»Du bist die Bescheidenheit als Persicco«, behauptet der König selbstgefällig. Mike sät Zwietracht, so gut er kann. Bloß keine Einigkeit beim Fußvolk, dann rottet es sich auch nicht zusammen gegen die Herrschaften. Er steckt mir ein paar Gemeinheiten, die Boris zu mir eingefallen sind. Ich verstehe die Gemeinheiten als Verarbeitung meiner Zurückweisung plus Rocko in voller Lebensgröße und Minekes Verrat, der sich in unserem Leben fleckial ausweitet. Von wem werden wir als nächstes erfahren, was wir nie für möglich gehalten haben? So wie Texas es nicht für mögl. gehalten hat, dass Boris ihn verarschen könnte.
»Das Leben ist bunt«, entgegne ich. Ich werde Boris nicht in den Rücken fallen. Die Kluft zwischen uns muss überwindbar bleiben. Sonst haben wir beide verloren.
Jenny bringt mir zu trinken, ich muss nicht bitten. Sie ist kein Stück befangen, um Rocko beneidet sie mich jedenfalls nicht mehr.
»Wo ist dein Stoffel?«, fragt sie, genauso froh wie gleichgültig, dass er vom Umtausch nicht ausgeschlossen war.
»Ich dachte, er wäre schon im Leichenschauhaus.«
»Hab ich ihn vielleicht da übersehen.«
Leichenschauhaus ist auch nicht schlecht für Raucherparadies. Ganz früher war hier ein Konzentrationslager für Flaschen.
Leichenschauraum wäre dichter noch an der Kunst aus Volkshochschulen. So witzig sind wir, so egal ist das alles, egal ob Körperkontakte, Mietschulden oder Telefonrechnungen bekakelt werden. Tisch sieben will bezahlen, am Buffet stauen sich Schlitzis mit ihrem googlenden Reiseführer. Jenny rotiert im Schankraum, Mike macht keine Anstalten sich zu bequemen. Boris´ üble Nachrede stößt mir nun doch auf, ich soll Holz nachfüllen und unauffällig den Ofen auch mit Zeug anheizen, das von einer Kühltruhe abgefallen ist. So ein Mist, der den Schornstein verboten rauchen lässt. Die Säule steht über dem Nordend, das weiß ich, ohne hinzugucken. Ob ich mit Boris noch mal in einem Gespräch ohne Zeugen die Grundlage unseres Verhältnisses zur Verbesserung?
Besser ist es, nicht grundsätzlich zu werden. Boris hat den Garderobenfick mitgekriegt, kam darauf gebremst zu sprechen. Wir waren wieder einmal vorgestern unter uns im alten Jahr, so kurz nach Weihnachten. Es sprach der Vorgesetzte, der Versuch, sich etwas heraus zu nehmen, blieb im Ansatz stecken. So kommen Verstimmungen nie mehr so jung zusammen. Für die Eingeschweißten ist Tisch sieben »der alte Wagner«, nach einem Stammgast, der behauptete noch den letzten deutschen Kaiser persönlich pegelabhängig dies und das. Wohl auch einmal die Hufeisen gewechselt zu haben. Man sieht überhaupt keine Hufeisen mehr. Und wo steckt Rocko?
Mike zeigt sein leeres Glas an.
»Du siehst doch das Jenny.«
Auf der Kommandobrücke werde ich zur Geisel. Es hagelt Bestellungen, so wie Hagel einen trifft.