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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:36

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXXV

03.12.2011

JENNYS ARSCH GEHT AUF WIE DER MOND

Ein Brummen weckte sie. Jenny begriff nicht gleich, dass ihr Schädel brummte. So sehr klang das Brummen nach Remisenflucht und Fuhrhof und einem anachronistischen Morgensfrüh im Speditionsbetrieb ihrer Eltern. Niedergeschlagen kam Jenny auf die Beine. Den Grind ihrer Lippen gab sie dem Handrücken.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Sie schlug sich mit kaltem Wasser. Die Armaturen waren kein halbes Jahr nach der Installation schon ziemlicher Schrott. Das verbitterte. Jenny schwor sich Abstinenz für einen Monat und reduzierte die Frist, in dem abergläubischen Bedürfnis, sich auf ihre Vorsätze verlassen zu können. Nie wieder würde sie so viel trinken. Das leere Versprechen ging der Frage voran, ob ein Schamgrund vorlag. Zweifellos war sie über ihre Barrieren gegangen. Man würde sie anprangern, soviel stand fest.

 

Jenny raffte ihre Telefone zusammen. Sie fand sich scheußlich: in einem Zustand, der sie zusammenzog, als gäbe es dafür eine Mechanik. - Als hinge ihre Existenz komplett ab von einem fiesen Außerhalb. Jemand hatte vergessen, die Kaffeemaschine auszumachen. Der Apparat war ein Geschenk von Tara. Jenny musste nicht erst nachsehen, um zu wissen, dass ihre Tochter nicht nach Hause gekommen war. Sie versuchte es mit Rauchen, ihr Vater war daran gestorben. Die Geräusche seines Ablebens hatten Mutti erzürnt. Die Mutter blühte bereits am Tag der Beerdigung orchidee´isch auf. 

 

Ob schon mal jemand über die weibliche Aura in der Steinzeit geforscht hatte? Es war alles so falsch, auch die Spritztour mit dem Rocko, fast schon bis Dorthinaus, war ein Fehler auf Feldern gewesen. Jennys Erinnerungen kehrten widerwillig ein, im Gasthaus ihres verzagten Selbst. Jenny hatte Rocko zuerst nicht geglaubt, dass er wegen ihr das Kartenhaus seiner Verhältnisse bis zur Einsturzgefahr riskieren wollte. So gediegen, wie er sich eingerichtet hat. Jenny schob den männlichen Elan auf Norberts Spezialbrände, obwohl Rocko ein routinierter Trinker war. Das musste der Neid ihm lassen. Zuerst hatte er sich da eingeführt, wo es zum Keller ging und zu den Lagerplätzen für die Zwiebeln und den Tafelspitz. Aber für Cola light niemals. Noch nie war in der Burg jemals eine Flasche Cola light geduldet worden. Rocko hatte sie überredet in der Kaschemme gleichen Namens, vormals Frikadellsche, das war auch nicht besser, auf der Rohrbachstraße zu verkehren. Holz und Horn soweit das Auge reichte, die gebeizte Bedienung war grob aufmarschiert. In Jennys Jugend war das Frikadellsche ein hot spot gewesen angeblich. Hot spot war ein Wort zum Lachen. Was hatte Jenny schon gewusst von abweichendem Leben? Wer sich auf ein Motorrad schwingen konnte, wurde beizeiten ein Nighthawk. Das stand dann auf seiner Kutte. Die Mädchen der Rocker unterschieden sich von anderen Mädchen zuerst einmal mit schwarzem Lippenstift. Sie puderten sich bleich. Bis hinauf zum Nighthawk-Präsidenten waren Jenny Avancen gemacht worden, sie hatte kaum Gebrauch davon gemacht. Schwarzer Lippenstift kam für Jenny auch dann noch nicht in Betracht, als aus den Nighthawks die Nordend-Defender geworden waren. Ihre Aufmerksamkeit richtete sich auf die Absolventen der Fachhochschule, auf sachliche Typen, die nicht zu dick auftrugen und ihren Sport hatten, zum Ausgleich. - Und vielleicht auch einen Ford Mustang, um sportlich vorzufahren. Es ist ja kein Mensch was Besonderes, aber ein Auto kann durchaus etwas Besonderes sein. Als gelernter Schlosser leistete man sich das als zusätzliche Bastelarbeit. Musikalisch mit Niveau. Das konnte Led Zeppelin heißen, aber auch Deep Purple. Die Frisur mit Augenmaß. Born to be wild lediglich am Wochenende.

 

Seelenlose Fickereien auf Parkplätzen von Großmärkten in der Pampa. Rocko erzählte von Tanja. Er parkte eine Hand auf einem Schenkel seiner interessierten Nachbarin, er verlor seinen Kurs, verfing sich und haderte. Kurz gesagt, Rocko hielt seine Tanja für undankbar. 

Wie sehr sich betrunkene Männer gleich kamen, fand Jenny. Enttäuschung zog auf. Rocko überging ihre Signale der Bereitschaft, das kannte Jenny, manche Männer mussten erst einmal reden und sich ausbreiten, mit ihren kindlichen Bedürfnissen.

 

Eine Burgnase zog am Tresen vorüber. Jenny drängte zum Aufbruch, ohne besondere Erwartungen. Vor ihnen lag Enkheim unter einem Theaterhimmel. Vögel pfiffen auf ihre Nachtruhe.

