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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:46

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix - Teil XXVII

24.09.2011

PAVIANÖSER STEISS

Fleckenstein trinkt aus der Flasche, was will er mit Zorros Glas. Wo er doch von Himmler noch persönlich gezeugt wurde. Fleckenstein kreist auf einem Hocker, tätlich ausschwenkend. Rumms, das saß. Ein Hämatom in nächster Zukunft. Zack. Tanja räumt den Tresen, bis zur nächsten Ausfahrt vulgo Wurstablage. Was hat der Mann lange Arme.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Fleckenstein entdeckt eine Dame … in einer strikt auf Taille getrimmten Kostümjacke, in der sie wie in einem Mieder steckt, das, so will es die Raffinesse, an eine Rüstung erinnert. Mit ausgestellter Aufmerksamkeit und echter Unruhe verfolgt sie die Einstimmung. Enorm intensiv, findet Fleckenstein die Dame. Er rumpelt gleich mal hin, vorstellen muss er sich ja nicht. Sogar an der Copacabana hat ihn ein Milcheisfachverkäufer schon einmal mit einer lokalen Größe verwechselt. So ähnlich sieht Fleckenstein der Bedeutung an sich. Er schubst den links von der Dame vom Stuhl. Die Höflichkeit gebietet ihm zu sagen: »Das ist mein Platz. Fragen Sie das Fräulein mit dem pavianösen Steiß s´il vous please, Arschloch.«

 

Die Dame zupft an sich herum, dabei sitzt alles tadellos. Zur Abwechselung wendet sie sich dem rückwärtigen Publikum zu, zeitnah in ihrer Tasche wühlend. Ein Flakon ist darin ausgelaufen, das Parfüm tränkt Leder. Fleckenstein schließt die Augen. Die Atmosphäre im bis auf den letzten Stuhl bemannten Raumflug soll ihn wie eh und je gefangen nehmen. Er ist so ein Kunstgenießer. Noch werden Instrumente gestimmt. Oder ist das schon das Konzert?

 

Die Flugzeuge donnern als weiter, das Gernegroß steckt in der eisernen Klammer der Konzentration. So muss sich das nach dem Krieg angefühlt haben, als man mit Kohlen ins Theater. Im Tross des Russen war auch Sibirien angekommen. Fleckenstein schreit: »Merlot.«  

Die Leute klatschen, man scheint sich inzwischen sicher zu sein, dass die Veranstaltung angefangen hat. Folglich passt die Pause vorzüglich ins Bild. Manche vermuten den Abtritt im Kassenhäuschen, Fleckenstein schreit Merlot. Die Gebildeten halten das für einen französischen Kommentar. Die Dame muss auch mal, sie nutzt die Gelegenheit, um fort zu bleiben. Dabei hatte man sich doch so gut.

 

Fotos: Robert Schuler Fotos: Robert Schuler

FRANKFURT, DAS IST DIE KUNST

So wie Fleckenstein im totalen Dschumm der zweiten Halbzeit es sieht, hat das Gernegroß nie ausgesehen. Die gewölbte Decke mit den Segeln, die verschachtelten Tribünen, schwebenden Treppen und Brücken, die versetzten Wände und Balustraden: gibt es nicht an Ort und Stelle. Fleckenstein hört sich selbst schnarchen, so dolle kann die Musik nicht sein.

»Willste noch Merlot?«, fragt Norbert. Er sitzt anstatt der Dame von vorhin da neben Dings Fleckenstein. Ist kurz vor Mitternacht, gequalmt wird schon wieder seit zwei Stunden. Tanja kommt mit Merlot, für jeden ne Flasche, also drei. Wozu hat der Mensch zwei Arme? Besser vier deshalb. Fleckenstein legt einen Arm um Tanjas Taille. Er wiegt sie in Sicherheit, er weiß ganz bestimmt. Schließlich war er bis eben in Berlin.

»Berlin kann jeder«, schreit Norbert. »Frankfurt, das ist die Kunst.«

Fleckenstein sagt Merlot.

 

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