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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:45

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXII

20.08.2011

VERTRAUEN WIRD ÜBERBEWERTET

Norbert erläutert mir die Vorzüge »straffer Regimer«. Er vertraut auf die Wirkungen von Gehirnwäsche. Er will nicht, dass das Personal so klar sieht wie er. Klar sieht, wie er abrutscht ins Dilemma. Boris ist froh, dass ich mal wieder mit ihm trinke und Rocko sich oben aufhält, angeblich weil am Gernegroßtresen nicht genug Platz für ihn gemacht wurde, bei seinem Besuch vorhin. Dabei sitzt kaum eine auf der armleuchtenden Bezahlseite.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und AMAL TUSCHICK

 

Nur Mineke sitzt da schon wieder und sieht davon ab, dass sie lästig fällt, spätestens nachdem sie Boris´ Impotenz der Frankfurter Rundschau verpetzt hat. Das war ein erheblicher Beitrag zur Vermehrung des Misstrauens. Dazu Tonis Veröffentlichungen. Langsam wird die Luft dünn im Gernegroß. Oben arbeitet heute Jenny, was Rocko gestern schon wusste, obwohl er sich sonst nichts Soziales merken kann. Vorbei sind die beschwingten Zeiten. Keiner geht mehr einfach aus sich heraus, man lungert nur noch herum, wenn man nicht wegen irgendwas auf der Lauer liegt. Zu gern hätte Boris mich heiter & plaudrig, so wie vor dem Sündenfall und allen möglichen Brandsätzen. Weiß ich, wo er morgen steht, vielleicht reu-räudig vor Minekes Tür? Um in einem Vertraulichkeitsanfall meine Unterhosen sowie andere H & M-Geheimnisse zu verraten.

»Wir wollen doch alle nur Bezirksliga spielen«, sagt Boris. »Das kann nicht so schwer sein.«

Das findet Norbert auch, sozusagen als Ausnahmeathlet, aber für Gernecrossies gibt es keine Sorte Prost mehr, die nicht schon in der Zeitung gestanden hat. Selbst meine Handcreme wurde namentlich zitiert.

»Wann ist nochmal der Andrea Berg-Abend?«, fragt Mineke, als würde sie direkt zu uns gehören, zu dem sagenhaften Dreier-Kompottgestirn, das Texas ein Ticket ausgestellt und ihn auf eine Einbahnstraße geschickt hat. Ich möchte überhaupt nichts zu Mineke sagen. Boris spürt die Verstimmung und variiert einen unserer dümmsten Sprüche, damit ich weiß, dass er mir überallhin folgt, so dackelig: »Vertrauen wird überbewertet.«

Ich glaube, Mineke will Boris zurück. Eine bessere Partie macht sie nicht mehr. Wie man sich bettet, so liegt man. Texas liegt jetzt bestimmt schon vor Tonis Klo auf dem Teppich. Ob er mich beim Wichsen manchmal einbaut? Ob Toni mit ihm? Das glaube ich nicht, auch wenn es mir egal wäre.

»Also nichts ist mit Andrea Berg«, sagt Mineke, um penetrant zu sein.

»Das klären wir noch ab«, sagt Norbert, um kompetent zu erscheinen. »Wir geben uns rechtzeitig Bescheid.«

 

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Wenigstens Mineke könnte noch damit rechnen, dass Norberts Zuständigkeit im Nordend unbegrenzt ist. Er spekuliert darauf, wie arm ist das denn. H-a-l-l-o!

»Wo sind wir hier?«, frage ich Boris. Er sollte mal wieder seine Trikotagen wechseln. Er trägt immer noch seine Schürze, mit Wachsflecken, die sich vor drei Tagen zugetragen haben. Primatesk verschränkt er seine Hände hinter dem Kopf. Ich befinde mich auf Achselhöhe, Boris ist auch im Sitzen groß.

»In anderen Umständen«, antwortet er.

Norbert notiert den Dialog in zwei Sätzen, »wegen seiner verfehlten Prägnanz«. Wie kriegt man Prägnanz mit pregnant zusammen?

Mineke muss aufs Klo und sagt das an. Solche Mitteilungen gehörten zum guten Ton des Ancien Régime. Jetzt wirkt die in besseren Tagen gemeinschaftlich erpinkelte Vertraulichkeit so schäbig wie ein durchgesessenes Sofa. Ich sage: »That's a little bit more information than I needed«, und Norbert sagt: »So wird das kollektive Gedächtnis zur Kloake." Und Boris sagt, überraschend feindlich: »Du kannst ja mitgehen und einen treffenderen Satz angeln.«

Und mehr ist nicht, bis ich wieder oben bin, wo das Berauschtsein Freude macht. Ich werde herzlich empfangen: »Die Burg hat Tanja wieder«, verkündet der König seinem Hofstaat so, als wäre das Gernegroß nur noch ein abgetriebenes Tretboot kurz vor Packeis und dem weißen Tod.

 

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