort zu gelangen: Es sind allesamt Inselstaaten, halbe oder ganze; jedenfalls revoltiert an ihren Rändern eine nicht zu unterschätzende Menge Salzwassers.
Diese Situation mag man bislang, sei es aus überzogenem Liberalismus, sei es falsch verstandene Toleranz, so hingenommen haben. Angesichts der gegenwärtigen Ereignisse allerdings können wir die Augen nicht länger verschließen. Beim Blick auf Griechenland, Irland und Korea, meine Damen und Herren, muss endlich ergebnisoffen die Frage gestellt werden: Wie lange kann sich die Weltgemeinschaft Inseln noch leisten? Wollen wir weiterhin akzeptieren, dass ein entscheidender Teil der globalen Probleme den Untiefen atlantischer, mediterraner und pazifischer Gesteinsformationen entspringt?
Und ich rede hier gar nicht vom Wetter, meine Damen und Herren! Es mag dem ein oder anderen unangemessen erscheinen, dass eine Inselgruppe mit grade mal 245.000 Einwohnern über die Sonnentage in Europa bestimmt, aber, verzeihen Sie die saloppe Formulierung, ihr Hoch sei den Azoren gegönnt. Es ist ihr einziger Exportartikel, und ihr Binnenmarkt lebt von nichts als der Hoffnung auf scheiternde Atlantik-Überquerer.
Nein, Ladies and Gentlemen, liebe Freunde, es geht um die Inseln, die uns seit Jahren und Jahrzehnten, und ich sage das im vollen Bewusstsein der Unverständlichkeit meiner Worte, mit dem Miasma ihrer multiplen Dysfunktionalität überziehen; um Eilande wie Japan, Ausgeburten der Plattentektonik, die allein durch ihre Ansprüche auf Erdbebenhilfe die Weltökonomie regelmäßig überlasten. Von den kulturelle Verwerfungen zu schweigen: Der Schaden, den die japanische Kulturindustrie weltweit angerichtet hat, und täglich neu anrichtet, ist nicht im mindesten mehr abzuschätzen: Spielkonsolen, falsch herum abgedruckte Comics und die Weigerung, Fisch zu garen – sollte das sprichwörtliche Abendland tatsächlich dem Untergang geweiht sein, Nippon, meine Damen und Herren, und ich spreche da auch im Namen unserer amerikanischen Verbündeten, Nippon wird seinen Teil dazu beigetragen haben.
Doch soll hier nicht nur mit dem Finger auf andere gedeutet werden. Auch Europa trägt seinen Teil zur Verinselung der globalen Problematiken bei: Island hat eine beträchtliche Anzahl unbeteiligter Altenheime um die Pensionsfonds ihrer Insassen gebracht; auf Zypern gibt es immer wieder Zwischenfälle mit Touristen, die im Norden der Insel nach griechischen Restaurants fragen; und Sylt, um jetzt auch mal ganz vor der eigenen Tür zu kehren, Sylt schließlich hat eine Gesellschaft hervorgebracht, wie sie selbst die reinerbigen Inzuchtlinien bestimmter Adelsfamilien nicht abstoßender hätten zusammenmendeln können.
Was also ist zu tun, meine Damen und Herren? Nun, der Zeitpunkt könnte günstiger nicht sein. Am Montag beginnt im Cancun der UN-Klimagipfel. Und mit Verlaub, welches Gremium wäre besser geeignet, zielführende Maßnahmen gegen Inseln einzuleiten? Angesichts der Krisen in Griechenland, Irland und Korea, angesichts schwelender Konfliktherde von Sri Lanka bis Osttimor, angesichts der japanischen Küche bleibt uns, denke ich, keine Wahl: Ich plädiere für eine sofortige Verzehnfachung der CO2-Emissionen. Wir müssen, wenn Sie Bemerkung erlauben, dem Meeresspiegel nachhaltig in den Hintern treten! Denn wenn wir jetzt Gas geben, meine Damen und Herren, sind wir in zwanzig Jahren von einem Gutteil Finanzkrisen, Bürgerkriegen und Sushi endgültig befreit!

