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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:54

Marianna Salzmann beantwortet 10 Fragen.

18.11.2010

»Für das Theater zu arbeiten ist keine Idee.«

Die TITEL-Redaktion stellt Theaterautoren regelmäßig 10 Fragen. Den Anfang macht heute Marianna Salzmann.

 

1. Wie kommen Sie eigentlich auf die Idee, für das Theater zu arbeiten?

 

Marianna Salzmann: Ich hatte nur eine einzige Alternative: ich wollte Bewährungshelferin sein. Oder eben am Theater arbeiten. Beide Berufe sind sich sehr ähnlich, finde ich. Momentan ist es das eine, vielleicht mache ich irgendwann das andere.

 

2. Sind Theaterleute für Sie eine aussterbende Spezies?

 

Marianna Salzmann: Das, was ich in Deutschland beobachte ist das genaue Gegenteil davon. Die Theaterlandschaft wächst und gerade in den letzten Jahren gehen viele Theater weg von verstaubtem Leitkulturdenken zurück zu volksnahen und entscheidenden Themen.

 

3. Warum sollte Ihr neues Stück uraufgeführt werden?

 

Marianna Salzmann: Mein neues Stück sollte aus dem selben Grund uraufgeführt werden, aus dem es an weiteren Bühnen gespielt werden soll: Es geht um die Debatte über Zugehörigkeit. Es geht um das Individuum in seinen Verbindungen zu Institutionen wie Familie und Staat. Ich kenne niemanden, den das nichts angeht.

 

4. Warum sollte Ihr neues Stück an weiteren Bühnen gespielt werden?

 

Marianna Salzmann: Siehe 3

 

5. Wer oder was war für Ihre Theaterarbeit prägend?

 

Marianna Salzmann: Prägend waren am Anfang Leute wie Samuel Beckett und Sarah Kane. Dann kamen Simon Stephens und Dennis Kelly. Ich lasse mich vor allem von zeitgenössischer Dramatik inspirieren. Natürlich auch Filmen und Musik. Für das aktuelle Stück „SATT“ kam die Inspiration beispielsweise über youtube. Es ist ein Gemisch aus allem, was mich umgibt.

 

6. Was hat das Theater, was andere Künste nicht haben?

 

Marianna Salzmann: Theater ist nicht besser oder schlechter. Für mich ist es die optimale Art meine Thesen zu vertreten, in Diskussion zu gehen und Metamorphosen zu beobachten. Theater ist direkt. Es fordert eine sofortige Stellungnahme vom Rezipienten, es zwingt zur physischen Anwesendheit, also auch zum physischen Durchleben der verhandelten Situation. Man setzt sich freiwillig einer Sache vollkommen aus.

 

7. Was möchten Sie Christoph Schlingensief nachrufen?

 

Marianna Salzmann: Wie kann es sein, dass du an dem Tag gehst, wenn ich gerade Geburtstag habe. Ich dachte, wir wollten zusammen die Welt retten. in memoriam

 

8. Woran arbeiten Sie gerade?

 

Marianna Salzmann: Gerade habe ich mein neues Theaterstück „Weltrettungsauftrag“ über das Phänomen des Stimmenhörens beendet und widme mich nun mit einem Kollegen dem „Tod eines Superhelden“, wir gehen auf die Suche nach aktuellen Göttern.

 

9. Woran würden Sie gern arbeiten?

 

Marianna Salzmann: Ich würde mich gerne bald meinem lang geplanten Stück widmen, für das ich seit einem Jahr über die neue Spezies Mensch als mobiler Nichtort recherchiere. Außerdem würde ich gern über Ländergrenzen schreiben. Und einen Lovesong.

 

10. Inwieweit fließt Ihre Biografie in Ihre Arbeit ein?

 

Marianna Salzmann: Meine Biografie ist die offizielle Version meines Lebens. Die spielt immer dann eine Rolle, wenn Leute versuchen mehr von meinen Stücken zu verstehen, als den puren Text. Dann findet die Vermischung von Autor und Fiktion statt. Meine Erfahrungen fließen natürlich in meine Arbeit ein, so wie bei jedem anderen Menschen auch. Meine Biografie wird dann übergestülpt, angebliche Motivationen bloßzulegen.


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