Susn beleuchtet in vier Schlaglichtern das Leben einer Frau im Alter von 16, 26, 36 und 46. Immer steht Susn (Susanne Muhr) am Scheideweg ihres Lebens, sie ist verzweifelt, verwirrt, sucht Rat, Hilfe und Verständnis bei den Männern (verkörpert von Boris Schumm) und bleibt doch in ihren Wünschen und Ängsten ungehört und unverstanden. Bis sie mit 46 am Weihnachtsabend betrunken auf der Toilette sitzt, nur noch mit sich selber spricht und darüber einschläft.
Susn ist eigentlich ein Monolog. Ein Monolog, den Susanne Muhr kraftvoll mit Leben füllt. Sie lotet die Tiefen, Schwankungen, Unsicherheiten und Ängste der Figur aus und spannt im Schlussmonolog einen dramatischen Bogen. Susanne Muhr reichen dabei kleine Gesten und Nuancen, um die gesamte Spannweite von hintersinnigem Witz bis hin zu tiefster Verzweiflung darzustellen.
Ihr zur Seite steht Boris Schumm. Er hat eigentlich eine Nicht-Rolle inne, ist nur stummer Begleiter und Stichwortgeber. Doch aus dieser Figurenreduktion entwickelt er eine derartige Präsenz, das er zu einem gleichberechtigten Partner wird, der die Figur der Susn erst richtig zum Auflodern bringt.
Das Ergebnis ist beklemmend. Am Ende bleibt nur die innerlich zerstörte Susn zurück, ohne dass es wirklich einen Schuldigen gibt. Susn hat ihr ganzes Leben gekämpft, wollte entfliehen und ist am Ende alleine auf der Toilette. »Ich bin ein Instrument, auf dem ewig falsch gespielt worden ist und dann mit Füßen zusammengetreten.«
Susanne Muhr, Boris Schumm und Regisseur Sebastian Goller ist eine atmosphärisch dichte Inszenierung gelungen. Eine Inszenierung, die sich interpretatorisch zurücknimmt, die ebenso wie die Vorlage ohne Larmoyanz auskommt, die die Sprache wirken lässt und mit wenigen Versatzstücken vollkommen unterschiedliche Räume, Situationen und Stimmungen erschafft. Eine fesselnde Inszenierung, in der zwei glänzende Schauspieler, alle Stimmungs- und Gemütslagen gekonnt ausloten und ausspielen, in der sie zwischen laut und leise, zwischen Tempo und Pause geschickt balancieren, und in der sie auch hintersinnige, bitter-komische Momente nicht vernachlässigen und so dem Kammerspiel noch mehr Tiefe verleihen.