»Gutes Gerät«, sagt Rocko versöhnlich, »putzt sich selber die Leiste, das kann kein Staubsauger.«
Sein Aggregat leuchtet vom Reststrom aus der Künstlergarderobe. Was soll er auch Miete zahlen und sich am Einkauf beteiligen, wenn jemand so eifrig ist wie ich in bestem Einvernehmen. Plötzlich kapiere ich, wieso Rocko soviel Raum einnehmen kann. Ich lösche mit ihm Texas aus, den einzigen Mann, mit dem ich mir eine Ehe vorstellen konnte. Ich brauche Rocko für meine Zwecke. Ich brauche ihn für lauter Neubeschriftungen. Früher wäre ich weitergezogen und hätte in einer anderen Stadt mies gewohnt und irgendwas gearbeitet und mir den Mist angehört, den Männer verbreiten, die noch nicht kapiert haben, dass die zweite Lebenshälfte ihre Lächerlichkeit nach außen kehrt, wie in lauter Überschriften. Wie sie die Tasse zum Mund führen und eine Bestellung aufgeben. Wie sie vor Kollegen dastehen, falls sie welche haben. Sich eine Zigarette anzünden. Einem Auto hinterher sehen, oder einer Frau. Wie sie über Sport reden. Die Heldentaten ihrer Jugend. Die letzte Kirche, die sie von innen gesehen haben. Überall steht: besetzt und vergeben: an Jüngere, Beständigere, Gescheitere. Sie wollen sich ausweisen, aber kein Mensch will die Ausweise sehen. Mit so einem verbringst du einen Abend in Bielefeld, er hat lange in München gelebt. Dann ist die Mutter gestorben, das heißt, ihm wurde gekündigt von seiner Frau. Jetzt und schon länger nimmt er mit einem zugigen Flur vorlieb, das ist sein Leben. Da will man doch nicht einsteigen, da macht man doch Gebrauch von seinem ganz persönlichen Zeugenschutzprogramm. Mit diesen Aussichten bin ich geblieben. Mit ihnen habe ich Rocko eingeladen, er friert schon seinem letzten Hemd entgegen. Schön, dass er trotzdem für mich knurrt und sich so für den Einfluss bedankt, den ich ihm gewähre. Ich sehe den Mist der Welt wie eine Welle auf mich zukommen, das Alter schreit, dich kriegen wir auch, und so sage ich mit geputzten Zähnen im Bett: »Stell dein Gerät doch noch mal an.«
Und was sagt Rocko? Er sagt, wie der Repräsentant eines amerikanischen Bundesstaates: »Du bist doch ein liebes Ding.«
