Nett ist der Abend, nett ist das böse blickende Musikantenstadl. Nett ist das Gegenteil von allem, was die Tiger Lillies und Hoffmanns Struwwelpeter verkörpern.„Darum bedenke, was du tust. Der Konrad starb an Blutverlust.“ Blutarm, blass, ohne erbleichen zu lassen ist dieser Shockheaded Peter, dem vielleicht nicht Haar und Nägel, aber Schrecken, Boshaftigkeit und Kompromisslosigkeit geschnitten wurden. Das menschliche Bewusstsein sei voller Ungeheuer, verheißt der erste Satz. Hoffmann und die Tiger Lillies befreiten sie jeder auf eigene faszinierende Weise. Jakubaschk legt die Ungeheuer an die Kette.
„Heut’ komm’ ich zum hundertsten Male
Herein in die lustige Welt;
Da find’ ich im festlichen Saale
Viel Kinder und Freunde gesellt.
(…)
Zwar ließ ich mich köstlich frisieren
Sie zausten mir böslich das Haar;
Das soll mir nicht wieder passieren,
Ich bleibe der Bursch’, der ich war.“
So heißt es in der Vorrede der Jubiläumsausgabe. Ein schwacher Trost nach einer schwachen Theateraufführung, welche die Dämonen der Kindheit exorziert, statt zu beschwören. Manchmal müssen wir eben grausam sein, um gut zu sein, wie das Struwwelkind lehrte, und „Manchmal müssen wir grausam sein – einfach nur so.“

