Deutsche Alte und junge Flüchtlinge aus aller Welt
Dass Aischylos so den Blick der griechischen Sieger auf die besiegten Perser wendet und einerseits Mitleid mit diesen provoziert, andererseits im Scheitern Xerxes‘ aber auch vor der Gefahr der Hybris warnt, wird als dramaturgischer Clou der Tragödie gesehen.
Seid gewarnt, so tief fällt, wer sich zu hoch hinaufschraubt! / Denn der Hochmut, geht seine Saat auf, bringt höchste Erträge / An reiner Verblendung, die man bald erntet in Tränen, spricht Dareios‘ Geist in der Übertragung von Durs Grünbein.
Johan Simons setzt in seiner Neuinszenierung hier an und parallelisiert das Leid der Perser und die Warnung vor der Hybris mit dem aktuellen Leid von Flüchtlingen und unserem Umgang mit ihnen. Das zeigt neben dem Aufführungsort, der Münchner Bayernkaserne, die nunmehr ein Flüchtlingslager ist, vor allem der Chor des Stücks: deutsche Alte und junge Flüchtlinge aus aller Welt.
Stefan Hunsteins Videoinstallation Salamis im Vorraum der Spielstätte, die Flüchtlingsportraits zeigt, unterstützt diese Interpretation. Diese Überblendung ist mit Sicherheit gut gemeint und eine Sensibilisierung für das Leid von Flüchtlingen zweifelsohne notwendig. Sie birgt aber auch gewisse dramaturgische Probleme. Schließlich sind Die Perser vor allem eine Drama der Selbstüberschätzung - und die hat mit dem Schicksal von Flüchtlingen nichts zu tun. Xerxes kam zu Abertausenden. Helden führten sein Truppen an. Selbst das Meer hatte er unterjocht und eine Brücke über den Hellespont geschlagen. Und doch verloren: Land der Perser, du stattlicher Hafen des Reichtums! / Mit einem Hammerschlag ist alles zerstört!, spricht der Bote.