Typischer Pollesch-Abend
Aber XY Beat ist nicht nur Theorie, sondern auch Bühnen-Praxis. Diverse Requisiten werden lose bespielt, Fabian Hinrichs trägt einige zum Thema passende Lieder vor, es werden kurze amüsante Ausflüge auf die Metaebene unternommen, um das Theater selbst infrage zu stellen - vor allem das sogenannte Verkörperungstheater à la Bruno Ganz mal wieder, wenn Benny Claessens zu verstehen versucht, wie denn das überhaupt gehen solle, eine Rolle anzunehmen und warum man die denn auch noch leben müsse. Ein typischer Pollesch-Abend eben. Und auch wieder nicht.
Weil es Pollesch zum Glück gelingt, sich ein Stück weit neu zu erfinden und mit Fabian Hinrichs als Protagonisten eine neue Form von Diskurs auf der Bühne zu etablieren: Im Gegensatz zu früheren Pollesch-Texten ist es hier nicht mehr der rasante Schlagabtausch, der das Problem abhandelt, sondern die mehr oder minder als Monolog vorgetragene, scheinbar assoziative Gedankenfolge zum Thema.
Und wie schon in Polleschs »Ich schau Dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang«, zeigt Fabian Hinrichs auch in XY Beat, wie virtuos er dieser Art Bühnenaufgabe gerecht wird. Wie gesagt: Dieser Abend ist keine Meinung, will nicht meinungsbildend und vor allem nicht einer von vielen sein. Zumindest letztere Rechnung geht voll und ganz auf. Und wer sich ohnehin mit der Vorstellung unwohl fühlte, dass im Leben alles einen Sinn ergeben muss, ging gut unterhalten nach Hause.

