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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:46

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXIII

27.08.2011

TÖCHTER MANNHEIMS

Antje ist eifersüchtig auf Facebookfreunde bekannter Menschen. Ihr bekannter, heißt das. Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit sei man zu sinnbefreitem Adden verurteilt. Antje sagt das so: sinnbefreit.

»Muss man denn bloß weil?« - »Muss man nicht«, bemerke ich in meiner erwachsenen Art, vom Schwamme befreit im Reich der geräumigen Arbeitsfläche unserer Tankstelle im Gernegroß, aber selbst der Obsttürke an der nächsten Eckenheimer Landstraßenecke ist jetzt Biotürke mit Demeterrumpel in seinem flexiblen Verschlag. So oder so geht das Abendland munter unter.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Boris setzt die Brille ab, damit er auch mal was sieht. Eine Hand fegt den Tresen. Alles mainz, sagt die Hand. Boris möchte mir alles erzählen. Erst erzählt man sich alles und dann tut es einem Leid, sage ich dann doch nicht. Minekes Gehirnlappen hält Boris für entzündet. Er weiß schon nicht mehr, wieso er mit Mineke überhaupt je zusammen. War immer Krampf meistens. Die Ausflüge in dem alten Auto sowieso. Sich bekochen, nach Spaziergängen im Viertel: als würde man Paare beobachten, die sich beim Zähneputzen filmen. So kam Boris das vor. So entfremdet der Natürlichkeit. Seine Nächtlichkeit, ihre »Frühchenbedürfnisse«. Wie oft hat er Mineke in der Burg bis zu einer Tür gebracht, um bald erleichtert zu uns und Eva Demski an den Tresen zurückzukehren.

 

Was ist jetzt Dioxin? Student trug Hose fünfzehn Monate, ohne sie zu waschen. Wie in Vietnam das Clockwork Orange, so das Dioxin in seiner Giftigkeit, sagt egal wer. Ist für jeden was dabei, außer für Antje, die ihre Kollegen für eine Klagemauer hält. Sie quengelt den Mörtel der Geduld aus sämtlichen Fugen.

 

Einmal zerschlug Mineke eine Melone, da kannte ich sie noch nicht genug, um das nicht melodramatisch zu finden. Ich half Boris bei der Diagnose, er vermutete bei Texas das gleiche kranke Profil. So wer sieht sich immer irgendwie als Künstler, Minekes Band heißt Töchter Mannheims und tritt morgen im Club Voltaire auf. Keine Frage, dass ich nicht hingehe zum Konzert.

Wir hellen uns mit Schnaps auf, die Kassenhauskasse ist noch nicht gezählt. Viertel vor sieben ist es nach der Tassenschrankuhr in fünf Minuten. Ibu öffnet der Kälte schon mal die Brandschutztür. Manche sagen auch frische Luft zur Kälte. Geraucht wird im Akkord.

 

»Können Gene verbürgerlichen?«, fragt Ibu. Er hat Schreiner gelernt und von daher den Lauf der Welt im Nacken als ungutes Gefühl. Das Leergut muss zum Container vor dem Bioprofick.

Ibus Frage entgeht so kurz vor Job einer Antwort.

»Kannst du die Flaschen noch?«, fragt Boris, er will schnell noch die Kasse. Die Künstlerin will schnell noch ein Getränk für ihre Gitarre. Ihre Ehe, auch nicht mehr gut. Dies als Thema für später. Ab sieben sind wir dem Angriff des letzten Aufgebots ausgesetzt. Die Devisen lauten: Kultur zur Unterbrechung des Ehestreits, zur Sanktionierung von Jugendsünden, zur Verdunklung des Gemüts von Männern, die daheim lieber eine DVD. Die beste Kollegin aller Zeiten astet zum Leergut. Das bin ich, manchmal kann ich das selber nicht glauben.

 

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Fast so manieriert wie das Nordend, das Frankfurter Prenzlau. Dann passt´s ein Stück rein.
| von Uli, 30.10.2011

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