Visionäre wie Julius Maggi und Justus von Liebig waren nicht nur Meister ihres Fachs, sie waren darüber hinaus auch soziale Pioniere. Ende des 19. Jahrhunderts war die Ernährungslage der Fabrikarbeiter katastrophal. Die Arbeiterinnen fanden nicht mehr genug Zeit zum Kochen, es wurde entweder gar nicht warm gegessen oder der Hunger im Alkohol ertränkt. Mangelerkrankungen, Unterernährung und hohe Kindersterblichkeitsraten waren die Folgen dieser Misere. Erst Justus von Liebigs wasserlöslicher Fleischextrakt ermöglichte es den einfachen Arbeitern, sich eine schnelle, billige, warme und nahrhafte Mahlzeit zuzubereiten. Und ich möchte nicht wissen, wie viele arme Studenten im Examensstress noch heute über ihren Schreibtischen verhungern müssten, gäbe es nicht die schnell überbrühbaren Segnungen eines Julius Maggi, denn dieser schuf mit seinen Würzmitteln auf Basis von Leguminosenmehl erst die Grundlage der modernen Tütensuppe.
Aber auch in der Wissenschaft hat sich die deutsche Lebensmittelchemie ihre Lorbeeren verdient. So stattete ein bedeutendes Heilbronner Unternehmen Ende des 18. Jahrhunderts Expeditionen in die Antarktis mit ihren Erzeugnissen aus. Es ist erstaunlich, aber die erste warme Mahlzeit am Nordpol war wohl eine Erbsensuppe aus dem Hause Knorr. Auch heute noch wäre die moderne Raumfahrt ohne Instantnahrung und Fertiggerichte gar nicht möglich. Oder versuchen Sie mal, bei absoluter Schwerelosigkeit einen Pfannkuchen zu wenden.