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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:43

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil VII

02.04.2011

PFLICHTGETRÄNK

Zwischen grauenerregend und Frauen erregend liegt ein Buchstabe und mehr nicht, erklärt Rocko der Welt die Lage. Die Welt guckt so interessiert wie eine Kuh in der Kirche. Sie setzt sich zusammen aus Boris, Ibu und Norbert - und dem Schauspieler Mistmann, der sein Komparsen-Hartz IV zu »Drehterminen« aufrauschen lässt und am liebsten mit den jüngsten Kolleginnen im Claro Zukunftsfragen bespricht.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Ganz so, als hinge seine Zukunft nicht bei den vergessenen Sachen neben der Durchreiche an einem verbogenen Haken, sondern immer noch im Foyer des Staatstheaters von Witzenhausen, wo Mistmann vierzig Jahre den Durchbruch verpasst hat. In der Zwischenzeit flogen Menschen zum Mond, die DDR gab ihren Geist auf, der elektronische Tortenheber wurde erfunden und Peer Kusmagk erlebte seine Erhebung zum Dschungelkönig.

 

Extrem sauer ist Mistmanns Atem. Er frisst Luft und treibt den Staubmäusen Tränen in die Augen. Die Staubmäuse erinnern an das schwere Schicksal der Putzfrau. Sollte man mir ihren Job noch einmal anbieten, werde ich ihn annehmen. Die Burg erscheint mir mehr und mehr als ein Ort der Zuflucht und als Seelenasyl für StümperInnen im Endstadium. Gestern habe ich meinen Rucksack weggeworfen und so den letzten Zeugen meiner vergangenen Aufbruchsfreudigkeit beseitigt. Jetzt werde ich um Schnaps gebeten, den Norbert mit überklebtem Etikett aus Kassel mitgebracht hat. Er kursiert als Tonis Tittenterror im Krisenstab.

 

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Tittenterror ist ein Wort von Rocko. Ich mag sein Machogedöns, diese Einfachheit, die von lauter Feststellungen in der Irre ausgeht. Ich verdächtige ihn ohne Arg einer zwanghaften Routine in seinem Liebesleben. Ich glaube, Rocko arbeitet eine Liste ab. Er kann strebsam sein, wenn es um Varianten seines einzigen Themas geht.

 

Tittenterror ist ein Pflichtgetränk, seit ich Schnaps trinke, ist sowieso allen wohler. Getrunken wird auf Rainer Langhans, unserem Mann im Camp. Dies zur politischen Dimension des Tittenterrors. Boris legt eine Hand auf mir ab, das soll nichts bedeuten. Von Langhans führt kein Weg ins Licht und nicht jeder kann Mistwetter von Dreckswetter unterscheiden. Auch weiß ich nicht, was eine Zimtlaugenbasis mit Penisimplantaten zu tun hat. Und was soll das mit dem Nutzwert schlechter Laune für die Ackerwirtschaft in der Wetterau? Man wird ganz schön gefordert unter der Woche. Vor drei niemals im Bett und morgens früh ist jedes Mal die Nacht vorbei. Der Parcours am Rande der Gruben, die ich als mobile Altenhelferin abzuklappern habe, ist schlammig von abgestorbenem Gewebe und den grünblauen Aulen der Verzweiflung. Die Hessen sagen Verzwazzelung. Was man sich so alles merkt, ohne Sinn und Verstand. Plötzlich geht mir auf, dass ich die Einzige bin, die tagsüber noch arbeitet.

 

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