Nur Mineke sitzt da schon wieder und sieht davon ab, dass sie lästig fällt, spätestens nachdem sie Boris´ Impotenz der Frankfurter Rundschau verpetzt hat. Das war ein erheblicher Beitrag zur Vermehrung des Misstrauens. Dazu Tonis Veröffentlichungen. Langsam wird die Luft dünn im Gernegroß. Oben arbeitet heute Jenny, was Rocko gestern schon wusste, obwohl er sich sonst nichts Soziales merken kann. Vorbei sind die beschwingten Zeiten. Keiner geht mehr einfach aus sich heraus, man lungert nur noch herum, wenn man nicht wegen irgendwas auf der Lauer liegt. Zu gern hätte Boris mich heiter & plaudrig, so wie vor dem Sündenfall und allen möglichen Brandsätzen. Weiß ich, wo er morgen steht, vielleicht reu-räudig vor Minekes Tür? Um in einem Vertraulichkeitsanfall meine Unterhosen sowie andere H & M-Geheimnisse zu verraten.
»Wir wollen doch alle nur Bezirksliga spielen«, sagt Boris. »Das kann nicht so schwer sein.«
Das findet Norbert auch, sozusagen als Ausnahmeathlet, aber für Gernecrossies gibt es keine Sorte Prost mehr, die nicht schon in der Zeitung gestanden hat. Selbst meine Handcreme wurde namentlich zitiert.
»Wann ist nochmal der Andrea Berg-Abend?«, fragt Mineke, als würde sie direkt zu uns gehören, zu dem sagenhaften Dreier-Kompottgestirn, das Texas ein Ticket ausgestellt und ihn auf eine Einbahnstraße geschickt hat. Ich möchte überhaupt nichts zu Mineke sagen. Boris spürt die Verstimmung und variiert einen unserer dümmsten Sprüche, damit ich weiß, dass er mir überallhin folgt, so dackelig: »Vertrauen wird überbewertet.«
Ich glaube, Mineke will Boris zurück. Eine bessere Partie macht sie nicht mehr. Wie man sich bettet, so liegt man. Texas liegt jetzt bestimmt schon vor Tonis Klo auf dem Teppich. Ob er mich beim Wichsen manchmal einbaut? Ob Toni mit ihm? Das glaube ich nicht, auch wenn es mir egal wäre.
»Also nichts ist mit Andrea Berg«, sagt Mineke, um penetrant zu sein.
»Das klären wir noch ab«, sagt Norbert, um kompetent zu erscheinen. »Wir geben uns rechtzeitig Bescheid.«