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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:55

 

Foto: Arno Declair Foto: Arno Declair

Andreas Kriegenburg: Alles nur der Liebe wegen - Münchner Kammerspiele

10.12.2010

Das alte Haus von Rocky Docky

Die Arbeit an dem Stück Alles nur der Liebe wegen, sagt der Regisseur Andreas Kriegenburg in einem das Programmheft eröffnenden Interview, sei einer »Exkursion durch eine fremde Stadt« vergleichbar gewesen. »Man geht ziellos los und entdeckt auf der einen Seite natürlich unglaublich schöne Ecken, zum Teil auch ganz einfache Häuser, die aber einen ganz eigenen Charme haben. Aber man gerät auch in Stadtviertel, wo man sich langweilt. Und das ist eine Geduldsprobe, die man sich gegenseitig auferlegen und zugestehen muss.« Von BJÖRN VEDDER

 

Vom Stück, das dabei entstanden ist und am 4. Dezember in den Münchener Kammerspielen Uraufführung feierte, kann man kaum sagen, dass es »unglaublich schöne Ecken« oder sogar etwas zu entdecken biete, sondern bestenfalls, dass es ein altes Haus ist. Und wenn es einen ganz eignen Charme hat, dann doch einen abgestanden. Es riecht muffig in Alles nur der Liebe wegen. Zu schal sind die Klischees, in denen die Liebe erscheint; zu faulig ist der Witz, der sie verbreitet. Sein Spiel mit ihnen verfängt nicht.

 

Und sollte auch manch Wahres in den einzelnen Nummern dieser bunten Revue stecken – dass die Partnerfindung ein Eiertanz, lieben improvisieren und die Unfähigkeit allein zu sein das Fundament vieler Lieben ist –  ist dieses Wahres ist eben auch ein allzu Triviales. Und wenn sich dann ein Darsteller wie Walter Hess am Ende einer Singbalzspielnummer von Lena Lauzemis an den Füßen hinausziehen lassen und dabei rufen muss »Sie schleppt mich ab!«, dann fällt es schwer zu glauben, dass dieses alte Haus noch alle Pfannen auf dem Dach hat.

 

»Es gibt auf der Bühne eine große Gegenwärtigkeit des Menschen«

 

So wechseln Singnummern und Witzchen (»Die Landschaft meines Körpers ist mir so fremd wie die Schlösser der Loire«), Gedichtrezitationen (etwa Rilke, Heine und Postkartenkitsch), Dialoge und Tänzchen einander ab. Leicht reimt sich auf seicht und das Stück setzt ziel- und planlos Steinchen auf Steichen, wobei es allein der Leistung der Schauspieler zu verdanken ist, dass dies Gemäuer nicht einstürzt. Es sind neben den genannten Sylvana Krappatsch, Steffan Merki, Annette Paulmann, Wiebke Puls und Edmund Telgenkämper.    

 

Diese Leistung hängt eng mit einer besonderen Eigenschaft der Bühne zusammen: »Es gibt auf der Bühne eine große Gegenwärtigkeit des Menschen«, sagt Kriegenburg. Diese Gegenwärtigkeit, das zeigt die Inszenierung, verleiht dem Trivialen eine Präsenz, die seine Ödnis ein Stück weit vergessen und das Spielerische im Ziellosen bewundern lässt. »Vielleicht«, singt Oliver Mallison in einer Nummer, »ist Originalität auch langweilig«. Vielleicht ist das so und vielleicht darf das Theater dem Zuschauer so etwas auferlegen. Vielleicht aber auch nicht.


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