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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:46

 

Foto: Robert Schuler Foto: Robert Schuler

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXIV

03.09.2011

GESCHIRR IM SCHUHSCHRANK

Wenn Rocko »Gerät« sagt, kann das allerhand bedeuten. Vorhin bekam Jenny einen Blumenstrauß, den ein Gast im Gernegroß vergessen hat. Das läuft unter der Überschrift: Bejagung der Umgebung. Rocko ist klar, dass ich in der Burg keinen Staub mehr aufwirbeln möchte. Ich habe für genug Aufregung gesorgt, Rocko nutzt das aus. Er sagt so kleine Sachen zu meiner Herabsetzung, nennt mich »nützliches Gerät«, und lässt auch schon mal anklingen, wie er mich am liebsten hat. Da ist dann Norbert immer ganz ohrgastisch, er hat was von einem Spanner. Was Passives und erotisch Durchhängendes. So als könnte sich Norbert für sich gar nichts mehr vorstellen. Bestimmt ist er sich peinlich. Aber ab und zu schmust er mit Sonja, die auch schon mit Igor und früher in der Burg geputzt hat.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Rocko ist sich nicht peinlich. Woher weiß er, dass bei Jenny das Geschirr im Schuhschrank steht? Aus Neustadt hat er mir nichts mitgebracht, aber die Feige, die gestern auf meinem Telefon klebte, stammt angeblich aus einer Neustädter Tüte Feigen, die zum Verzehr in der Burg angeschafft worden sein soll. Würde ich Rocko darauf ansprechen, wäre die Nacht im Eimer. Für Streit ist immer noch genug Zeit in nächster Zukunft. Warum habe ich die Blumen nicht gekriegt? Wie kam die Feige zu meinem Telefon? Was geht hier vor?

 

Rocko hat schon eine Weile eine Hand niedlich am Sack. Ich finde das dorfjugendlich.

»Alles noch an seinem Platz?«, fragt Britta vollkommen unangebracht. Was geht sie das an?

»Hast du Hunger?«, frage ich, das könnte nämlich möglich sein.

»Sag ich dann schon«, antwortet Rocko in seinem Scheißauftafelspitzton. Im Hinterland seiner Garstigkeit stehe ich als miese Köchin da, der es nichts ausmachen soll, die von irgendeiner Clara mit C gekauften Unterhosen mitzuwaschen in einem Aufwasch und in der Küche aufzuhängen als gegnerische Flaggenparade. Das ist jetzt nicht plietsch von mir gedacht, aber man kann nicht immer obenauf sein, und die Blumen hätte Rocko doch genauso gut in der Vase stehenlassen können, die ich aus dem Lager geholt habe, und sogar noch ausgespült.

Er hätte sie mir vorschlagen können, als mit nach Hause.

 

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Ich muss zum Fegen in die Garderobe, die Überheblichkeit in Person hält darin Hof. Ich bitte sie an den Tresen, um sie aus dem Weg zu kriegen. Ich fege auch nicht gern in Gegenwart anmaßender Sopranistinnen, die ihre Sprösslinge vierfarbig aufwachsen lassen.

»Ich gehe ja schon«, sagt Madame abschätzig. Das heißt, was willst du tresenschlampiges Besenbein mich navigieren? Hast du keinen Beruf oder wenigstens einen Mann mit eigener Agentur? Wenn ich von meinen Erscheinungen in der Öffentlichkeit leben müsste, kämen meinem Friseur die Tränen. Dieser Friseur verlangt mit einem Frauennamen zur Kenntnis genommen zu werden. Wer braucht denn so was?

 

Die Künstlerin muss über die Bühne zum Tresen, unterwegs verkündet sie in Auftrittslautstärke: »Ich bin in meiner Garderobe nicht mehr erwünscht.«

»Tanja will auch mal Feierabend«, sagt Boris in seiner Gutherzigkeit, die, wenn sie privat wird, einen penetranten Akzent hat.

 

Rocko kommt mir hinterher, das wusste ich von seiner Hand. Vor dem größten Spiegel lässt er die Hosen auf die Schuhe fallen. Er drückt die Multifunktionstaste seines Geräts. Er sagt: »Ist die Katze aus dem Haus«, das lässt mich an meinen Konfirmationsspruch denken. Vor meinem geistige Auge wandern Tabletts voller Handkäse vorüber. Sie singen: »We don´t need no education.« Am Tresen wird ein Späteinkehrer begrüßt, der hat auch schon mit Heino auf Hawaii gespielt. Rocko sagt: »Gleich verknappt sich das Weizen im Verbrauch.«

Wie gut er sich schon auskennt und wie viel mir das bedeutet. Als sei ich die Integrationsbevollmächtigte.

Ich frage mich, ob die Künstlerin des heutigen Abends auch schon mal hier so. Mit Texas habe ich nie hier. Nur einmal auf der Treppe zum Technikerraum und dem Leerguttresor, ohne das groß was gesagt worden wäre. Auf der Straße schreit eins: »Du weißt ganz genug, weshalb du.«

Was weiß ich ganz genug weshalb? Doch eher wenig mehr, als dass Rocko alles im Spiegel sehen will, wie das Alice im Wunderland. Wie niedlich ist das denn.

 

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