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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:49

Prinz Friedrich von Homburg am Münchner Volkstheater

04.11.2011

Reitimitation und echte Erkenntnis

»Meint er, dem Vaterland gelte es gleich, ob Willkür drin, ob drin die Satzung herrsche?« BJÖRN VEDDER hat Heinrich von Kleists Prinz Friedrich von Homburg am Münchner Volkstheater gesehen.

 

Mareike Mikats Inszenierung von Heinrich Kleists Prinz Friedrich von Homburg am Münchner Volkstheater gehört in die Reihe der Kleistinszenierungen des Hauses anlässlich des 200. Todestages des Autors und ist – wie die anderen Kleistinszenierungen am Volkstheater auch – ganz hervorragend. Das liegt vor allem daran, dass es der Inszenierung gelingt, dem ernsten wie dem komödiantischen Aspekt des Stückes gleichermaßen gerecht zu werden, wobei insbesondere die Spielfreude des Ensembles den komödiantischen Aspekt hervorhebt.

 

Am zugleich heiteren wie tragischen Charakter der Inszenierung hat vor allem das Spiel von Robin Sondermann großen Anteil, das der Figur des verliebten Friedrich von Homburg große komische Präsenz verleiht und diesen später angeklagten Feldherren zugleich in seiner ganzen Tragik zeigt. Diesen Wechsel in der Figur trägt Sondermann gekonnt. Er gibt Friedrich zunächst als Glückskind, als großen Jungen, dem mit seinem verschmitzten Lächeln alles gelingt und der nicht nur beim Kurfürsten in Gunst steht, sondern ganz besonders auch bei dessen Nichte Natalie.

 

Er ist ein tollkühner Feldherr, der im Vollgefühl seiner Kräfte in der Schlacht von dem ihm gegebenen Befehl abweicht und damit glücklich den Sieg erringt. Schon glaubt er sich von den Göttern begünstigt, als er einsehen muss, dass er sich des Ungehorsams schuldig gemacht und damit jener Logik von Befehl und Gehorsam widersprochen hat, der auch er seine Stellung verdankt. Dieser Moment der Erkenntnis ist der entscheidende Wendepunkt im Stück. Homburgs Freunde raten ihm, beim Fürsten um Vergebung zu bitten, auch die Geliebte setzt sich ein, und der Kurfürst verspricht, ihm Gnade zu gewähren, sollte er darum ehrlich bitten. Homburg erkennt jedoch, dass das nicht möglich ist, ohne seine gesamte Existenz, die sich auf die Existenz eben jener Rechtsordnung stützt, gegen die er verstoßen hat, infrage zu stellen.

 

Rasantes Tempo

Er anerkennt, dass es dem Reich nicht gleich sein kann, »ob Willkür darin, ob drin die Satzung herrsche«, unterwirft sich dem Recht und verlangt die Vollstreckung des Todesurteils an ihm. Diese Subordination unter das Recht ermöglicht es dem Kurfürsten, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Homburg erhält den Ruhmeskranz für seinen Sieg und Natalie zur Braut. Ein Komödienschluss mit glücklichem Ende, und doch bleiben die Figuren durch ihre Erkenntnis merklich verändert.

 

Dies nicht nur in der Handlung vorzustellen, sondern im Spiel fühlbar zu machen, ist das Verdienst der Inszenierung und ihres Ensembles, in dem neben Sondermann auch Xenia Tiling als Graf Hohenzollern und Jean-Luc Bubert als Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg glänzten, wenn man einzelne herausgreifen möchte. Deren Leistung wäre aber ohne das Zusammenspiel mit Pascal Riedel, Stefan Ruppe, Lenja Schultze, Max Wagner und Mara Widmann nicht möglich, deren Spiel insgesamt der Inszenierung ein rasantes Tempo verleiht. Auch haben sie schöne und teilweise sehr lustige Einzelszenen – etwa dann, wenn sie das Reiten imitieren und dabei an Monthy Pythons Ritter der Kokosnuss erinnern.

Einen besonderen Reiz gewinnt die Inszenierung darüber hinaus durch die Musik von Moritz Krämer, die die Aufführung rahmt und begleitet.

 

Foto: © Münchner Volkstheater

 

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