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Freitag, 25. Mai 2012 | 13:57

Die Dreigroschenoper im Münchner Volkstheater

30.01.2011

Groschenheft und Kunscht

Es gibt Stücke, die sind gleich ausverkauft. Von der ersten Vorstellung an. Im Münchner Volkstheater gehört dazu zum Beispiel die Dreigroschenoper von Kurt Weil und Bertolt Brecht. Sie ist aber auch sehr unterhaltsam, diese Oper über Peachum, den ärmsten Mann Londons, und Mackie Messer, und ein bisschen scharf – vom sauren Moralin, das Brecht eben immer reinschrieb, in seine schönen Texte, der alte Sozialist ... Von BJÖRN VEDDER

 

Vielleicht ist sie grad so unterhaltsam, weil sie auch diese anklagenden Bitterstoffe hat, vom abgestumpften Mitleid des Menschen und den notwendigen Listen gegen seine Hartherzigkeit. Man kann sich dann besser, nämlich reinerem Gewissens, der Jahrmarktsklarmotte hingeben. Eine Tragik-Komödie nannte das der Dichter Reinhold Lenz, dessen Drama vom »Hofmeister« für Brecht wichtig war.

 

Dieses besondere Zusammenspiel von »Groschenheft und Kunscht« zeigt auch die Musik, die ja eigentlich aus hübschen Schlagern besteht, nur eben gebrochen, etwas zu scheppernd, zerlaufen wie ein billiges Make-Up nach einer Nacht auf der Straße.

 

Stolz und obenauf am Ende

Für das Ensemble ist das eine große Herausforderung, es muss nicht nur sprechen und spielen und singen, sondern im Singen seinen Gesang auch brechen und im komödiantischen Spiel den Ernst der Sache zeigen. Wenn ihm das nicht gelingt, bleibt vom Stück nur ein Karussell aus Kirmesnummern, ein bunter Abend für das Breitenpublikum vielleicht, das sich an Huren und Zoten delektieren kann.

 

Dem Ensemble des Münchner Volkstheaters ist dieser schwierige Balanceakt in der Inszenierung von Christian Stückl gut gelungen. Insbesondere die junge Sybille Lambrich bestach als Polly Peachum, staksend und verhuscht zu Beginn, stolz und obenauf am Ende. Als große Nummern zeigte sie nicht zuletzt Rudyard Kiplings Kanonensong und Brechts Barbarasong, dem Lied vom Ja und Nein – vom Nein, das sie allen anständigen Männern sagte und vom Ja, das ihr Mackie Messer abverlangte.

 

Da behielt ich meinen Kopf nicht oben,
und ich blieb nicht allgemein!
Ach, es schien der Mond die ganze Nacht,
Und es ward das Boot am Ufer losgemacht,
Und es konnte gar nicht anders sein.
Ja, da muß man sich doch einfach hinlegen,
Ja, da kann man doch nicht kalt und herzlos sein!
Ja, da mußte so viel geschehen,
Ja, da gab's überhaupt kein Nein.

 

Was auch aus einer kleinen Rolle gemacht werden kann, zeigte  Thomas Kylau als Sergeant, der in Gestik und Körpersprache wahrhaft großes komisches Talent bewies.


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