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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:38

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXXVIII

14.01.2012

ZAHME MÖWIN

Mit Grete kommen Germanen in Katzenfellen und Tigerhosen. Sie machen einen auf Völkerwanderung und Selbstversorgung, sie haben alles dabei, einschließlich einer Zapfanlage und irgendwelchen Übergelaufenen aus dem Café Läuft an der Rohrbachstraße. Im Feinstaub sollen Rohre geplatzt sein.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Die Germanen tragen Schnee in die Burg. Im Raucherparadies errichten sie einen Scheiterhaufen. Offenes Feuer, das gab es noch nie hier.

»Das ist doch unterhaltsam«, sagt der König. Kleineglatze leckt leutselig Rotwein vom Boden, den Norbert für ihn vorsorglich verschüttet. Ich suche Rocko und bemerke ihn in der Gesellschaft von Boris und Antje (vollgekotzt) auf einem Klo. Das Klo steht auf neutralem Boden.

»Das musste auch mal sein«, sagt Boris. 

»Als Erfahrung«, ergänzt Rocko.

Antje kann nichts mehr sagen. Ich ziehe weiter zum verwaisten Gernegroßtresen, jemand hat ein Bild von Texas zur Zielscheibe für Dartpfeile gemacht. Auf der Bühne weint ein Seehund. An einer Traverse hängt ein Schauspieler am Strick. Wie langweilig ich diese Schauspielertricks finde.

 

König Ahas opferte einen Sohn, um Baal zu genügen. Unentwegt kränkte Ahas den Gott der Juden. Ihm folgte Hiskia auf den Thron und gerierte sich als Monotheist vor dem Herrn. »Ich will gar nicht wissen, wer wen wie gefickt hat«, sage ich zur Kaffeemaschine. Die Kaffeemaschine entgegnet: »Ist doch alles bloß Evolution und Kokolores. Schnapp dir die Kohle und nimm den nächsten Dampfer. Er liegt schon an der Pier in der Weberstraße.«

Woher weiß die Kaffeemaschine von dem Geld in der Sommerschalterkasse? Wird das Gernegroß demnächst ne Hafenbar mit einer zahmen Möwin als Attraktion?

 

Fotos: Robert Schuler Fotos: Robert Schuler

IN PANTOFFELN DURCHS FEUER

Ein bergmännisches »Schluck auf« zu jeder vollen Viertelstunde, verlangt der König von seinem Volkssturm. Er fordert auch den Kranz, mit dem sich die Gaststätte Frank falschfedrig als selbstkelternde Apfelweinwirtschaft ausgibt. Dabei war die Gaststätte Frank nur immer ein Bierlokal.

 

Das Falsche hätte niemals anfangen dürfen. Jetzt soll es wenigstens eine Ende haben. Kleineglatze bietet sich mal wieder am Boden an, er ist aber zu klein, um den Kranz abzuhängen. Boris wäre lang genug, bleibt aber in der Unauffindbarkeit verborgen.

»Dann gehe ich eben«, sage ich.

»Unsere Tanja«, ruft der Volkssturm miserabel. »Unsere Tanja geht für die Burg in Pantoffeln durchs Feuer.«

Kein Mensch macht mehr einen Unterschied zwischen der Gaststätte und dem Gernegroß. Kabarett ist auch nicht mehr, die Künstler kommen nur noch zum Kiffen auf die Bühne. Norbert gibt das als hervorragende Geschäftsidee bei optimaler Umsetzung aus. Grundsätzlich erscheint ihm der Zustand kulturpreiswürdig. Das geht in Richtung Beuys´scher Gesamtkunstwerkkonzeption. Das ist auch preiswert, die laufenden Kosten beschränken sich auf gestundete Abgaben an den König. Die Lohnfortzahlungen im freien Fall sind für immer ausgesetzt, Boris hat mich schon angepumpt und Norbert streitet mit dem Klo um Schichten in der Burgküche. Kleineglatze verkauft seinen Körper für fünfzig Cent. Antje macht ein Praktikum, mit der Zusage, jederzeit im Kassenhäuschen übernachten zu dürfen. So nimmt das neue Jahr seinen Verlauf seit drei Wochen, und ich nehme mir das Schawellchen für das Bembelbord hoch über dem Buffet und ziehe damit auf die Glauburgstraße, dem falschen Glanz des unangebrachten Kranzes entgegen. Meine Schürze kommt mit, als Ausweis der arbeitenden Bevölkerung morgens noch um drei. Jean Pütz ist mit 74 noch mal Vater geworden, die Natur spielt alldieweil Blinde Kuh, und auf der Straße steht kniehoch das Wasser in Folge von Tauwetter. Ich erkenne Toni am Gesang, das Feinstaub hat also zugemacht für diesmal. Ihrer fernen Gestalt gefällt eine Spiegelung in der Frankfurter Sparkassenfassaderie. Wir können uns nicht entkommen, obwohl seinerzeit das vergessene Geld aus der Sommerschalterkasse anstandslos mit mir nach Hause gegangen ist. Anders als Rocko, dem Uneingeweihten. Das Spiel ist aus, wir setzen es nur noch fort. Nun hängt kein Kranz mehr an dem Haken, den Hans Bornemann vor hundert Jahren persönlich angeschlagen hat, damals, als die Werra vom Meer versalzen wurde und Norddeutschland bis weit hinter Helleböhn geflutet war. Das weiß ich von Texas, der mehr weiß als der liebe Gott. Ich kehre zur Burg zurück, mit dem Kranz und dem Schawellchen und der Schürze und Tonis Stimme im Ohr.

Texas soll wieder im Viertel sein, unsichtbar eben. Jederzeit könnte er neben einem stehen und einem den Apfelwein wegtrinken und du wunderst dich dann, als angebliche Schnellsäuferin.

 

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