Das Klo macht Klarschiff in der Küche. Ich küsse ihm einen Raspel Weißkohl von der flusigen Wange. Das tut der Widerlichkeit keinen Abbruch. Gebucht habe ich schon: sieben Wochen Gran Canadia mit der neuen Taifun-Sandsturm-Aeroflottantille, die ein mysteriöser Erfolgstyp in Berlin aufgezogen hat. Könnte auch ein Strohmann sein für Rumänen. Das glaubt jedenfalls Rocko. Heute soll ein mächtiger Geldmann in die Burg zu Verhandlungen kommen, deshalb gilt meine Aufmerksamkeit vermehrt der Enthaarung unserer Suppen. Ich weiß, dass Winnie meine Sorgfalt degenerativ findet. Komisch finde ich, dass meine Entnahme noch nicht zur Sprache gekommen ist. Gegebenenfalls könnte man sie den Germanen in die Schuhe schieben. Ich scheine auch neben mir zu stehen, als ganz geringer Widerstand. Auch zieht sich die Enthaarung heute hin ... bis zu so Haaren, da denkst du, das sind doch Schamhaare. Wo waren die denn bis eben?
Die Küche stinkt nach Achselschweiß, obwohl die polnische Putzfrau überall Senf aufgetragen hat.
Manchmal riecht Winnie richtig Scheiße. Das kommt daher, dass sein Schließmuskel ausgeleiert wurde: als Alkohol zur Abwechslung auch mit der großen Klistierspritze aus der Kelter appliziert werden konnte. Eine törichte Modeerscheinung. In Fachkreisen nannte man das »aperitife Aberration« und in einer noch riskanteren Spielart »apparationelle (analalkoholische) Perzeptionsprozession«. Wegen der Gefahr, die von Apfelbäumen im Arsch ausgeht, ist man davon wieder abgekommen. (Siehe hierzu: Gesundheitsmanagement, Grundlagenkurs IX, wegweisend in harvard medical news reader, 1. Quartal 1907, hier zitiert in der Übersetzung von Herling Wolf, dem späteren Probst zu Prost und Michelstadt.)
Boris kommt vorbei mit Kästen, die er gewohnheitsmäßig hin und her trägt. Er will nicht aus der Übung kommen, sagt er, und oben arbeiten geht nicht, solange der Fürst die königliche Gunst nicht beim Mensch-ärgere-dich-nicht für Geld verspielt.
Boris sieht mitgenommen aus. Er trinkt zu viel, das musste ihm gesagt werden. In seinem Zustand ist er leichte Beute für Mineke, die oben ohne jede Verkleidung antichambriert. Beim Fürst der Finsternis meldete sie sich zum Mätressendienst auf Probe, bestand jedoch nicht. Seither behauptet der Fürst, Mineke würde schrecklich unter Tittanus leiden. Ich glaube, er verwechselt da was.
Ich zünde Kerzen an, sie dürfen nicht zu früh angezündet werden. Ich fülle Öl in den Raucherraumofen, der sich nur noch auf vertrackte Weise für seine Aufgabe erwärmt. Das gehört zum Herrschaftswissen in der Burg. Früher war das Raucherparadies ein Lager mit direktem Tresenzugang. Auf die Tür ist ein Steckbrief von Texas geheftet. Das Foto wurde entstellt. Nun zeigt es einen Eingepissten. Einen ganz kleinen Einfaltspinsel. Von mir aus hätte es soweit nicht kommen müssen.
Igor isst was. Er führt den Kopf zum Teller, wie viele Junggesellen über vierzig. Zu seinen Gewissheiten zählt, dass er eine Frau nur zu einem Zweck noch braucht. Zwei alleinerziehende Brummen wechseln sich ungezwungen dabei ab. Ob sie sich auch absprechen?
Ich hole der Spülmaschine ein bisschen dreckiges Geschirr aus der Kneipe von den Tischen, wenn die Spülmaschine zufrieden ist, dann summt sie. Manchmal spüle ich vor, dann brummt sie. Früher waren die Spülmaschinen umfunktionierte Stalinorgeln, das war so, als Texas noch in dieser Küche arbeitete. Er könnte da immer noch zugange sein, ständig stupst mich nämlich einer unmaterialisiert an. Gar nicht mal unfreundlich. Was macht der denn? Das gibts doch gar nicht, ist aber niedlich.
»Was ist los?«, fragt Winnie. »Kommt jetzt der heilige Geist über dich oder brauchst du einen Doktor zum Spülen?«