Kleineglatze erscheint Mike in der Heiner Geißlerrolle ungeeignet. Er sieht in Kleineglatze eher ein seiner Herde verlustig gegangenes Geißlein. So lässt sich die ominöse Wurstfrage nicht klären. Demoralisiert von der Verfahrenheit der Lage, ordert Norbert Schnaps als Zuspruch von mir, der von ihm so geschätzten Tanja, dass ich nicht ahne, was als nächstes kommt.
»Wenn mich einer Saugwurst nennen und die Wurst aus meinem Dorf verschmähen würde«, missioniert Rocko, »könnte der garantiert seinen Arsch sofort in den Ohren suchen.«
So liebe ich meinen Freund. Der changiert nicht und denkt nicht in Spiralen, die jeden Furz mit der Weltgeschichte verdrehen. Rocko versteht seine Einlassung als Ermutigung für Norbert, aber für Norbert sind Verdrehungen eine liebgewonnene Gewohnheit aus den Tagen als er noch Chef im Ring war und ihn viele für einen Paten hielten. Und nicht für einen Typen, zu dem man Saugwurst sagt und dessen Heimatwurst an den Hund eines Stammtischsklaven verfüttert wird.
»Setz dich doch«, bittet mich Norbert.
»Die soll ihren Arsch taktvoll auf souveräner Kopfhöhe halten«, schreitet Mike erbittert ein, »wir sind hier doch nicht in deinem Hinterland und talibanischen Untergrundmuffding, wo immer gleich nach den Menschenrechten geschrien wird, als gäbe es kein Morgen ohne Saugwurst und Bier im Himmelherrgott.«
Ich bleibe demnach stehen, das wird beifällig benickt, auch von Rocko. Sowieso ist sowohl gleich als auch alsbald die nächste Ladung fällig, sieben Mal Birne und zwei Mal Apfelschnaps und vier Bier und drei Schoppen und zwei Spritzer und das alles auf die Burg. Das gilt ferner für Hinrichs Bestellung und ist nicht jeden Abend so, bloß gerade gleich wieder.
Ich kippe einen Kleinen allein, Boris dürfte jetzt auch allein auf der anderen Seite der Welt sein. Höchstens noch mit Antje, der man so viel erklären muss. Jenny geht einem Defender im Raucherparadies an die Wäsche, auf der Defenderkutte steht tatsächlich Texas Ranger. Lange kann es nicht mehr dauern, bis Texas wieder auftaucht und Unerfreulichkeiten ihren Lauf nehmen. Vielleicht hätte ich doch besser nicht meinen Tagesjob gekündigt, um die umständliche Dankbarkeit der Alten zu entbehren.