Das ist die gute, alte Tradition der Landserdramatik. Sie zeigt die täglichen kleinen Narreteien, Absurditäten, Entwürdigungen, Schurkereien des militärischen Handwerks, zeigt infantile, halbdebile, geltungs- oder großmannssüchtige Charaktere, zeigt unübersichtliche, verzweifelte, aussichtslose Situationen, zeigt aggressive, depressive, gleichgültige oder tollkühne Stimmungen – und aus dem Sammelsurium des Aberwitzes steigt dann doch so etwas wie der Phönix eines höheren Sinnes hervor. Und sei’s am Ende nur die banale Einsicht: Es ist eben so, wie es ist. Der Landser, immer persönlich ein Verlierer. Aber das Vaterland gewinnt durch ihn. Nun ja, Vaterland. Nun ja, gewinnt.
Landserstücke, ein ewiges Genre. Obwohl, die Landsererzählungen waren auch schon mal gemütlicher gewesen. Insofern hat sich die Arbeit von Edelstein durchaus modern herausgemausert. Sie wurde beim vorjährigen »Heidelberger Stückemarkt« in einer szenischen Lesung vorgeführt und fand dabei lebhafte Aufmerksamkeit. Nun präsentierte das Heidelberger Schauspielensemble in eigener Inszenierung die deutsche Erstaufführung (Übersetzung: Sharon Nuni).
Die Stückeschreiber machten sich vorab Sorgen, dass ihre Arbeit angesichts einer aktuellen »Delegitimierungskampagne gegen Israel« in Deutschland (womit sie wohl die hier und da auftretende Kritik an der offiziellen israelischen Politik verstehen) als ein Votum gegen die israelische Armee wahrgenommen werden könnte. Solche Befürchtungen konnte die Heidelberger Regie von Timo Krstin sofort zerstreuen. Parteilichkeit und Naturalismus waren verbannt. Es bewährte sich die schon häufig gemachte Erfahrung, dass avantgardistisch-deskonstruktivistische Dramaturgie einer ins Allgemeine, Parabelhafte zielenden Stücktendenz kräftig auf die Beine zu helfen vermag.
Die gleichsam landsernotorische Befindlichkeits-Protokollierung also verknüpfte sich auf der praktisch hergerichteten Werkstattbühne des Heidelberger Zwinger 1-Theaters (einer der Ausweichspielstätten während des Theaterumbaus) mit Kunstanspruch und erklecklicher Unterhaltungsqualität. Deftiger Jargon, aber auch dessen kunstvolle Stilisierung und permutative Entrealisierung. Kernige Personendarstellung, aber doch spürbar eine der facettierten, in sich gebrochenen, lädierten, gleichsam probeweise immer wieder neu zusammengesetzten Figuren.