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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:28

Kennzeichen T - 02.10.2011

02.10.2011

Happy Fundi-Bunga-Birthday!

Wenn Sie diese Kolumne öfter lesen, meine Damen und Herren, dann werden Sie vielleicht die Widersprüchlichkeit meiner Person bemerkt haben: Ich bin leidenschaftlicher Kulturpessimist – und trotzdem ein Büttel der Massenmedien. »Es gibt kein richtiges Leben im falschen«, hat Theodor W. Adorno geschrieben, und er war damit allzu schönfärberisch: Wenn ich morgens vor dem Spiegel stehe, dann rasiere ich einen Kabarettisten, den ich schon mal im Mitteldeutschen Rundfunk gesehen habe – gibt es ein falscheres Leben im falschen?

 

Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

 

Doch die Zeiten der Kritischen Theorie sind lange passé – oder wie es ein User namens ›Frankfurt 21‹ kürzlich in die Welt getwittert hat: »Adorno ist ’ne Westend-Pussy.« Kulturoptimismus ist das Zeichen der Zeit – und dessen Großsprecher nennt sich Mark Zuckerberg. Der Chef von Facebook hat Ende letzter Woche angekündigt, seine Firma möchte als nächstes ein Lebensarchiv für jeden Nutzer aufbauen. Darin sollen alle Handlungen des ganzen Lebens für immer gespeichert werden. Vor dreißig Jahren hätte so etwas ein James-Bond-Bösewicht verkündet. Zuckerberg stand dabei tatsächlich auch vor einer Prahlhans-Grafik seiner Pläne, ganz wie Dr. No im Hauptquartier: »In 45 Minuten werde ich alle Daten dieser Welt besitzen, Mr. Bond. Niemand wird auch nur in der Nase bohren können, ohne dass ich davon weiß. Und Sie werden dabei sein. Sehen Sie diesen Apparat? Das ist ein 100-Millionen-Dollar-Laser, der aus menschlichen Zellen Festplatten herstellt. Es wird mir ein Vergnügen sein, meine Urlaubsfotos auf Ihnen zu speichern. Auf Wiedersehen, Mr. Bond.«

 

Bis es soweit ist, begnügt sich Facebook mit der Organisation von Massenbesäufnissen. Das nächste soll in Hamburg stattfinden. Seit gestern wollen die dortigen Verkehrsbetriebe für Alkoholkonsum in ihren Beförderungsmitteln ein Bußgeld von 40 Euro erheben - und prompt trifft sich der Netzpöbel, der erst letzte Woche die Piraten in den Berliner Senat gehievt hat, zum nächsten Coup: 11.000 Quartalssäufer möchten dem öffentlich bedröhnten Nahverkehr morgen Abend ein gebührendes Abschiedsprösterchen hinterherhicksen. Weil die Einladung dazu auf Facebook steht, stellen sich die Behörden auf  - Zitat - »Zustände wie an Silvester« ein.

 

Mit Verlaub, so harmlos wirds nicht werden. Silvester ist hinlänglich bekannt als Anlass für die halbherzigsten Partys seit Tante Irmgards Fünfjährigem im Pflegeheim. Was die durstigen Pendler dagegen vorhaben, klingt eher nach Pichelhalligalli osteuropäischer Provenienz, so im Ausmaß ›Boris Jelzins Junggesellenabschied‹ - wenn das als Warnhinweis genügt.

 

Verschlimmert wird die Situation noch durch die drei Geburtstage, auf die es diese Woche anzustoßen gilt. Der Siebzigste von Edmund Stoiber, der Sechzigste von Jutta Ditfurth und Silvio Berlusconis Fünfundsiebzigster, ein Jubelpaar, wie man es sich schöner nicht hätte ausdenken können. Die beiden äußersten Pole des Spektrums, Proton und Elektron, Fundi und Bunga, Abtreibung und Priapismus. Ein Händedruck zwischen den beiden zum gemeinsamen Wiegenfest, und sie würden sich für immer neutralisieren. Leider unmöglich, da Silvio nicht herkommen kann. Nach seinen telefonischen Äußerungen über Angela Merkels Podex hat sich der deutsche Ethikrat jüngst gegen Mischwesen ausgesprochen - und Berlusconi schaut nach der letzten Schönheits-OP nun mal aus wie eine Kreuzung aus Dagmar Berghoff und Lurchi. Außerdem muss er zuhause sein, wenn der Insolvenzverwalter kommt. Bleibt also nur, sich in die Hamburger U-Bahn zu lümmeln, und den beiden und dem Stoiber Edi und dem Adorno Teddy einen unterirdisches Bäuerchen zuzutoasten: Es gibt kein falsches Heben im richtigen. Salute!

 

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06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

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