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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:45

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXI

23.07.2011

KOMPLETTE NULL IM VORSTAND DES GERNEGROSS

Oder: WIE FINDET MAN SEINEN ARSCH IN DEN OHREN

 

Assange droht mit Veröffentlichung aller Dokumente. Keiner weiß, ob dieser Australier auf freien Fuß gesetzt wurde. Das ist auch nicht wichtig in der Burg. Wichtig ist der schwelende Streit zwischen Norbert und dem König. Norbert hat ihm aus Kassel alte Wurst mitgebracht, angeblich sagt man da so, und der König hat die Wurst an Hinrichs Hund verfüttert. Es geht somit um die Wurst als Identität und Daseinsausweis und in letzter Konsequenz um Norberts niedrige Herkunft. Nicht umsonst kommt nach Oberhessen Niederhessen, und Frankfurter sind eigentlich überhaupt keine Hessen.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

So sieht Mike die Welt als König. Er hat Gernhardts Wort von der Saugwurst, die Norbert angeblich sei, wieder in Umlauf gebracht, bis zu den niedrigen Chargen, die an sich sich keine Witze erlauben dürfen. Sogar das Klo erzählte was von Saugwurst. Daraufhin wurde er von Mike als subalternes Arschloch bezeichnet, als noch richtige Gäste seine Großartigkeit einatmeten. Das waren Leute vom hessischen Rundfunk, auch eine Ansagerin namens Veronika, die sich zuerst an Norbert herangemacht hatte, bis ihr aufging, wer in der Wahrheit der Burg ansageberechtigt ist.

 

Ausgerechnet Kleineglatze möchte nun zwischen Mike und Norbert vermitteln. Er will auch den Schankraum mieten, für eine Verfilmung seiner Lebensgeschichte. Er ist eine komplette Null im Vorstand des Gernegroß und soll noch als Erwachsener missbraucht worden sein, und zwar von Igor. Ich habe mich an Igor gewöhnt, seit ich auch oben arbeite. Wir kiffen schon zusammen, das gefällt Boris am wenigsten. Ich komme jetzt nicht mehr so oft nach hinten oder unten, das heißt, zu Boris in den Bühnensaal, schon deshalb nicht, weil Rocko an der Patina im Schankraum hängt und im Gernegroß den männlichen Umgang vermisst. Meine Obenohneuntenschichtenkollegin Jenny guckt immer so hingebungsvoll zu Rocko hin, kann sein, dass das auch was zu bedeuten hat, obwohl Rocko sie unter uns »das schlechte Bindegewebe« nennt. Woher er das weiß?

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

Kleineglatze erscheint Mike in der Heiner Geißlerrolle ungeeignet. Er sieht in Kleineglatze eher ein seiner Herde verlustig gegangenes Geißlein. So lässt sich die ominöse Wurstfrage nicht klären. Demoralisiert von der Verfahrenheit der Lage, ordert Norbert Schnaps als Zuspruch von mir, der von ihm so geschätzten Tanja, dass ich nicht ahne, was als nächstes kommt.

»Wenn mich einer Saugwurst nennen und die Wurst aus meinem Dorf verschmähen würde«, missioniert Rocko, »könnte der garantiert seinen Arsch sofort in den Ohren suchen.«

So liebe ich meinen Freund. Der changiert nicht und denkt nicht in Spiralen, die jeden Furz mit der Weltgeschichte verdrehen. Rocko versteht seine Einlassung als Ermutigung für Norbert, aber für Norbert sind Verdrehungen eine liebgewonnene Gewohnheit aus den Tagen als er noch Chef im Ring war und ihn viele für einen Paten hielten. Und nicht für einen Typen, zu dem man Saugwurst sagt und dessen Heimatwurst an den Hund eines Stammtischsklaven verfüttert wird.

»Setz dich doch«, bittet mich Norbert.

»Die soll ihren Arsch taktvoll auf souveräner Kopfhöhe halten«, schreitet Mike erbittert ein, »wir sind hier doch nicht in deinem Hinterland und talibanischen Untergrundmuffding, wo immer gleich nach den Menschenrechten geschrien wird, als gäbe es kein Morgen ohne Saugwurst und Bier im Himmelherrgott.«

 

Ich bleibe demnach stehen, das wird beifällig benickt, auch von Rocko. Sowieso ist sowohl gleich als auch alsbald die nächste Ladung fällig, sieben Mal Birne und zwei Mal Apfelschnaps und vier Bier und drei Schoppen und zwei Spritzer und das alles auf die Burg. Das gilt ferner für Hinrichs Bestellung und ist nicht jeden Abend so, bloß gerade gleich wieder.

Ich kippe einen Kleinen allein, Boris dürfte jetzt auch allein auf der anderen Seite der Welt sein. Höchstens noch mit Antje, der man so viel erklären muss. Jenny geht einem Defender im Raucherparadies an die Wäsche, auf der Defenderkutte steht tatsächlich Texas Ranger. Lange kann es nicht mehr dauern, bis Texas wieder auftaucht und Unerfreulichkeiten ihren Lauf nehmen. Vielleicht hätte ich doch besser nicht meinen Tagesjob gekündigt, um die umständliche Dankbarkeit der Alten zu entbehren.

 

 

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