Ich biete meinen Leatherman an, die Versandgebühren betrugen 2,45 Euro. Boris trägt keinen Leatherman, um sich von den Technikern abzugrenzen, diesen gelenkigen Werkzeugständern, mit dem Gehabe von Baulöwen. Ohne sie läuft nichts, trotzdem spielen sie hier keine Rolle. Sie haben sich in der Festung ihrer Zuständigkeit verschanzt, voll des Unverständnisses für »unsere schwulen Aufregungen«.
Die Sackkarre erscheint mir desolat.
»So kann ich nicht arbeiten«, sage ich einen gernecrossierenden Satz auf.
»Wenn ich dich nicht hätte«, sagt Boris, blutend in seinem finsteren Tal. Seiner Gegenwart kann er nur trotzen, wie jeder Zeitenwende. Mit Mike kehrt der Totalitarismus ein. Er lässt sich nicht drängen, noch ist wenig offensichtlich.
Mit seinem überrollenden Wesen bringt sich Mike als Aufsicht ins Spiel. Ganz Herrenmensch genießt er das Schauspiel unserer sibirischen Plackerei.
»Ihr hättet Texas nicht verarschen sollen. Dem macht so was Spaß und ihr kriegt das auch ohne nicht hin.«
»Ist dir nicht zu kalt?«, fragt Boris defensiv.
»Komm mir nicht blöd«, sagt Mike harmlos. »Auf meinen Füßen kannst du nicht stehen.«
Ich denke über Mikes Füße nach, ob er sich wenigstens die Zehen selbst schneidet. Die Kelter füllt sich mit Crossies und Kooperierten. Man erzählt sich einen, jeder in seiner eigenen Schwade. Anscheinend gilt: Wer hilft, hat verloren.
»Ach so, bevor ich es vergesse«, sagt Mike schwülstig zu Boris, »in Zukunft will ich mich darauf verlassen können, dass du eigenhändig abends das Tor zugemacht hast.«
Das Tor trennt die Gaststätte von der Straße und gehört überhaupt nicht zu gernegroßen Aufgaben. Wenn doch, dann müsste Norbert das anordnen. Aber Boris legt auf den kleinen Unterschied keinen Wert mehr. Er wendet sich an mich, mit leerem Gesicht: »Davon geht die Welt nicht unter. Gehst du eigentlich zu Minekes Geburtstag?«
»Du etwa?«, frage ich. Sollten wir schon zu alt für Gefühle sein?
