Ich muss zum Fegen in die Garderobe, die Überheblichkeit in Person hält darin Hof. Ich bitte sie an den Tresen, um sie aus dem Weg zu kriegen. Ich fege auch nicht gern in Gegenwart anmaßender Sopranistinnen, die ihre Sprösslinge vierfarbig aufwachsen lassen.
»Ich gehe ja schon«, sagt Madame abschätzig. Das heißt, was willst du tresenschlampiges Besenbein mich navigieren? Hast du keinen Beruf oder wenigstens einen Mann mit eigener Agentur? Wenn ich von meinen Erscheinungen in der Öffentlichkeit leben müsste, kämen meinem Friseur die Tränen. Dieser Friseur verlangt mit einem Frauennamen zur Kenntnis genommen zu werden. Wer braucht denn so was?
Die Künstlerin muss über die Bühne zum Tresen, unterwegs verkündet sie in Auftrittslautstärke: »Ich bin in meiner Garderobe nicht mehr erwünscht.«
»Tanja will auch mal Feierabend«, sagt Boris in seiner Gutherzigkeit, die, wenn sie privat wird, einen penetranten Akzent hat.
Rocko kommt mir hinterher, das wusste ich von seiner Hand. Vor dem größten Spiegel lässt er die Hosen auf die Schuhe fallen. Er drückt die Multifunktionstaste seines Geräts. Er sagt: »Ist die Katze aus dem Haus«, das lässt mich an meinen Konfirmationsspruch denken. Vor meinem geistige Auge wandern Tabletts voller Handkäse vorüber. Sie singen: »We don´t need no education.« Am Tresen wird ein Späteinkehrer begrüßt, der hat auch schon mit Heino auf Hawaii gespielt. Rocko sagt: »Gleich verknappt sich das Weizen im Verbrauch.«
Wie gut er sich schon auskennt und wie viel mir das bedeutet. Als sei ich die Integrationsbevollmächtigte.
Ich frage mich, ob die Künstlerin des heutigen Abends auch schon mal hier so. Mit Texas habe ich nie hier. Nur einmal auf der Treppe zum Technikerraum und dem Leerguttresor, ohne das groß was gesagt worden wäre. Auf der Straße schreit eins: »Du weißt ganz genug, weshalb du.«
Was weiß ich ganz genug weshalb? Doch eher wenig mehr, als dass Rocko alles im Spiegel sehen will, wie das Alice im Wunderland. Wie niedlich ist das denn.