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Freitag, 25. Mai 2012 | 14:00

10 Fragen an Claudia Grehn

09.02.2011

Den herrschenden Umständen etwas entgegensetzen...

Claudia Grehn hat für ihr Stück Ernte den Förderpreis des Stückemarktes im Rahmen des Berliner Theatertreffens 2010 bekommen. Das Stück wurde jüngst am Maxim Gorki Theater in Berlin uraufgeführt ...

 

1. Was hat das Theater, was andere Künste nicht haben?

 

CLAUDIA GREHN: »Das Theater« – was ist das ...?

 

2.  Ihr Stück Ernte endet mit: »Es braucht einen Ort von dem aus das Fragen möglich bleibt, EINEN ORT GEGEN DIE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT.« Gibt es für Sie einen solchen Ort?

 

Es geht darum, einen zu schaffen. Immer wieder.

 

3. Wie war die Zusammenarbeit mit dem Maxim-Gorki-Theater? Hatten Sie Einfluss auf die Inszenierung von Ernte?

 

Was ich mir wünsche ist nicht, Einfluss zu haben, sondern eine Zusammenarbeit, in der über die Textvorlage hinaus mit Schauspielerinnen und Regie das Erproben des Textes möglich ist. Und Diskussionen. Ich schreibe keine Texte, an denen sich die Schauspielerinnen »abarbeiten« müssen, es geht mir darum, im Austausch (und das ist auch der Grund weshalb ich Theater machen will) eine Utopie zu entwickeln. Das erfordert ein Probenkonzept, das in dem Kontext, das »Gewinnerstück« auf die Bühne zu bringen, nicht möglich war.

 

4. Ernte beschreibt die spätkapitalistische Arbeitswelt als einen leidvollen und undurchschaubaren Zwangszustand, dem sich keiner entziehen kann. Sehen Sie Auswege?

 

Auswege, aus dem Stück Ernte? Das ist ja nicht gleichzusetzen mit meiner persönlichen Sicht auf die Welt. Ernte war auch ein Versuch, Geschichten, die Menschen passiert sind, die häufig in Klischees einsortiert werden, einem Publikum nahe zu bringen.

 

Aus: ERNTE Aus: ERNTE

5.  Woran arbeiten Sie gerade?

 

An einer Stückentwicklung für Weimar und Leipzig, zusammen mit Darja Stocker. In der Regie von Nora Schlocker. Wir recherchieren in den beiden Städten über widerständische Menschen, Aktivistinnen, und entwickeln das Stück dann während der Proben.

 

6.  Was erwarten Sie sich von Ihrer Hausautoren-Stelle am Theaterhaus Jena? Wie sind die Arbeitsbedingungen dort?

 

Das Team in Jena hat sich über verschiedene Produktionen hinweg gefunden. In unserer stärksten gemeinsamen Arbeit ging es um das Auseinanderfallen von Hierarchien. Ich denke, die Arbeitsbedingungen werden davon abhängen, wie gut wir in der Lage sein werden, uns zu organisieren. Aber eigentlich freue ich mich erst mal wahnsinnig über diese Chance, endlich kontinuierlich das Schreiben entwickeln zu können. Zu forschen.

 

7.  Wie würden Sie Ihre Ausbildung Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin charakterisieren?

 

Vor drei Jahren haben wir, Studierende und Ehemalige, einen Einspruch gegen die Verhältnisse am Studiengang Szenisches Schreiben eingereicht, da wir nicht mehr bereit waren, unter den dort herrschenden Umständen weiter zu studieren.

 

8. - ?

 

Ich war schon vom Gymnasium her gewohnt, dass ich mir die eigentliche Ausbildung außerhalb der Schule organisieren muss. Es ging im Gymnasium darum, wahrgenommen zu werden als eigenständig denkender Mensch, um Respekt, um kritische Lehrer und nicht nur um Pflichterfüllung in der Art: »Sie hat es ertragen - sie kann eintreten in die Mittelschicht – Abschlusszeugnis.« Aber das war gar nichts gegen die Zustände an der UdK, wo regelmäßig Studierende heulend die Flure lang schlurften, Psychologen aufsuchten oder gar nicht mehr hingingen.

 

9. Klingt eher nach dem Studiengang Dramatisches Schreiben. Hat sich an der Situation was geändert?

 

Zunächst die Studiengangsleitung. Um etwas anderes im Studium einzufordern, hat sich der Studiengang letztes Jahr neu formiert und ist immer noch dabei, sich auch unter Beteiligung der Studentinnen neu zu strukturieren. Mit John von Düffel ist ein Theaterschaffender an die UdK gekommen, für den der Zusammenhang zwischen Schreiben und Praxis selbstverständlich ist.

 

10. Wer oder was ist für Ihre Theaterarbeit prägend?

 

Die Zusammenarbeit mit Lena Müller, die nach Ernte noch weitergeht, und jetzt die Zusammenarbeit mit Darja Stocker. Ich denke, es ist auch der gemeinsame Wunsch junger Künstlerinnen (auch Fotografinnen, Dokumentarfilmerinnen, Malerinnen), sich ihre Sehnsüchte nicht mehr wegargumentieren zu lassen und wieder neu auf die Suche zu gehen. Sich international zu vernetzen, um dem Gefühl der Ohnmacht und dem Druck auf Einzelne etwas entgegensetzen zu können.

 

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