Es ist eine archaische und strenge Gesellschaft, in der eine Braut mit einem Mann verheiratet werden soll, den sie nicht liebt, und dem sie am Abend der Hochzeit durchbrennt – mit ihrem Schwager, demjenigen, den sie immer schon liebte, dem jedoch in der ländlich-materialistischen Logik der Verheiratung ihre Schwester gegeben worden war. Die neuerliche Hochzeit führt Schwager und Braut wieder zusammen und in jedem Satz, den sie miteinander wechseln, schwillt das unterdrückte Begehren und kämpft die Vernunft, es niederzuhalten. Bis es dann eskaliert. Die Liebenden fliehen, die düpierte Hochzeitsgesellschaft setzt ihnen nach und es kommt zur blutigen Auseinandersetzung.
Dramatische Verwicklungen fehlen, die Handlung steuert recht gradlinig auf die Katastrophe zu. Die Spannung hat Lorca in die Sprache verlagert, die das Ringen der Figuren mit ihren Schicksalen kunstvoll entfaltet. Die Aufführung stellt das vor die schwierige Aufgabe, dieses Sprechtheater ansprechend umzusetzen. Das ist der Inszenierung von Miloš Lolic am Münchner Volkstheater nicht gelungen.
Schon die Übersetzung des Konflikts in eine folkloristische Szenerie ist äußerst fragwürdig, weil sie seine Archaik relativiert. Aus dem grundsätzlichen Konflikt zwischen individuellem Begehren und den rationalen Anforderungen einer Gemeinschaft wird ein Problem der Liebe auf dem Lande, das zumal historisch erscheint. Zum folkloristischen Charakter der Inszenierung gehört auch das fortwährende Füßetrappeln einiger Figuren, das vielleicht zum einen an den Flamenco erinnern soll – eine Figur, deren hauptsächliche Aufgabe in eben dieser Geräuschproduktion zu bestehen scheint, ist auch entsprechend gewandet – in seiner entnervenden Wirkung vor allem aber aus dem Sprechtheater ein Stresstheater macht.
Dabei scheint die Inszenierung allgemein keinen besonderen Wert auf Lorcas sprachliche Gestaltung des Stückes zu legen und lässt den Spannungsreichtum der Rede und die große poetische Kraft der sprachlichen Bilder meist in einem monotonen Vortrag untergehen, der vielleicht die starren sozialen Strukturen der gezeigten Gesellschaft widerspiegeln soll, der besonderen Qualität des Stückes indes Abbruch tut. Überhaupt ist der Umgang mit der Vorlage frei, was allerdings allein nicht zu beklagen gewesen wäre.
Eine hervorragende Qualität hat die Inszenierung allerdings in ihren Bildern, der Art, wie sie Figuren und Kulisse zueinander stellt. Insbesondere das Schlussbild ist von einer eigenen poetischen Kraft, wie sie selten gesehen werden kann.

Foto: © Münchner Volkstheater