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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:43

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil IX

16.04.2011

ZWERGENAUFSTAND IN PERMANENZ

Das Gernegroß verstärkt jede Bemerkung. Auf den Schwingen des Klatsches wird sie lautstark zu den peripheren Plätzen getragen. Gestern sagte ich, ich hätte mein Leben gern wieder zurück, und vorhin hörte ich am Bornheimer Uhrtürmchen, wie einer zum anderen sagte: Tanja hat gestern Abend um zehn nach elf zu Norbert, der schon zehn Birnenschnäpse getrunken und binnen zwei Stunden eine Schachtel Haus Bergmann geraucht hatte, gesagt: Sie hätte ihr Leben gern wieder zurück.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Seit Stunden leben wir mit den Laufmaschen von Mädchenrock, Boris klebt an mir. Ich putze seine Brille, ich habe ihm schon lange kein Gras mehr mitgebracht. Er ist wieder bei Norberts gastronomischer Ahnungslosigkeit, ein Lieblingsthema.

»Der versteht vom Tresen nur sich als Konsumenten«, behauptet Boris. Er könnte auch mal was Neues sagen. Ein neuer Rotwein muss mit seinem Namen auf die Tafel geschrieben werden. Gar nicht so selten war ich da, wo die Tafel früher hing. Die Aufschrift hat plötzlich bis morgen Zeit, ich bin beim Wurstkasten. Wenn ich den nicht regelmäßig auswischen würde ... Auf der anderen Seite sondiert Mineke die Lage. Sie kommt mir nicht glücklich vor, so weit weg von Boris. Sein Ärger auf die Ex trägt die Survivalkluft kleiner Leute, und wann kann man sich als armer Mann schon mal gehörig Luft machen.

 

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Die Lufthoheiten verströmen Rauch wie erwartungsvolle Vulkane. Urteilsfix verkünden sie: »Der kriegt kein Bein mehr auf die Füße.« Einer muss immer dran glauben, so lautet das Gesetz. Auf dem Frankfurter Flughafen geht gar nichts mehr. Schnee in der Stadt ist die sympathischste Form der Verkehrsberuhigung. Rocko ist in Neustadt, er will mit seinen Marinetaucherjungs zum letzten Mal im alten Jahr aus einer Kneipe fallen. Diesen Seebärchen mit Melodien im Leib erscheint die Rollwende als Gipfel alerter Rollmopsigkeit. Komisch, wie leicht es mir fiel, Rocko ziehen zu lassen wie jeden Beutel. - Zurückzubleiben bei den babbischen Hessen und Dienst zu schieben, wenn andere feiern.

 

Wieder versucht Norbert, mich auf das Gleis meines Grolls zu schieben, er bleibt überschaubar. Er reklamiert mich für sich, er belohnt jeden Fehler. Ich muss ihn nur begangen haben. Deshalb werde ich auch nicht jünger. Zu alt zu werden für eine Lebensform steht als neue Erfahrung an. Gerade bezeichnet sich Mineke als Nestbeschmutzerin, und ich denke, im Stil meiner Mutter, dass Mineke kein sauberes Wesen hat. Ich ärgere mich weiterhin über Tonis Zwergenaufstand in Permanenz. Was diese Frau für ein Gewese um sich macht, ist nicht zum Sagen. Mineke versucht mit Toni eine Notgemeinschaft zu bilden, das haut nicht hin als Notlösung. Toni hält sich lieber an den glasig gesoffenen Mike, dem bald alles gehören wird. Für sein Leben gern schickt er Leute, jetzt verlangt er nach einem Premiumbier von oben. Oben liegt die Kooperative in seinem Register. Früher war oben hinten, nun ist Bewegung im Spiel. Ich verüble mir mein Interesse daran. Wird Boris für Mike laufen? Das ist die Frage im Augenblick.

 

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