»Mir wird schlecht, wenn ich nur an den denken muss«, sagt Antje. Sie speit zum Spaß, soll heißen, wie konntest du uns Texas bloß antun. Wo wir doch alle so liebe Leute sind. Selbst unser Fußschweiß besitzt Herzensgüte.
»Lass laufen die Suppe«, rät Rocko mit pädagogischem Erfolg. Das kleine Tier rotzt voll ab auf den Tresen. Das sieht jetzt nicht schön aus.
Antje ist ein bisschen zurückgeblieben, das blieb länger unbemerkt. Inzwischen grassieren die Auffälligkeiten, eine kleine Eiszeit bahnt sich an. Die Frauen trinken noch Tee zum Rum, der Ballack ist nichts mehr wert, heißt es. So zwischen den Jahren und kurz vor Ultimo möchte man was Erbauliches wesentlich finden dürfen. Rocko spart seine Nettigkeiten für das kommende Jahr, ich bitte Antje, ihren Dreck selbst wegzumachen.
»Das ist dein Job«, sagt sie stupide.
»Bestimmt nicht«, sage ich, so eben noch konziliant. Antje kann bestimmt nicht bis konziliant zählen und richtig schreiben kann sie konziliant dreimal nicht. Sie schafft noch nicht mal die Kreuzworträtsel in der Bildzeitung.
»Du bringst jetzt deine Rotze in Ordnung, du verkürzte Stinkerin, ich kann so nicht arbeiten.«
»Was gibt es denn zu arbeiten?«, fragt Rocko aufrichtig erstaunt.
An einem Tisch sitzen noch vier. Norbert kennt die Leute, deshalb darf geraucht werden. Norbert ist oben bei Mike, Boris bei seinen Eltern unten und der neue Kollege hat sich mit einer Kolik verabschiedet, die, glaube ich, Ivana heißt und im Feinstaub auflegt. Er ist noch zu frisch, um zu wissen, dass morgen alle wissen werden, ob er gleich heim ist oder wie spät es war, als er nachher aus dem Feinstaub fiel. Ich muss noch auffüllen und die Kaffeemaschine sauber machen und die Abrechnung und fegen und mir irgendwie den Künstler des Abends vom Hals halten, der eine enorme Plaudertasche ist und mit seinen ausgesuchten Getränkewünschen und abgeschmacktem Zauberhokus eine schwere Belastung.
Texas hätte für mich gefegt und schon lange aufgefüllt, Rocko denkt gar nicht daran. Ich wische Antjes Rotze weg, so kenne ich mich nicht. Es ist aber auch alles zu viel gerade und dann kommt auch noch Mike als König mit Schlagseite seltsamerweise mehr hinkend als wankend an und beansprucht das Recht der ersten Nacht bei mir von Rocko.
»Die erste Nacht ist lange vorbei«, sage ich. »Du kommst zu spät.«
»Darüber solltest du dich nicht beschweren«, entgegnet der König, gebläht von einem Hochgefühl, das ihm in der Burg bereitet wurde. Er wird Norbert über den Tisch gezogen haben, trotzdem braucht auch er mal wieder eine Frau. Die Sitzengebliebenen hätten gern noch zweiundeinhalbes Getränk.
»Muss das sein.«
Das ist mir herausgerutscht, das hätte ich nicht sagen sollen. Nicht vor dem König und auch nicht vor der maulenden Antje, die von mir gar nichts mehr kriegt. Genauso so wenig wie das Luder Toni, das durch die Feuertür einsteigt, in einer türkistückischen Robe.
Der König hat eine Braue gehoben.
»Mach hin«, verlangt er, die Gäste haben meinen Affront überhaupt nicht mitgekriegt. Ich habe Antjes Rotze vom Tresen gewischt, ich schenke auch die letzten bezahlten Sachen ein. Nun folgt Norbert dem König, die beiden stehen sich immer ähnlicher.