Die Aufnahmen in der Großschlachterei zeigen uns die voll durchautomatisierte Umwandlung von Lebendfleisch (Schwein) in portionsgerechte Verzehrscheiben (Schnitzel) nebst diversen anderen Produkten. Wir lernen, wie locker man gesetzliche Reinlichkeitsvorschriften umgeht, und dass sogar ein Kommissar gelegentlich in Gefahr gerät, verwurstet zu werden.
Die Aufnahmetechnik ist ruhig, Spannung bildet sich aus der Handlung, ohne dass der Zuschauer diversen Schnickschnack enträtseln muss. Wir sehen das schöne Rita-Hayworth-Gesicht der Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), das diese Spannung nachzeichnet; der Regisseur (Josh Broecker) baut auf das Können seiner Schauspieler - und er tut gut daran.
Im Übrigen: viel Liebe zum Detail. Der Zuschauer ist sich zu guter Letzt sicher, dass Mario Kopper (Andreas Hoppe) nicht nur mit seinem Fiat 130, sondern auch schon mit seiner Schirmmütze auf die Welt kam. (Die Regie ist so einfühlsam, sie ihm während des Transports in der Fleischlore wieder aufzusetzen!)
Und rechnete Mario Kopper sich selbst nicht einst der Generation Gel zu? Offenbar gilt das nicht mehr. Als Vertreter dieser Generation tritt Holger Hermanns (Johannes Zirner) auf, der Eigentümer und Betriebsleiter von Metropol, der schneidig vom Leder zieht, wie er den Familienbetrieb des Vaters zielstrebig und marktgerecht zu einer Großschlachterei ausgebaut hat.
Das erfreut an diesem Film: Er gibt sich nicht neunmalklug, er kommentiert nicht. Stattdessen lässt er dem schwadronierenden Jungunternehmer hinreichend Zeit, auf dass jeder merke: Da schwatzt sich jemand um Kopf und Kragen. Ähnlich großsprecherisch tritt der Veterinärmediziner Rudolf (Ole Puppe) auf, und der Zuschauer fragt sich, wie solch eine Lachnummer sich den luxuriösen Lebensstandard finanziert. Doch das wäre wohl ein anderer Film ...
Man kann Tödliche Häppchen sehen. Man kann ihn gut sehen, diesen ersten TATORT im neuen Jahr.