Thomas Kistner: Fifa-Mafia von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 13:44

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XVI

11.06.2011

DIE VERWANDLUNG DER WELT

Wie eine Kommandobrücke schwebt das Buffet der Kooperative über dem Deck der Erde. Rocko ist wieder da und redet von Mutationen der Wahrnehmung, in denen sich die Welt verwandelt. Vorhin hat uns der Brezelbubenkonvent ein Ständchen gebracht. Der König verknattert an seinem Platz, sein Fürst kämpft um den Sieg beim Mensch-ärgere-dich-nicht. Der harte Mike hat die Kooperative an sich gebracht, die Reihen fest geschlossen.

 

Wie ein Vasall hockt Norbert am Ofen, geneigt, dem königlichen Text viel abzugewinnen. Inzwischen sind mir die monarchistischen Zuschreibungen selbstverständlich. Die Feudalisierung der Kooperative ist als Schauspiel erhellender als alles, was im Gernegroß auf die Bühne gelangt. Mike will das ganze Nordend zu seinem Gebiet machen. Einschließlich der Dependancen des Defender-Labels. Er will gebieten, so wie manche Knaben in meiner Kindheit, denen man die Zehen lutschen musste. Die Weihnachtsdekoration sieht nach Karneval aus.

 

Jemand hat einen Einkaufswagen in den Schankraum geschoben. Ich bin die letzte Bedienung auf Erden, Rocko zählt schon zu den Granden, mit ihren Geschäften auf Burggrund nebenbei. Er lässt sich von Boris nichts sagen, wie niedlich. Ich zapfe Bier, verschütte Schnaps und leere Aschenbecher, obwohl man die letzten Aschenbecher nächtlicher Sitzungen wegen Brandgefahr nicht leeren soll. Eine Hand auf meinem Arsch zeigt die Stunde an. Das traut sich der Fürst der Finsternis nur im schnapsabstinenten Vollrausch. Abergläubisch fürchtet Igor gebrannte Sachen.

 

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In einem irren Augenblick bilde ich mir ein, Texas säße im Raucherparadies allein. Er soll am Ende seiner Burgzeit oft da allein gesessen haben, während ich mit Boris im Gernegroß die Lage besprach. Boris ist am kooperativen Stammtisch nicht zugelassen, seit einem Zerwürfnis mit Igor. Der Fürst heißt so als polnischer Gastarbeiter. Seine Gerissenheit macht ihn einsam in der Burg, seine Unterwanderungslust einzigartig … in einer Gesellschaft, die Mut zur Provinz verlangt und den Wert eines Mannes von seiner Herkunft ableitet. Da ist Frankfurt schon zu groß. Wer im Gallus geboren wurde, streitet das ab. Wer einen Frankfurter Großvater hatte, ist stolz darauf.

 

Norbert findet, dass Boris der Rüdentext am Stammtisch der Gaststätte besser nichts angeht. Norberts Doppelgesichtigkeit. Abends schmiert er das Personal und die Künstler und die besseren Gäste und nachts dröhnt seine Präpotenz vor Verachtung. Sie macht nicht Halt vor Mike und Igor, trotzdem sind diese drei Freunde fürs Leben. In dieser Konstellation nennt man Norbert »das Mädchen«. In ihr wird das Weitere zur Peripherie. Ich schätze mich glücklich, solche Feststellungen treffen zu dürfen. Ich halte mich gern am Rand auf, das glaubt meiner Lebhaftigkeit kein Mensch.

 

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