Selbstbedienerische Betriebswirtschaft
Einer Meldung im Wirtschaftsteil der der FR (v. 15.3.11) entnehme ich, dass die Deutsche Bank »ihre gerade umgebaute Konzernzentrale in Frankfurt a. M. an einen geschlossenen Immobilienfonds (verkauft), den das Tochterunternehmen DWS aufgelegt hat«. Der Preis, den DB & DWS familiär unter sich ausmachen, liege bei 600 Mio €. Der DWS-Fonds wiederum soll »exklusiv an Privatanleger des Instituts vertrieben werden« (FR) - also nicht an Krethi & Plethi, sondern als offenbar lukrative Anlage nur an die eigene Klientel. Die Deutsche Bank wiederum wird in den zwei 155 Meter hohen Frankfurter Zwillingstürmen (genannt. »Soll & Haben«) als Mieter residieren wie zuvor als Besitzer.
Nun war sie aber erst (wieder) Besitzer der Immobilie seit 2007 geworden, als sie sie für 272 Mio € von sich selbst, nämlich dem geschlossenen Immobilienfonds Deutsche Bank Real Estate (DBRE), gekauft hatte. Unter diesem Imprint waren die gewaltigen Türme für 2800 Mitarbeiter sei 1984 gebaut & verwaltet worden, in denen seither die Mutterzentrale zur Miete saß.
Dem Wirtschaftsteil der FAZ entnehme ich, dass die DBRE-Investoren über die Laufzeit von 23 Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von 8,9% (!) »erzielten«. Die DB-Konzernspitze hat ihren Ableger nur deshalb angekauft, um ihn in dreijähriger Arbeit für 200 Mio € von Grund auf zu renovieren.
Warum dieses Bäumchen-wechsel-dich-Geschiebe?
Ich bin zwar kein Investment-Banker & kenne auch die einschlägigen steuergesetzlichen & bilanztechnischen Regularien nicht – & schon gar nicht en detail wie die Steuerfüchse der Deutschen Bank. Aber dass hier nicht in aller Öffentlichkeit Glasperlenspiele von Herrn Ackermann et al. veranstaltet werden, sondern gewinnrelevante Geschäftstransaktionen am Laufen sind, dürfte ja wohl sicher sein. Nur fragt weder die FR noch die FAZ, was da eigentlich vorgeht.
Nun, nicht ganz ist es so. Die FAZ zumindest betrachtet das Hin-& Her einzig unter dem Gesichtspunkt, welchen Vorteil daran sowohl Anleger der DB-Real Estate (8,9%) hatten, als auch künftig Anleger von DB DWS (anfangs 5%) haben würden. Da die DB als Mieterin (laut FAZ für 15 Jahre) selbst für ihr Anlagegeschäft sorgt, »hält sich das Risiko in Grenzen«, kommentiert die FAZ im Sinne ihrer & der DB-Klientel mit äußerstem Understatement. Eine sicherere Bank als die DB gibt´s ja wohl kaum.
Aber wenn ich das ganze Geschäftsgebaren sowohl als Laie & daran unbeteiligter Beobachter, aber auch unter dem Blickwinkel eines Staatsbürgers betrachte, der nach den Verlusten des staatlichen Steueraufkommens fragt, gehe ich davon aus, dass kein Schritt der DB ohne ihren, bzw. auch von deren Kunden Gewinn gemacht wird.
1. Die Zwillingstürme werden von der DB Real Estate errichtet. Deren Anleger bekommen zuerst Verlustzuweisungen, später die genannten Gewinne, während die dort als Mieterin bei sich selbst logierende DB ihre Miete beim Fiskus als Gewinnminderung ausweist.
2. Die DB kauft das Objekt von der DBRE zurück und renoviert es, so dass es als eines der umweltfreundlichsten Bürogebäude der Welt den Energieverbrauch um 50%, den Wasserverbrauch um 70% & die Kohlendioxidemission um fast 90% reduziert, wie die FAZ berichtet. Die Investitionen von 200 Mio €, die von der RE nur getätigt hätten werden können, wenn die Gewinne ihrer Anleger reduziert oder gar davon geschluckt worden wären, werden vom nun zeitweiligen Neubesitzer, der DB, aufgebracht.
Die Deutsche Bank hat einen doppelten Vorteil von der Renovierung. Nicht nur diese selbst, sondern auch über den Weg von deren Finanzierung. Der scheinbare Gewinn des Ankaufs von 275 Mio. reduziert die steuerliche Abgabe durch die Investitionen, und diese nehmen wahrscheinlich auch die kürzlich erlassene steuerliche Entlastung zur Förderung der Umweltverträglichkeit der Gebäude in Anspruch.
3. Der Verkauf der 2007 für 275 Mio. erworbenen, dann für 200 Mio. renovierten Doppeltürme zum Preis von 600 Mio. bringt einen satten Gewinn von 125 Mio. Der Mietpreis, den die DB jährlich an ihren Immobilienfonds zahlt (derzeit 32,2 Mio €) wird natürlich weiterhin von ihr als Betriebskosten, also steuerlich abzugsfähig ausgewiesen und mindert damit die anderweitig angefallenen Steuern der DB.
Dass die Bank (& die in ihren Fonds versammelten Anleger) im Verlauf der Transaktionen Gewinne gemacht haben, steht außer Frage; ebenso auch, dass sie es nur aufgrund einer Steuergesetzgebung machen konnten und können, die in ihrem Sinne ist & zu ihrem Nutzen fungiert. Einzig verloren aber hat dabei der Staat.
So oder so ähnlich wird es gelaufen sein. Seit mir einmal der Oberbürgermeister von Darmstadt erklärt hat, dass (& wie) der dort alles beherrschende Pharmakonzern Merck keinen Pfennig Steuern in den Stadtsäckel bezahlt, kann ich die Klage von individuellen und juristischen Personen (wie Konzerne oder Banken), die Großverdiener & -gewinner sind, über die deutschen Steuerlasten nicht mehr hören.
Umso weniger, als ihnen die auf sie zugeschnittenen Steuervorteile immer noch nicht genug waren & sind, um sie nicht auch noch durch illegale Machenschaften der Steuerhinterziehung zu übertrumpfen.
