Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 13:38

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXXIX

21.01.2012

ENTHAARTE SUPPEN oder APERITIFE ABERRATION oder APFELBÄUME IM ARSCH

Ich komme munter zur Arbeit. Vorher noch einen Espresso im Hänschenklein, das wie ein Schildhaus vor dem Burgtor steht. Der schwule Tresenmann mit seiner langen Schürze: so uninteressant wie ein Blick in die taz-Spezial für Islahme.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Das Klo macht Klarschiff in der Küche. Ich küsse ihm einen Raspel Weißkohl von der flusigen Wange. Das tut der Widerlichkeit keinen Abbruch. Gebucht habe ich schon: sieben Wochen Gran Canadia mit der neuen Taifun-Sandsturm-Aeroflottantille, die ein mysteriöser Erfolgstyp in Berlin aufgezogen hat. Könnte auch ein Strohmann sein für Rumänen. Das glaubt jedenfalls Rocko. Heute soll ein mächtiger Geldmann in die Burg zu Verhandlungen kommen, deshalb gilt meine Aufmerksamkeit vermehrt der Enthaarung unserer Suppen. Ich weiß, dass Winnie meine Sorgfalt degenerativ findet. Komisch finde ich, dass meine Entnahme noch nicht zur Sprache gekommen ist. Gegebenenfalls könnte man sie den Germanen in die Schuhe schieben. Ich scheine auch neben mir zu stehen, als ganz geringer Widerstand. Auch zieht sich die Enthaarung heute hin ... bis zu so Haaren, da denkst du, das sind doch Schamhaare. Wo waren die denn bis eben?

 

Die Küche stinkt nach Achselschweiß, obwohl die polnische Putzfrau überall Senf aufgetragen hat.

Manchmal riecht Winnie richtig Scheiße. Das kommt daher, dass sein Schließmuskel ausgeleiert wurde: als Alkohol zur Abwechslung auch mit der großen Klistierspritze aus der Kelter appliziert werden konnte. Eine törichte Modeerscheinung. In Fachkreisen nannte man das »aperitife Aberration« und in einer noch riskanteren Spielart »apparationelle (analalkoholische) Perzeptionsprozession«. Wegen der Gefahr, die von Apfelbäumen im Arsch ausgeht, ist man davon wieder abgekommen. (Siehe hierzu: Gesundheitsmanagement, Grundlagenkurs IX, wegweisend in harvard medical news reader, 1. Quartal 1907, hier zitiert in der Übersetzung von Herling Wolf, dem späteren Probst zu Prost und Michelstadt.)

 

Boris kommt vorbei mit Kästen, die er gewohnheitsmäßig hin und her trägt. Er will nicht aus der Übung kommen, sagt er, und oben arbeiten geht nicht, solange der Fürst die königliche Gunst nicht beim Mensch-ärgere-dich-nicht für Geld verspielt.

Boris sieht mitgenommen aus. Er trinkt zu viel, das musste ihm gesagt werden. In seinem Zustand ist er leichte Beute für Mineke, die oben ohne jede Verkleidung antichambriert. Beim Fürst der Finsternis meldete sie sich zum Mätressendienst auf Probe, bestand jedoch nicht. Seither behauptet der Fürst, Mineke würde schrecklich unter Tittanus leiden. Ich glaube, er verwechselt da was.

 

Ich zünde Kerzen an, sie dürfen nicht zu früh angezündet werden. Ich fülle Öl in den Raucherraumofen, der sich nur noch auf vertrackte Weise für seine Aufgabe erwärmt. Das gehört zum Herrschaftswissen in der Burg. Früher war das Raucherparadies ein Lager mit direktem Tresenzugang. Auf die Tür ist ein Steckbrief von Texas geheftet. Das Foto wurde entstellt. Nun zeigt es einen Eingepissten. Einen ganz kleinen Einfaltspinsel. Von mir aus hätte es soweit nicht kommen müssen.

Igor isst was. Er führt den Kopf zum Teller, wie viele Junggesellen über vierzig. Zu seinen Gewissheiten zählt, dass er eine Frau nur zu einem Zweck noch braucht. Zwei alleinerziehende Brummen wechseln sich ungezwungen dabei ab. Ob sie sich auch absprechen?

Ich hole der Spülmaschine ein bisschen dreckiges Geschirr aus der Kneipe von den Tischen, wenn die Spülmaschine zufrieden ist, dann summt sie. Manchmal spüle ich vor, dann brummt sie. Früher waren die Spülmaschinen umfunktionierte Stalinorgeln, das war so, als Texas noch in dieser Küche arbeitete. Er könnte da immer noch zugange sein, ständig stupst mich nämlich einer unmaterialisiert an. Gar nicht mal unfreundlich. Was macht der denn? Das gibts doch gar nicht, ist aber niedlich.

»Was ist los?«, fragt Winnie. »Kommt jetzt der heilige Geist über dich oder brauchst du einen Doktor zum Spülen?«

 

Fotos: Robert Schuler Fotos: Robert Schuler

ALS FORT MIT GEH MIR HIER EH HÄ

Mit grüner Soße zeichnet der König eine Schatzkarte auf den Tisch. Im Winter kommen die Zutaten für die grüne Soße aus Australien. Der Winter ist oben anders als unten in Australien. Sowas weiß der Geldmann.

»Genau wie hier bei mir«, freut sich der König über die Burgparallele, die sich beim Universum im linken Auge trifft.

Der Geldmann ist auch König, zumindest in akutem Schneegestöber. Bei so vielen Koinzidenzen und Schnaps aus der Tüte (einem innovativen Produkt aus dem Hause Henkell Trocken) trifft das Einvernehmen sich im Maul der Langeweile. An sich ist man lieber dagegen als wofür und hält nichts für nötig und jetzt soll man sich schon einig sein, wegen läppischer sechs Nullen an einer 2 (in Worten zwei)  für das Gernegroß als private Anstossfinanzierung mit kulanter Ratenregelung und unklarer Herkunft.

Irgendwelche Gäste wollen noch was.

»Wenn die noch mal stören, schmeiß raus das Geschmeiß und als fort mit«, sagt der König zu mir. Auch so kann er sein, so solidarisch mit der wenig verdienenden Klasse. Winnie fragt, ob ich den Herd saubermachen möchte, wegen denen vom Amt. Es wird ja alles leichter, wenn man möchte, was man muss. Ein paar Teller möchten mit in die Küche, und aus dem Off stellt sich ominös die Frage: »Kann ich dir helfen?«

Unnötig eifrig meldet im Folgenden die Stimme: »Ich kenne mich nämlich aus. Ich habe hier schon geputzt, da war der Herd noch ein Schmelzofen aus Stein und die Zahnstocher waren aus Säbelzahn. Damals gabs Mammutschinken von Fasching bis Heiligenrode ohne Ende und die Frauen gehörten allen Menschen, selbst die von den falschen Freunden.«

»Ich schaffe das allein, weißt du«, sage ich vorsichtshalber.

»Das weiß ich doch«, antwortet die Stimme, heiser vor Sympathie. Sie klingt so inkognito, dass ich lieber nicht nach Namen und so was frage. Dann frage ich aber noch: »Warst du das vorhin hinter mir in der Küche?«

»Wer sonst.«

Das hört sich nach blasierter Persönlichkeit an, das kommt mir sehr bekannt war. Man braucht mind. zwei Staatsexamen in Selbstgefälligkeit, um in der Burg eine Spitzenposition zu ergattern. – Und was bleibt einem Gespenst anderes übrig, als Führungsaufgaben.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...