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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:35

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXXI

22.10.2011

NORBERTS SKALP

Zu einem Krisenschoppen mit Spätfolgen findet ein man sich in der Burgkelter. Der liebe Gott nimmt auf einer schrottesken Anhöhe Platz, Agnes gesellt sich zu seinen apolden Knien. Sie hat sich getrennt, das Kind bleibt der Obhut des Vaters anheimgestellt in einer Alpenrepublik zum Glück. Nun ist die »östliche Rose« ganz frei, soweit sie sich gern macht, um ihre Karriere im Gernegroß zu verspielen. Ferner eingefunden haben sich Italosolber, aufgestiegen vom Laufburschen zu einer Art Jesus, Igor, der fürchterliche Hausmeister des Nordends, dem neuen Nordpol der Welt infolge klimatischer Verwirrungen in einem Rausch aus Schnee, die zum Haudegen berufene Tanja und Boris, umwölkt inzwischen und nur noch partiell guter Dinge. Er hat Italosolber bekämpft und Igor abgelehnt und ausgerutscht ist er auf der Schleimspur der heidnischen Agnes – und nun sitzen genau diese Leute im Lauch des Dochts und so auch im Himmel der gernegroßen Verhältnisse wie auf Erden.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Ein Schröder fotografiert Agnes mit befreiter Brust für die Nachwelt als historischen Augenblick. Der liebe Gott leidet unter Atemnot, seine Anhöhe hustet er in Grund und Boden. So geht der erste Tagesordnungspunkt vorüber.

»Was will er denn hier, für den wird es doch nie mehr vier?«, fragt Igor im polnischen Brustton, begraben so gut wie in fremder Erde.

»Ist doch klar, was der will«, weiß Agnes, und ihr wisst, dass von Texas die Rede, »er will Norberts Skalp, um in den Dreck zu treten den Skalp im Habichtswald.«

»Was weiß die Sau vom Habichtswald?«, fragt sich Hinrichs Hund, der sich zu Tanja, die mit Hunden so begabt und voll des Gefühls. Wahrscheinlich selbst auf dem harten Pflaster ihres Herzens.

Boris beneidet die Kreatur. Noch nicht mal dazu hat es gereicht, so fußläufig einmal von Tanja gestreichelt zu werden am nervösen Ohr, bloß dumpf ist leider keine Qualifikation, und dass dieser Italosolber bedenklich gucken darf, gerade so, als wüsste er eine Lösung, in der Texas´ Bestandteile in Einklang mit einem erratischen Ausgang zu bringen eine Leichtigkeit wäre, schlägt jeder Krone die Zacken vom Dornenkranz.

Norbert befasst seinen Kopf, der Kopf ist noch vorhanden vorläufig. Ist auch keine Selbstverständlichkeit mehr angesichts der hohen Spritpreise. Auch Lebensmittel sind nur noch für ein Vermögen zu haben. Er hätte Texas den ganzen Laden minus fünf Prozent, einschließlich sämtlicher Tanzbären und Gummikasper und aller alten Hüte für einen Euro abtreten sollen, ne Peepshow mit vollklimatisierten Schauspielerinnen könnte schon noch laufen. Er hätte auch zur rechten Zeit nach Peschawar auswandern und da als Talib mit einem Turban irre Videos ins Netz stellen können. Dem dämlichen Nachwuchs zur Mahnung. So was kommt von so was, von zu viel Schnaps und schlechtem Riesling und schlechtem Umgang und schlechter Verdauung … und wie schlecht ist eigentlich Boris im Vergleich mit Italosolber?

Agnes reicht Norbert einen Daumen zur oralen Supervision. Sieht sehr sakral aus, fast schon wie die Probe für das neue Stück über einen armen Afghanen ohne Arme. Sozialkritik hat gleichwohl keine Zukunft.

 

Fotos: Robert Schuler Fotos: Robert Schuler

ARISCH-GRÜNER BIOFASCHISMUS

Zu den stehenden Redewendungen des subalternen Gernegroß gehört der Satz: »Italosolber kennt die Leute.« Eine der ca. hundert Petras auf der erweiterten Leistungsebene hatte damit für Italosolber geworben, damals, als er gekrochen kam aus irgendeiner nordendlichen Mulchgrotte. Er charmierte die Seniorinnen im Gernegroß, das war sein Dreh. So flutschte er zum Enddarm des Geschehens. Das ging soweit, dass Norbert ihn Boris zur Seite stellen wollte, als stellvertretenden Barchef. Der Angriff konnte abgewehrt werden. Seither bewährt sich Italosolber als Mann fürs Grobe auf der Straße. Die zeitgenössische Schutzgeldvariante heißt: »Werden Sie Mitglied im ›Gernegroßen Verband der Gewerbetreibenden‹«. Im Nordend und in Bornheim sieht jeder Schmierlappenladen halbwegs inzwischen wie eine Gernegroßfiliale aus. Die kleinen Fische schreien nach Vernetzung und Volksgemeinschaft.

