Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 13:43

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil VIII

09.04.2011

DELPHINE BEIM DAIMLER

Ich träume von einem Delphinritt im gefluteten Stuttgart. Die Delphine sind so plastisch wie Skulpturen. Obwohl die Stadt unter Wasser steht, fahren Straßenbahnen. Texas ist bei mir, zumindest nicht weit weg. Ich gebe mir Mühe, ihn an meiner Begeisterung zu beteiligen. Er soll verstehen, was ich empfinden. Wir sind wenig zusammen gereist, das bedauere ich im Traum. Ich war kaum je in Stuttgart, kriege aber immer noch jedes Jahr zu Weihnachten eine Weißt-du-noch?-Postkarte von einer schwäbischen Krankenschwester.

 

Ein Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Die Erinnerung an einen Stuttgarter Abend, die Schwester und ich hatten uns hinter Lustigkeit verschanzt. Das geile Interesse stämmiger Ekelpakete, die »beim Daimler« beschäftigt waren. Sie versorgten uns mit Getränken, wir spielten mit ihnen Billard. Ein verirrter Iraner, Marke einsamer Elektrostudent, wollte auch gern, das suchten die Schwaben zu vereiteln. Wir solidarisierten uns mit dem Außenseiter, trennten uns im Streit von den Platzhirschen. Schließlich landete der Student mit zwei Frauen in einem Bett. Er fickte so zuvorkommend wie ein exzellenter Oberkellner. Er blieb sozusagen beim Sie in einer fremden Sprache. Mir blieb noch ein verkaterter Vormittag in Stuttgart. Mit Bauchschmerzen geriet ich in eine auf Beatliteratur spezialisierte Buchhandlung. Ein großer Mann sprach mich an, das war der Schriftsteller Jürgen Ploog, der am Abend zuvor mit Burroughs ausgerechnet in Stuttgart aufgetreten war.

 

Rockos Brandgesicht. Mein Freund bedient sich mit Burgdreck unter den Nägeln. Er reitet auf, um sich zu entfernen. Das ist sehr freundlich von ihm. Von Automaten geschluckte Karten, Kälte, Cocktails in Kellerbars, Bornheim im Januar. Die Abstürze im Wein-Düncker, das Wiedersehen mit Leuten nach Jahren. Freundschaft und Gewalt. Der Wunsch nach einem Tageslichtbad, einem Balkon, einem ruhigen Abend am Küchentisch. Die späte Einkehr nach einem Besuch bei melancholisch-bürgerlich gewordenen Freunden. Die mondsüchtigen Viertelstunden nach dem Kino, all die Abkürzungen und Umwege und schließlich der Verzicht auf Möglichkeiten am Rande des Oeder Wegs oder der Friedberger Landstraße oder der Glauburgstraße. Texas wollte immer nur in die Burg und dann war ich auch soweit, in Erwartung eines Glücks, das sich automatisch einstellte, wenn man das Fahrrad abgestellt hatte und die Brandschutztür einem zärtlich entgegen kam. Die aufgehellten Mienen der Späteinkehrer, das Repertoire der Eingeschweissten. Norbert schon mit dem flüssigen Kinn auf dem Tresen. Sein »Quel surprise«, dies zu Texas. Die kollektive Fassungslosigkeit, als es hieß: »Texas hat die Schlüssel abgegeben.«

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

Mit Rockos Samen an den Schenkeln hole ich Brötchen bei den winzigen Tasmanen, die der deutschen Armut einen Korridor neben ihrem Kiosk eröffnet haben. Die Männer lehnen im Gang an Kästen, der frühe Morgen verweigert ihrer Zerbrochenheit jeden Rahmen. Die tasmanischen Männchen pfeilen ihr Reich wie getrimmte Mäuse. Ich bemerke einen Posten abgefahrener Reifen, eine Skulptur aus Marmeladegläsern, eine Kupferrohrinstallation.

 

Kupfer bringt Kohle auf jedem Schrottplatz.

»Haben Sie Schwierigkeiten Ihre Frau zum Höhepunkt zu bringen?«, fragt eine Überschrift. Jemand möchte seine Bildzeitung mit Karte bezahlen. Das Frühjahr schlüpft probeweise aus seiner Decke. Es tritt dem Winter zu nahe, der Winter schlägt hart zurück.

Auf manchen Dächern taut der Schnee, sie überragen schlecht isolierte Häuser. Wer hat mir das erklärt? Siehst du in Ostberlin eine Bruchbude zwischen sanierten Häusern, verweist das auf ungeklärte Eigentümerverhältnisse. Ich frühstücke allein an dem roten Tisch in meiner Küche, Rocko ist wieder eingeschlafen.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...