Kartoffelsalat für alle
Das Stück des Nürnberger Mundartdichters hat Potential, sowohl komisches als tragisches. Leider hat sich Regisseur Frank Behnke hauptsächlich für den puren Klamauk entschieden. Genauso dick wie die künstlichen Bäuche und Hinterteile der Darsteller trägt Behnke in allen Bereichen auf. Das erste Drittel der Inszenierung bekommt ordentlich Zuckerguss aus der Musikkonserve verpasst, der sich manchmal störend über die zänkischen Dialoge legt. Wenn einem eingeborenen Franken der antrainierte Dialekt der meisten Schauspieler zwar hier und da in den Ohren klingelt, so stört es doch weitaus mehr, dass sie unablässig zum Chargieren angehalten werden. Wie herrlich bösartig Lametta sein könnte, wenn man den Text ernst nimmt, wird dennoch immer wieder deutlich. Zum Beispiel, wenn Adeline Schebesch in einer kurzen knochentrockenen Rede den gesamten Ablauf einer soeben gescheiterten Beziehung zu einem fünfzehn Jahre jüngeren Mann Revue passieren lässt und so tut, als hätte sie damit keine Probleme. Später verschwindet sie in der Küche, macht Kartoffelsalat für alle und wird das meiste davon selber essen. Solche Erzählstränge gibt es einige, aber der ehemalige Nürnberger Chefdramaturg (er arbeitet inzwischen in Hamburg) spürt ihnen in seiner Abschiedsinszenierung kaum nach. Stattdessen sucht er immer wieder den schnellen Lacher.
Als Lutz seinen neuen Saufkumpan Werner über die drohenden Kosten einer Scheidung aufklärt, was den Sparkassenmenschen ziemlich schnell an seinem neuen Glück zweifeln lässt, wird diese treffsichere Bloßstellung profaner Lebensentwürfe mit überflüssiger Beingymnastik der Darsteller verschlenkert. Im Gedächtnis bleibt auch Marion Schweizers traurig-sehnsüchtiger Blick auf den lamettafreien Christbaum am Ende der Aufführung. Von hinten tritt langsam ihr Sohn an sie heran, der mehr als nur einen schönen Abend verloren hat. Dass er den Impuls verspürt, seine ständig destruktiv nörgelnde Mutter ein bisschen zu würgen, kann man sich schon vorstellen. Aber muss Heimo Essl es zeigen, indem er mit den Augen rollt und seine Hände wie Klauen auf- und zuschnappen lässt? Dem Schauspieler stehen sicher subtilere Mittel zur Verfügung.
Fazit: Fitzgerald Kusz hat eine neue, runde fränkische Komödie geschrieben, die, abgesehen von ein paar etwas flachen Witzen und der einen oder anderen ziemlich derben Situation, durchaus scharfsinnig das Familienleben in der Gesellschaft des angehenden Jahrtausends aufs Korn nimmt. Es wäre schön, wenn sich ein Regisseur fände, dem dazu mehr einfällt als ausgestopfte Körperteile und aufgesetzter Slapstick.
