EINE MILCH DER NACHT
Langsam erholt sich die Fauna von Fleckenstein. Zuerst kehren die Frösche zurück. Die Stockenten und Blesshühner ziehen wieder ins Schilf am Kelterkahn der Burg. Auch der Eichelhäher meldet sich zum Dienst. Es geschieht dies im Dezember schon, auch daran kann man erkennen, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. In manchen Nächten tagen die Crossies in Nachthemden, aus dem Nachlass meines Großvaters, dem Gründer des Nordends. Ja, er lebte vor langer Zeit, aber ich bin auch nun nicht mehr jung. Meistens spreche ich nur noch mit Thor in meiner Altgläubigkeit. Zeit meines Lebens bin ich in der Burg. Sie ist einer der ältesten Orte auf Erden, wenn ich will, älter als das alte Ägypten, mit seinen verkoksten Pharaonen. Generationen von Mäusen habe ich Namen gegeben. Nachts war ich oft allein mit ihnen, bis Texas kam, der so ungern heim ging. Er war mir recht, als Liebhaber von Country und Blues. Obwohl seine Gary Mooremacke. Das war schon grenzwertig. Außer Burg ist er nur vorübergehend, doch weiß das kein Mensch. Die Crossies halten Texas für erledigt, für so etwas wie einen toten Bienenstock. Für blind und taub hielten sie ihn schon, als er noch da war. Mich amüsiert die Grausamkeit dieser Zwerge, für jeden steht die Falle bereits bereit. Sie ahnen nicht, dass sie Frösche sind, die eine Milch der Nacht zu Quark strampeln. Ihr Gequatsche (in den weißen Nachthemden meines Großvaters) steigt auf und verwandelt sich auf den Zinnen in Ruß und Regen. Thor spuckt sie an, sie lecken sich die Lippen.
Gern sitze ich lockere fünf Stündchen bei Tanja, nicht dass sie es bemerken würde. Sie trinkt so schön, wenn auch leider aus falschen Gläsern. Wenn mir danach ist, gehe ich als Rocko mit ihr heim und zeig ihr da, wo Thors Hammer hängt. Das findet sie niedlich.