 

Rocko sah so entstellt aus wie ein Mad Max (zur Abwechslung mit Bruce Willis in der Titelrolle) in einem Science Fiction mit Astronauten auf Pferden. Er schien vor einer solistischen Aufgabe zu stehen. Jenny stolperte wie eine extrem schlechte Schauspielerin aus der Szene. Die Bühne war so weit wie der Acker, der lockere Boden eine Einladung. 

 

Für Geilheit gab es keinen Ersatz. Warum sah sie nicht ästhetischer aus. Jennys Arsch ging auf wie der Mond. 

 

Jenny wollte Rocko trocken legen und fruchtlos machen für die Konkurrenz. Während Rocko doch bereits mit seinem Kater konferierte und sich was zurechtlegte. Er wollte mit zu ihr. Jenny dachte an ihren Zurzeit, so wie man an Mahnungen denkt und sich dabei fragt, was die mit dem eigenen Leben zu tun haben. Sie willigte ein, aber dann zog es Rocko doch weiter noch um die Häuser.

 

Fotos: Robert Schuler Fotos: Robert Schuler

Das Finanzamt stand Jenny auf den Füßen und auch Tara brauchte Geld. Alle Hoffnungsspannen waren extrem verkürzt. Jenny stolperte auf der Glauburgstraße, dem Obstali direkt vor die Füße. Der Ali half Jenny auf die Beine, als kein Unmensch. Trotzdem gab er keine Zitrone für unter Eineuro ab.  

 

Das neue Paar erst im Hallenbad und dann beim Kaffee im nächsten Rumpelhaus, Jenny nicht gänzlich unverlegen. Sie fand Rocko ansprechend unverfroren und korrekterweise nicht zu herzlich. Weltmännisch ließ er die Kirche im Dorf. Das All schrie nach Entgrenzung, das Schnitzel für siebenfünfzig nur Montags ging schon. Die Cola leider nicht kalt. Cola am Besten doch immer noch zuhause. Der Küchenhelfer trug fett Eierschalen in einem Senfeimer aus seiner Küchenkloake. 

 

Jenny wohnte passabel am Park. Unterwegs konnte man sich noch mal überzeugen und vergewissern. Jenny bat Rocko aufs Sofa, sie hing den Bikini auf einen Ständer.

»Willst du deine Badehose?«

War doch ne unverfängliche Frage soweit. Da konnte man nicht meckern.

»Geht mich ja nichts an.«

»Von mir aus«, sagte Rocko und bot seinen Rucksack zum Auskramen an. Jenny griff gerade gern in fremde Sachen. Der Rucksack roch nach verschwitztem Pfadfinder. Das machte nichts. Solange keine Unterhose gleich am Anfang.

 

Von was alles Gemütlichkeit ausgehen konnte. Ein leichter Herzschmerz, mehr ein Seitenstechen. Schon seit Tagen. Sich auf jeden Fall deswegen keine Gedanken machen. Vor dem Haus rumorte die Müllabfuhr. Früher war die Müllabfuhr früher gekommen. Nicht allen Nachbarn war es recht, wenn man sie grüßte. 

Mit Musik die Stimmung heben. Gleich mal geguckt welch Geistes Kind. Der CD-Ständer so ordentlich. Selbst das Herumfahrende so dekorativ wie zur Dekoration.

 

Aus Lebenserfahrung klug, behielt man kitschige Anwandlungen soweit für sich, dass sie dem anderen nur als eine Ahnung von Gemüt und Gefühlsvermögen begegnen.

Rocko orientierte sich in einem fremden Bad. Erstmal riss er alle Schubladen auf. Immer wieder erhellend der Gegensatz von Außen und Innen. Die Innenwelt ist nicht polierbar. Eh bloß ein verstunkenes Betriebssystem, mit Scheiße an den Flanschen. Alle Rohre leck. Alles gekippt. Der Wohnungsgeruch war auf jeden Fall nicht unangenehm. Auf keinen Fall roch es zu sehr nach einem anderen Mann. Stammesgeschichtliche Wahrnehmungen, so lautlos wie Indianer.  

 

Die männliche Erregung als territoriale Maßnahme. Mit Jennys Befriedigung sich ihren Raum halbwegs schon erschlossen. Jenny hatte Rocko noch so gut wie gar nichts gefragt.

Rocko warf einen Blick in Taras Kabine. Er beschnupperte das Bett. Mit dem jugendlichem Fotzenduft kehrte er ins Schlafzimmer zurück. Er wähnte Jenny verzagt im Hinterraum ihrer burschikosen Balustrade. Sie hatte es einmal mit einem Professor für Sozialarbeit versucht, zur Abwechslung. Mit ihm war sie spätabends noch im Feinstaub gewesen, bis sein Atem vom Wein ganz sauer. Eine andere Art von Opportunismus lieferte sich der bereits abwinkenden Beobachtung aus. Der akademische Liebeskummer vermochte Jenny nicht zu rühren, so wenig wie die Bewimpelungen von Eigenschaften, die außerordentlich sein sollten. Außerordentlich doof, dachte Jenny in ihrem Steifftierparadies. Rocko machte sich wieder an ihr zu schaffen, er probierte seine Griffe aus, das Bewährte war immer noch am Besten. Er fiel zurück, sein Egoismus war schon nicht mehr groß genug, um befreiend zu wirken. 

 

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