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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:46

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXVI

17.09.2011

FLECKENSTEIN - Eine epochale Episode außer der Reihe

»Wo ist die Garderobe?«, fragt Fleckenstein ein fettes Mädchen. Eine Garderobe gibt es nicht im Gernegroß und auch keine Stühle mit Nummern. Das erklärt Antje dem großen Mann, von dem sie freilich noch nie nichts gehört hat. Aber, was weiß Antje schon? Wenn es darauf ankommt, ist alles Desaster. Gleichwohl froh und munter. Eben ein munteres Desaster. Norbert fegt heran, da steht der große Fleckenstein beinah wie Jürgen Prochnow.

Fleckenstein demnach. Der mit dem Fassbinder damals und später mit Deichsel, aber auch kommerziell erfolgreich, weil Wedel.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

August Fleckenstein ist außerdem ein Gespenst aus Norberts Jugend, insofern ein Kasseler Gespenst. Norbert kehrt drehorgelig den Gastgeber heraus, im Stil einer greisen Transe. Er drückt dem Gebrechen am Tresen einen Freibankstempel auf. Das heißt, ab in den Leichenschauraum und lasst euch heute hier nicht mehr blicken. Norbert bittet Tanja da noch einmal bitte zu fegen, wo gerade noch traulich der Dielenboden berieselt wurde. Wäre an sich nur menschlich, aber nicht mit Fleckenstein im Haus.

Fleckenstein gibt Hut und Mantel bei Boris ab. Diese Gegenstände hat der Herbst schon ein bisschen rau angefasst. Merlot singt ein Bedürfnis, dass im Ernst noch nicht einmal Koks an Rum und weiße Schenkel bis zum Hals, der Jaguar vor der Tür und ein Anzug vom Feinsten befriedigen könnte. So ein gewaltiges Maul gehört zu Fleckenstein. Entsprechend sind die Hände.

Boris steht mit Hut und Mantel da, das hatten wir noch nicht. Um Tanja ganz klar zu machen, wenn sie zu bedienen hat, erklärt Norbert: »Für diesen Herrn muss das Glas her, aus dem zuletzt Zorro selbst trank.« Tanja nimmt es aus einer Vitrine, es macht sich unauffällig in ihrer Hand. Sieht aus wie jedes andere so ziemlich. Noch einmal spülen, der Mond ist doch jede Nacht ein anderes Nashorn.

Wohin mit Hut und Mantel? fragt sich Boris in der Zwischenzeit.

 

Fotos: Robert Schuler Fotos: Robert Schuler

MEHR MERLOT oder DER HIMMEL IM AUSSCHNITT

Fleckenstein fährt Extremitäten aus. Über ihm jaulen Triebwerke. Frankfurt wird pausenlos überflogen. Ein Flugzeug kriegt die Kurve nicht. Kriegt sie doch. Die Maschine schraubt sich nur noch einmal in den Himmel. Als kosmischer Dübel sieht der Himmel fabelhaft aus. Der letzten Zitronenfalter gibt sich dann auch noch die Ehre.

Wie gesagt, dass Dach ist abgedeckt. Ein Sturm soll es bis zum Unfallkrankenhaus mitgenommen haben. 

»Mehr Merlot«, jubelt Fleckenstein.

Boris hat den Mantel zu den Putzdingen unter dem Zwillingstiefbecken getan. Der Hut behaust die Espressotassen auf der Kaffeemaschine. Die Kaffeemaschine spricht über homosexuellen Kadavergehorsam, es hört ihr indes keiner zu. Antje verteilt Decken an die Gäste, Tanja ist noch mal vorsichtshalber. Die Klingel zitiert Säumige auf ihre Plätze.

Norbert beobachtet die Ausfahrt von landing flaps. Wie die gespreizten Flugfedern einer landenden Krähe verbreitern sie Tragflächen. Sie ziehen sich wieder zusammen, der Pilot startet durch. Sein Dings gewinnt heulend Höhe. Manche Passagiere können nicht an sich halten und veröffentlichen schreckliche Befürchtungen. Norbert vernimmt das Geschrei im Himmel, er hört auch das Gras wachsen. Wie mit Schaufeln geschlagen, fühlt er sich. Dabei wurde Norbert von Fleckenstein nur erfasst.

»Fabelhaft«, schreit Fleckenstein. Das kann sich auf die Show nicht beziehen, vor ihrem Anfang ist noch nicht alles zu Ende. Die Technikerkanzel ist noch gar nicht besetzt. Ibu steckt in einer Meinungsumfrage im Milieu des Kassenhäuschens.

»Grandios«, schreit Fleckenstein. Er kann doch nur den Merlot meinen und nicht etwa das Publikum in Decken. - Oder den Himmel im Ausschnitt.

Jetzt hat Fleckenstein Boris am Wickel.

»Fräulein«, schreit Fleckenstein, »sitzen sie auf deinen Ohren oder hörst du deinem Gehör grundsätzlich nicht zu.«

»Nu ist aber mal gut«, entgegnet Tanja tapfer vom Klo zurück.

»Ibu«, schreit Norbert. Er zappelt in Fleckensteins Fängen.

 

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