Diese spezielle Volksgemeinschaft, die es auf der weiten Welt sonst wo gibt, ist arisch-grün und biofaschistisch bis zum Fanatismus. Die Vernunft in Gestalt eines türkischen Familienvaters, der nicht im Entferntesten einsieht, warum er für eine Wohnung im Nordend doppelt soviel bezahlen soll wie für eine doppelt so große Wohnung in Offenbach, wurde ausgeschaltet. Man sagt, hier gibt es so nette kleine Geschäfte und diese schnuckelige Weinstube an der Eckenheimer Landstraße, die gibt es auch. So geht ein Verblendungstext, er ernährt ein paar Karpfen, die sich für Hechte halten. Früher saßen die Karpfen morgens um drei noch im Größenwahn, nun gibt es für sie nichts mehr außer der Burg.

 

Alles änderte sich in der Nacht, in der da Italosolber zum ersten Mal zugelassen wurde. Ihr wisst vielleicht noch, dass Boris nicht an den heiligen Stammtisch darf, wegen einer Tittengeschichte, die sofort aufhört eine Lappalie zu sein, geht man den Dingen auf den Grund.

Ich muss ausholen. In den alten Tagen, als Texas noch mit dem Colt im Gürtel auf der Kommandobrücke stand und zum Feierabend stets Dixiemusik hörte, um seiner abstrusen Seelenmischung aus Reaktion und Rebellion, sowie seinem von Geburt an geknickten Hochmut Geltung zu verschaffen, und ganz natürlich auch seiner Sehnsucht nach Hell- und Hillbillytoutchic, beanspruchte der harte Mike, den ihr als König kennt, selbstverständlich das Recht der ersten Nacht, sobald sich das Personal paarte. Das war sein gutes Recht, in Anbetracht seiner Abstammung, die sich zurückverfolgen lässt bis zur Gründungszeit der Burg, an die sich ja nur noch Texas genau erinnern kann, auch wenn er manchmal Jahrhunderte durcheinanderbringt. Das Recht der ersten Nacht entsprach folglich eher noch einer royalen Pflicht als bloßem Vergnügen. Das kapierten die Crossies nicht. Sie wähnten sich in einer Demokratie, aufgehetzt von Norbert, der mit Fortschrittsfloskeln regiert und den Leuten Sand in die Augen streut. – Und Boris hielt Entscheidungsfreiheit des Gesindes für eine von den Vorvätern erkämpfte Tatsache. Deshalb verteidigte er ein Cutie, das sich dem König verweigert hatte. Igor warf sich für Mike in die Bresche, er beleidigte den ersten Mann des Papstes, wenn man Norbert historisch verfugt, ist er wohl mehr Papst als Gott, und triumphierte indes, weil sich Boris nicht schlagen wollte. Das aber hätte er tun müssen, ohne dass es auf den Ausgang angekommen wäre. Für Gott am Tresen hätte er Igor auf die dezimierte Fresse hauen müssen, einmal feste und zwei, drei Mal sanguinisch für die Galerie. So steht es geschrieben im Buch des Lebens … aber erst eine dicke Lippe riskieren und dann beleidigt abziehen, das erzeugt doch wieder nur Wogen, die man im Vorübergehen lächelnd glättet, wenn man Mike & Norbert heißt. Das kostet einen Chef gar nichts, einen Boris jedoch die Zugangsberechtigung für den heiligen Stammtisch. – Und dann rückte auch noch Italosolber auf, so pestilent und penetrant, dass die Borisaner unter den Crossies mit Nasenach ihr Leid sich klagten. Das ging ja gar nicht.

 

Das ging ganz einfach. Italosolber besetzte die vakante Stelle als connecting link zwischen Igor und dem Gernegroß. Nebenbei versorgte er die Petras mit Informationen, die hatten entschieden keinen Bock mit den alten Böcken morgens um halbzwei, bloß um, was die Stunde geschlagen hat, zu wissen. So ist Italosolber wichtig geworden.

 

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