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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:37

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXXVII

17.12.2011

IM HAGEL

Wie eine Trebegängerin pausiere ich beim Glascontainer an der Eckenheimer Landstraße. Ich überlasse mich einem Gefühl von Fremdheit. Ich werde in Frankfurt nie ankommen. Mein Frieden liegt in einer norddeutschen Grube, bei x-beliebigen Nordmännergebeinen. Der Ehrgeiz junger Mütter, die aus dem Bio-Basic pulsen, als wäre der Tod abgeschafft, oder bloß ein abgeschmackter Einfall von Reservatshuronen (ihre Leichname zählen zur irokesischen Sprachfamilie (siehe Wikipedia)), perforiert mich und lädt den Ekel ein zum Nachtisch am Katzentisch. Ich könnte mir Zigaretten am Wasserhäuschen kaufen, eine Zeitung auch. Ich wende mich der Burg zu, Rocko wird schon betrunken sein, aber immer gefeit. Er ist schnell wie atomarer Radar. Zu seiner Belustigung erhebt er sich über den Misthaufen seiner Herkunft. Lass uns Fremde bleiben, denke ich, damit uns keiner kriegt. Dieser unerhebliche Einwand gegen Erstarrung gebiert ungebeten einen Nachsatz. Vielleicht ist das, was ich für Ehrlichkeit halte, bloß Einfallslosigkeit. 

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

»Du bist die Bescheidenheit als Persicco«, behauptet der König selbstgefällig. Mike sät Zwietracht, so gut er kann. Bloß keine Einigkeit beim Fußvolk, dann rottet es sich auch nicht zusammen gegen die Herrschaften. Er steckt mir ein paar Gemeinheiten, die Boris zu mir eingefallen sind. Ich verstehe die Gemeinheiten als Verarbeitung meiner Zurückweisung plus Rocko in voller Lebensgröße und Minekes Verrat, der sich in unserem Leben fleckial ausweitet. Von wem werden wir als nächstes erfahren, was wir nie für möglich gehalten haben? So wie Texas es nicht für mögl. gehalten hat, dass Boris ihn verarschen könnte.

»Das Leben ist bunt«, entgegne ich. Ich werde Boris nicht in den Rücken fallen. Die Kluft zwischen uns muss überwindbar bleiben. Sonst haben wir beide verloren.

Jenny bringt mir zu trinken, ich muss nicht bitten. Sie ist kein Stück befangen, um Rocko beneidet sie mich jedenfalls nicht mehr.

»Wo ist dein Stoffel?«, fragt sie, genauso froh wie gleichgültig, dass er vom Umtausch nicht ausgeschlossen war.

»Ich dachte, er wäre schon im Leichenschauhaus.«

»Hab ich ihn vielleicht da übersehen.«

 

Leichenschauhaus ist auch nicht schlecht für Raucherparadies. Ganz früher war hier ein Konzentrationslager für Flaschen.

Leichenschauraum wäre dichter noch an der Kunst aus Volkshochschulen. So witzig sind wir, so egal ist das alles, egal ob Körperkontakte, Mietschulden oder Telefonrechnungen bekakelt werden. Tisch sieben will bezahlen, am Buffet stauen sich Schlitzis mit ihrem googlenden Reiseführer. Jenny rotiert im Schankraum, Mike macht keine Anstalten sich zu bequemen. Boris´ üble Nachrede stößt mir nun doch auf, ich soll Holz nachfüllen und unauffällig den Ofen auch mit Zeug anheizen, das von einer Kühltruhe abgefallen ist. So ein Mist, der den Schornstein verboten rauchen lässt. Die Säule steht über dem Nordend, das weiß ich, ohne hinzugucken. Ob ich mit Boris noch mal in einem Gespräch ohne Zeugen die Grundlage unseres Verhältnisses zur Verbesserung?

Besser ist es, nicht grundsätzlich zu werden. Boris hat den Garderobenfick mitgekriegt, kam darauf gebremst zu sprechen. Wir waren wieder einmal vorgestern unter uns im alten Jahr, so kurz nach Weihnachten. Es sprach der Vorgesetzte, der Versuch, sich etwas heraus zu nehmen, blieb im Ansatz stecken. So kommen Verstimmungen nie mehr so jung zusammen. Für die Eingeschweißten ist Tisch sieben »der alte Wagner«, nach einem Stammgast, der behauptete noch den letzten deutschen Kaiser persönlich pegelabhängig dies und das. Wohl auch einmal die Hufeisen gewechselt zu haben. Man sieht überhaupt keine Hufeisen mehr. Und wo steckt Rocko?

 

Mike zeigt sein leeres Glas an.

»Du siehst doch das Jenny.«

Auf der Kommandobrücke werde ich zur Geisel. Es hagelt Bestellungen, so wie Hagel einen trifft.

 

Fotos: Robert Schuler Fotos: Robert Schuler

MENSCHLICHE FUSSBANK

Das neue Jahr bricht für mich auf der Kommandobrücke an. Ich schenke aus, als Einwand gegen Selbstbedienung. Das Nordend ist zu Gast in der Burg und so soll es sich auch benehmen. In der Gegend von Lubbock brennt die Prärie. Feuerwerk ist verboten, bei siebzehn Prozent Luftfeuchtigkeit. Die Angaben stammen von einem Defender, der weiß, wo Texas steckt. Er ist zum Schießtraining in Westtexas. Der Gewehrlehrer heißt Skip Granberry. Ich notiere den Namen auf einem Filz. Der Name klingt nach Reisefreiheit und Florida Boy im Pepsiland. Ich habe amerikanische Erinnerungen.

 

In Alexandria explodiert eine Autobombe. Die Tagesschau könnte man zwanzigtausend Mal gesehen haben in seinem Leben. Ibu sagt das, durch die Burg ziehen Böen. In meiner Fantasie rückt das Meer vor bis zur Glauburgstraße. Ein Strand entsteht. Atolle auch.

Ich muss ein Fass wechseln und deshalb zu den Verließen hinabsteigen. Die Verließe sind als Gefängnis vorgesehen, für die Gefangenen im nächsten Religionskrieg. Zurzeit paaren sich da Körperfreunde in Korridoren zwischen den Apfelweintanks. Eine Braut ruft Jesus. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Britta, es wird ihr bei den Crossies im Gernegroß zu langweilig geworden sein. Ihre Nachbarin produziert Entbindungsgeräusche. Stille Beischläferinnen gibt es ebenfalls.

 

Wie ein Mann schreit die Burg nach Bier. Gute Vorsätze sind verboten. 

»Leg Holz nach«, befiehlt der König. Kleineglatze dient ihm als menschliche Fußbank, man gönnt sich ja sonst nichts. In der Kasse am Sommerschalter ist jede Menge Schotter vermutlich schlankweg vergessen worden. Eine große Reise liegt darin.

 

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