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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:48

GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XXIX

08.10.2011

DIE KATTISCHE REBELLION AM OEDER WEG

Die Obduktion ergab als Todesursache Apoplexia cerebri. Das wars mit Fleckenstein im Gernegroß. Er durfte keine drei Wochen nerven.

»Nach all den renommierten Häusern gab ihm das hier den Rest«, resümiert Boris falsch.

Das ist hier für ein Leben genug und nichts Geringeres als die Welt nach den Vorstellungen von Frau Holle. In jedem Märchen steckt ein Mythos, in ihrer archaischen Gestalt war Frau Holle die Bewahrerin eines kattischen Heiligtums an der Hessenschanze zu Kassel. Norbert soll da schon Texas konferenzisch getroffen haben. Das zählt zum Verschwiegenen im Bauch der Burg. Aber alles Verheimlichte kommt zutage und wird breitgetreten und dann klein geklopft und in den Kies geharkt.

 

Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK

 

Auf den Nebenwegen im Nordend, den Spielplätzen und Höhleneintrittsstellen, zwischen geparkten Autos und auch die Hallgartenstraße hinauf bis zum Park, bis zu diesem und jenem, in den Gärten, auf den Friedhöfen, vor mythischen Wasserhäuschen, im Wasserwerk, nahe den Bunkern, da überall kann man diese klandestine Prosa in ihren Partikeln aufnehmen, auch auf Band. Das Band kann man sogar zurückspulen, bis zum Weindüncker, ach was, bis in die Eulenburg vielmehr. Fleckensteins römischer Himmel wurde schon abgehängt und zu den Prothesen des Kabaretts, seinen alten Hüten und der abgelebten Transsexualität auf den Sperrmüll getan. Die Römer haben sich bei den Griechen bedient, im Gernegroß wäre eine griechische Bedienung etwas Neues. (Ibu-O: »Griesch isch hier Wein?«) So schreitet das Leben voran zum Oeder Weg, zu Achselschweiß und Neodada.

 

Fotos: Robert Schuler Fotos: Robert Schuler

EINE MILCH DER NACHT

Langsam erholt sich die Fauna von Fleckenstein. Zuerst kehren die Frösche zurück. Die Stockenten und Blesshühner ziehen wieder ins Schilf am Kelterkahn der Burg. Auch der Eichelhäher meldet sich zum Dienst. Es geschieht dies im Dezember schon, auch daran kann man erkennen, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. In manchen Nächten tagen die Crossies in Nachthemden, aus dem Nachlass meines Großvaters, dem Gründer des Nordends. Ja, er lebte vor langer Zeit, aber ich bin auch nun nicht mehr jung. Meistens spreche ich nur noch mit Thor in meiner Altgläubigkeit. Zeit meines Lebens bin ich in der Burg. Sie ist einer der ältesten Orte auf Erden, wenn ich will, älter als das alte Ägypten, mit seinen verkoksten Pharaonen. Generationen von Mäusen habe ich Namen gegeben. Nachts war ich oft allein mit ihnen, bis Texas kam, der so ungern heim ging. Er war mir recht, als Liebhaber von Country und Blues. Obwohl seine Gary Mooremacke. Das war schon grenzwertig. Außer Burg ist er nur vorübergehend, doch weiß das kein Mensch. Die Crossies halten Texas für erledigt, für so etwas wie einen toten Bienenstock. Für blind und taub hielten sie ihn schon, als er noch da war. Mich amüsiert die Grausamkeit dieser Zwerge, für jeden steht die Falle bereits bereit. Sie ahnen nicht, dass sie Frösche sind, die eine Milch der Nacht zu Quark strampeln. Ihr Gequatsche (in den weißen Nachthemden meines Großvaters) steigt auf und verwandelt sich auf den Zinnen in Ruß und Regen. Thor spuckt sie an, sie lecken sich die Lippen.

 

Gern sitze ich lockere fünf Stündchen bei Tanja, nicht dass sie es bemerken würde. Sie trinkt so schön, wenn auch leider aus falschen Gläsern. Wenn mir danach ist, gehe ich als Rocko mit ihr heim und zeig ihr da, wo Thors Hammer hängt. Das findet sie niedlich.

 

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