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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:45

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XVII

25.06.2011

MINIMONSTER

In einem Traum erhebe ich eine Mautgebühr im Veilchenhof. Ausgerechnet Heinzbindestrich muss sie entrichten. Ich erzähle ihm das, vor dem Aldi an der Eckenheimer Landstraße. Heinzbindestrich freut sich darüber, in einem Traum von mir vorgekommen zu sein. Er ist Schlafforscher, das passt.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Er lädt mich auf ein Getränk in die Gaststätte Frank ein. Er hatte da mal einen Stammtisch, die Brüder sind einer nach dem anderen durchgeknallt. Da war der Lehrer, der die Rechtschreibreform nicht mitmachen wollte und deshalb seine Pensionierung durchsetzte. Er redete bayrisch, obwohl er in Frankfurt aufgewachsen war. Der Rock´n´Roller war dabei, eine Burgnase der ersten Stunde, aber irgendwann nicht mehr tragbar als Koch aus Leidenschaft. Er verschwand nach dem Totalverlust seiner Kündigung. Als sei er auf der Straße geplatzt und in den Überresten von herumfliegendem Dreck nicht mehr zu unterscheiden gewesen. Der Lehrer wachte eines Tages in der Psychiatrie auf. Er wurde noch einmal freigelassen, das war nicht gut für ihn. Ein Ingenieur, der gern Motorrad fuhr und eine gescheiterte Ehe als Katastrophe erlebt hatte, verlor schließlich seine gut bezahlte Arbeit an den Suff. Er verließ sofort die Stadt, als hätte sie zu brennen begonnen. Heinzbindestrich hat zu jedem Fall eine Erklärung, die von Selbsttäuschungen ausgeht.

»So wie bei Texas«, sage ich.

»Genau so. Wenn die Anpassungen des Selbstbildes an die Wirklichkeit zu schmerzhaft sind, weicht man in Erfindungen aus. Dabei kann man vorübergehend sehr erfolgreich sein.«

Der Lehrer hatte Jahre mit der Untreue seiner Frau gelebt, die er einst mit den Worten »von dir brauche ich nur die Löcher« gefreit hatte. Er fand sich zu erhaben, um seiner Eifersucht mehr als ein Etui aus Verachtung zu gönnen. (So was weiß man, wenn man mit Texas zusammen war.)

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

Die Frau ruft an, die Heinzbindestrich zum Vater von Zwillingen gemacht hat, die näheren Umstände kursieren im Viertel. Vermutlich hat Texas sie verbreitet. In einer Version steht Texas dem Freunde regelrecht bei. Ich rufe Rocko an, schon mit Apfelweinglimmer. Dass ich mich an dieses Getränk gewöhnt habe.

Rocko will lieber mit Igor in der Burg eine Übernahme im Weltmaßstab besprechen. Ich reagiere auf Egobomben. Auf Minimonster, die solange Dunst im Nebel verbreiten, bis sie höchstens noch einem Haustier was vormachen dürfen. Gestern haben Rocko und ich lange über das faschistische ö in Motörhead gesprochen, ohne jede Feindschaft. Er trägt immer noch Sachen, die meine Vorgängerin für ihn gekauft hat, besonders störend bei Unterhosen. Da hat sich ja eine was bei gedacht und ihre Vorstellungen gehabt. Rocko will auch immer weniger Cola in seinem Jacky. Das macht Frankfurt aus ihm, sagt er. Ich staune über seine Lücken. Rocko kann Flaschen nicht mit einem Feuerzeug öffnen. Ich prüfe seine Ergebnisse, wenn es etwas zu rechnen gibt.

 

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