Grand Guignol der Gebrüder Grimm
Ab 18 sind die Gruselmärchen, die zur Geisterstunde enden. Glühwein brodelt hinter der Holztheke neben der Eingangspforte. Auf der Bühne kocht im Märchen Vom Machandelbaum eine emsige Hausfrau Schwarzsauer. »Ein traditionelles Gericht, das mit Blut zubereitet wird.« Plattdeutsch sprechenden Stiefmüttern ist nicht zu trauen, wenn sie locken, den Kopf in eine Truhe zu stecken. Deckel zu, Brüderchen tot. Sein Liedchen muss es aus dem Jenseits singen:
Mein Mutter, die mich schlacht’,
mein Vater, der mich aß,
mein Schwester, das Marlenichen,
sucht alle meine Benichen
Die grimmschen Mühlen mahlen langsam, bis der Mühlstein rächend nieder kracht. Der Köchin wird das Schwarzsauer sauer. Der wiedervereinten Familie schmeckt´s umso besser. Auch zu Gruselmärchen gehört ein Happy End.
Das blutige Biedermeier zelebriert keine Berliner Bühne vergnüglicher. Hänsel und Gretel, Machandelbaum und Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen finden sich in der dritten Spielzeit im Kanon der Horror-Hausmärchen. Der Band Kinder- und Hausmärchen fliegt schon zu Beginn der Vorstellung gen Himmel. Doch die bitterböse Bühnenkunst ist der Vorlage näher, als mancher verstörte Gast ahnt. Das Grausame, das so unvermittelt, wie es erscheint, in burleske Komik umschlagen kann, ist tief im Volksmärchen verwurzelt. Das Blaubart-Motiv aus Fitchers Vogel ist verwendet auch die grimmsche Erzählung. Das Mordschloss, welcher der Einleitungsspruch entnommen ist.
»Alles so schön, dass sie völlig damit zufrieden war«, findet darin die Maid im Haus des Gatten, bis sie endlich an einen Keller kam, wo eine alte Frau saß und Därme schrappte. »Ei Mütterchen, was macht sie da?« - »Ich schrapp Därme, mein Kind. Morgen schrapp ich eure auch!« In der Märchenhütte wird man dergleichen beim nächsten Besuch genießen.

