Nostalgische Bügeleisen, holzige Kofferradios, 60er Jahre Waffeleisen und Kassettenrekorder, flackernde Computerbildschirme und Mikrowellen – Ihr Elektroschrott hätte Teil des hervorragenden Bühnenbildes (Jan Kattein) in Anna Malunats Jesus ich möchte viel Glück beim Angeln sein können, das Forum Freies Theater (FFT) fungierte bis zur Premiere am 25. Februar 2012 als Sperrmüll-Sammelstelle.
Sascha und Caroline, ein Pärchen um die 30, ihr Haus in der Großstadt fast unbewohnbar: leer und kalt. Wollen Sie Familie? Sie eigentlich schon, er eher nein ... oder doch umgekehrt? Braucht man Familie zum Glücklichsein? Gibt es Alternativen? Wenn ja, welche? Bei Null anfangen und alles auf Reset? Egal, die vier Jahreszeiten(-Pizza) »und nichts ändert sich«. Zumindest Arthur (Oleg Zhukov), Saschas Kindheitsfreund aus Odessa, macht die belanglose Zweisamkeit zur mitunter heiklen Dreisamkeit: Mit zwei Koffern bepackt steht er nun vor Carolines und Saschas Tür, auf der Zugfahrt hat er ganz Polen verschlafen. Tatsachen über Deutschland, seine Zuglektüre, stiften Verwirrung: »Deutschland ist ein modernes und weltoffenes Land. Die Gesellschaft ist geprägt durch einen Pluralismus von Lebensstilen und die Vielfalt ethno-kultureller Prägungen. Die traditionellen Rollenzuweisungen der Geschlechter wurden aufgebrochen. Trotz der gesellschaftlichen Veränderungen ist die Familie weiterhin die wichtigste soziale Bezugsgruppe und die Jugendlichen haben ein sehr enges Verhältnis zu ihren Eltern. In fast allen Lebensbereichen zeigt sich heute eine erfreulich entspannte Leichtigkeit und weltoffene Neugier.« »Donaueschinger Musiktage« und »multinationale Vielfalt« bereiten Arthur eher Zungenzerbrechen als Verständnis.
Eine spontane Autoreise mit dem Ziel »rechts, rechts, links, rechts, geradeaus« und die Suche nach dem Radiosender durchbrechen die anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten. Es beginnt eine musikalisch-theatrale Reise kreuz und quer durch Deutschland aus der Sicht der dritten Nachkriegs-Generation, der (Un-)Orte planlos in die Quere kommen: von hü über jottwede nach hott. Findet Mutter, Vater, Kind das Glück in der Einfamiliensiedlung? Im »WärmeDirektHaus« mit Frischluft-Heizsystem ganz bestimmt. Oder soll es doch lieber Dortmund Phoenix See sein, eine künstliche Seelandschaft als Anziehungspunkt für Mensch und Tier – Baden verboten! Oder Duisburg Bruckhausen, dort wo die Häuser sterben? »Risse im Asphalt, uns kann es gleich sein«, trällert es straßenmusikalisch aus dem Zuschauerraum.