IN PANTOFFELN DURCHS FEUER
Ein bergmännisches »Schluck auf« zu jeder vollen Viertelstunde, verlangt der König von seinem Volkssturm. Er fordert auch den Kranz, mit dem sich die Gaststätte Frank falschfedrig als selbstkelternde Apfelweinwirtschaft ausgibt. Dabei war die Gaststätte Frank nur immer ein Bierlokal.
Das Falsche hätte niemals anfangen dürfen. Jetzt soll es wenigstens eine Ende haben. Kleineglatze bietet sich mal wieder am Boden an, er ist aber zu klein, um den Kranz abzuhängen. Boris wäre lang genug, bleibt aber in der Unauffindbarkeit verborgen.
»Dann gehe ich eben«, sage ich.
»Unsere Tanja«, ruft der Volkssturm miserabel. »Unsere Tanja geht für die Burg in Pantoffeln durchs Feuer.«
Kein Mensch macht mehr einen Unterschied zwischen der Gaststätte und dem Gernegroß. Kabarett ist auch nicht mehr, die Künstler kommen nur noch zum Kiffen auf die Bühne. Norbert gibt das als hervorragende Geschäftsidee bei optimaler Umsetzung aus. Grundsätzlich erscheint ihm der Zustand kulturpreiswürdig. Das geht in Richtung Beuys´scher Gesamtkunstwerkkonzeption. Das ist auch preiswert, die laufenden Kosten beschränken sich auf gestundete Abgaben an den König. Die Lohnfortzahlungen im freien Fall sind für immer ausgesetzt, Boris hat mich schon angepumpt und Norbert streitet mit dem Klo um Schichten in der Burgküche. Kleineglatze verkauft seinen Körper für fünfzig Cent. Antje macht ein Praktikum, mit der Zusage, jederzeit im Kassenhäuschen übernachten zu dürfen. So nimmt das neue Jahr seinen Verlauf seit drei Wochen, und ich nehme mir das Schawellchen für das Bembelbord hoch über dem Buffet und ziehe damit auf die Glauburgstraße, dem falschen Glanz des unangebrachten Kranzes entgegen. Meine Schürze kommt mit, als Ausweis der arbeitenden Bevölkerung morgens noch um drei. Jean Pütz ist mit 74 noch mal Vater geworden, die Natur spielt alldieweil Blinde Kuh, und auf der Straße steht kniehoch das Wasser in Folge von Tauwetter. Ich erkenne Toni am Gesang, das Feinstaub hat also zugemacht für diesmal. Ihrer fernen Gestalt gefällt eine Spiegelung in der Frankfurter Sparkassenfassaderie. Wir können uns nicht entkommen, obwohl seinerzeit das vergessene Geld aus der Sommerschalterkasse anstandslos mit mir nach Hause gegangen ist. Anders als Rocko, dem Uneingeweihten. Das Spiel ist aus, wir setzen es nur noch fort. Nun hängt kein Kranz mehr an dem Haken, den Hans Bornemann vor hundert Jahren persönlich angeschlagen hat, damals, als die Werra vom Meer versalzen wurde und Norddeutschland bis weit hinter Helleböhn geflutet war. Das weiß ich von Texas, der mehr weiß als der liebe Gott. Ich kehre zur Burg zurück, mit dem Kranz und dem Schawellchen und der Schürze und Tonis Stimme im Ohr.
Texas soll wieder im Viertel sein, unsichtbar eben. Jederzeit könnte er neben einem stehen und einem den Apfelwein wegtrinken und du wunderst dich dann, als angebliche Schnellsäuferin.