Ein schwieriges, gleichwohl spannendes Projekt, das am vergangenen Samstag unter der Regie von Hanfried Schüttler seinen Weg ins Bühnenlicht fand und einem gespannten Publikum im Erholungshaus, Bühne der Kulturabteilung der Bayer AG in Leverkusen, vorbehalten war. Dort fügt sich die Inszenierung nicht nur glänzend in das aktuelle Spielzeit-Motto »Mythos und Gegenwart«: Leiter Dr. Volker Mattern freut sich überdies, seine Bühne bisweilen für Uraufführungen freihalten zu dürfen.
Das Bühnenbild erzeugt mit einfachen Mitteln – einem Kronleuchter, wenigen Stühlen sowie einem langen Seidentuch, das die Bühne mit Studiocharakter nach hinten begrenzt – das Bild einer »fürstlichen Villa« am Meer, an die Rilke die Handlung setzt. Dort erwartet die weiße Fürstin, immer wieder sehnlich auf das Meer hinaus blickend, ihren Gemahl, mit dem sie vor elf Jahren als Kind verheiratet wurde, während eine Seuche nun das Land verheert.
Die Darsteller schaffen es, Rilkes verdichtete Prosa auf die Bühne zu bringen, ohne dabei ungewollt ein Feuerwerk an Kitsch oder schauderhaftem Pathos abzubrennen: Christa Strobel spielt den alten Haushofmeister Amadeo mit Lakonik und androgynem Charme. Fiona Metscher gibt der Figur der Monna Lara, der jüngeren Schwester der Fürstin, eine kindliche Naivität, die an der Schwelle zum Erwachsensein (»zu feierlich für Kinder – und doch Kind«) in der Konfrontation mit Unglück und Tod jäh zerspringt: »Nicht um Worte handelt sichs: sie sterben!«, erkennt sie das Grauen, das sich hinter der Nachricht des Boten verbirgt.