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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:44

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XV

04.06.2011

GANZ KLEINES TENNIS IM FEINSTAUB

»Das ist ganz kleines Tennis«, sagt Norbert, vermutlich deshalb, weil ihn die Bedienung nicht gleich erkannt hat. Zum ersten Mal in seinem Leben ist er im Feinstaub an der Friedberger Landstraße. Norbert traut sich kaum vor die Portale des Imperiums. Auf jeden Fall kann er im Feinstaub nicht damit rechnen, auf dem Klo allein zu sein – und in Gesellschaft pissen geht ja nicht bei ihm.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Boris hat mir erzählt, dass Norbert ihn um seinen festen Strahl beneidet. Bloß, woher weiß Norbert das? Der Wein taugt natürlich nichts, Aldi schmeckt nur im Gernegroß nach erhabenen Lagen. Wir hocken so aufeinander, dass Norbert und Boris mit mir anstoßen. Sie halten daran fest, ich bin die Geisel ihres Wohlseins im Getümmel. Toni kreuzt im Abendkleid auf, sie weiß selbst, weshalb sie nicht mehr zu uns gehört, mit ihrem himmelweiten Ausschnitt und den Nordendgeschichten, die in einem Berliner Verlag erschienen sind. Ich wäre auch gern kreativ, aber nicht so. Tamo kommt an unseren Tisch, um den Meister persönlich zu begrüßen. Norbert hustet ihn aus unserer geschlossenen Gesellschaft, Norberts Husten kennt man in Frankfurt. Die Kimme liegt frei, der Rumpf streitet mit der Schwerkraft des Übergewichts. Er zieht an seinen braunen Ärmeln, das macht er immer. Ich sollte Norbert nicht so entblößt sehen, an dieser Stelle erteile ich mir eine Rüge. Boris will wissen, wie es Texas geht.

»Das ist doch egal und ganz kleines Tennis«, sagt Norbert.

 

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Texas wohnt bei Toni und Toni wohnt gegen-über dem Gernegroß. Deshalb wurden Vorhänge am Technikerraumfenster angebraucht, wo das Personal seinen Kram hinhaut und seine Telefone checkt und außer der Reihe raucht. Manche finden Tonis Beherbergungseifer impertinent, aber Norbert, der Maßgebliche, tut so, als sei das kein Problem. Hauptsache, Texas kommt nicht durch die Tür ins Gernegroß. Er hat nämlich Hausverbot, weil wir ihn verarscht haben. Allgemein hält man das für logisch, nicht dass ich die Logik verstünde. Es ist mit nur recht so.

Aber Toni steht auf einem anderen Blatt und jetzt hat sie das Recht zu antworten. Weil Boris sie gefragt hat. Das zählt auch für Norbert. Toni nimmt Platz auf dem Tisch, man hätte einen Stuhl für sie heranschaffen können.

»Er schwimmt viel«, sagt Toni. Ihre Wohnung gehört zu einem Haus ihrer Mutter, im Nordend bedeutet das Verwandtschaft mit einer Millionärin. Das ist was anderes, als gut zu sein beim Gläserpolieren. Tonis Ausschnitt bietet auch eine Aussicht auf Bestand. Vermutlich aus diesem Grund sondert Norbert eine Schleimversion seiner Ansichten ab. Die Version schwimmt in genug Verständnisgülle, um den protegierten Köpfen auf den Hälsen von Boris und mir klarzumachen, wie sie den Scheiß richtig zu verstehen haben. Mich müsste Norbert nicht so gern haben. 

 

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