Über den ersten Dritteln des Films liegt eine zunächst schräg anmutende atmosphärische Gespanntheit, die ihm einen angenehm eigenwilligen Charakter verleiht. Der behutsam eingebrachte Jazz (Musik: Andreas Weiser) gesellt sich bruchlos dazu.
Diesen Teil des Films trägt weitgehend die Figur der Sylvia Lange, von Mira Partecke eindringlich gespielt und mit einer faszinierenden Präsenz versehen. Die ersten Szenen der Begegnung mit Inga Lürsen (Sabine Postel) gewinnen über die sensible und unbefangene Gesprächsführung einen zauberhaft poetischen Charme, sie sind seltsam entrückt gezeichnet: überirdisch, betörend, und man gewinnt das Gefühl, unter erwachsenen Menschen zu sein – was selten genug geschieht in den Produktionen deutscher Fernsehanstalten.
Der poetische Schleier reißt, als ein – mit Verlaub – tumber Mechaniker zu Wort kommt: »Waren Sie wieder bei der Verrückten?« Das ernüchtert und befördert unsanft zurück in den Krimi (Buch und Regie: Claudia Prietzel, Peter Henning).
Die Aufmerksamkeit bleibt auf Familie Lange gerichtet, es entsteht ein Familienportrait: die Eltern Sylvia und Ole Lange (Wolfram Koch), Sohn Max (Vincent Göhre); man erschrickt, als das Bild der Mutter nach und nach realistische Züge erhält: Ähnelt die Familie unserem Alltag und dem Alltag um uns herum? Wie gehen wir mit Stress um? Und nein, es ist nicht tröstlich, dass es für dieses Verhalten ein Krankheitsbild gibt, ein Krankenhausbett und eine Therapie.
Es ist ihre Verschiedenheit, die die Filme der TATORT-Reihe auszeichnet, jeder hat unverkennbar eigenen Charakter. Nicht jeder ist deshalb von vornherein gelungen, aber man muss diese Individualität erst einmal zur Kenntnis nehmen und gelten lassen. So verstanden ist TATORT keine Serie, zum Glück, Serienstandard läuft anderswo.
Das letzte Drittel? Der Fall wird aufgeklärt, gut. Der Exkurs in die griechische Mythologie überrascht, die Verstrickungen mag man verwickelt nennen, das Ende lässt die eine oder andere Frage offen. Nun denn, bei Werder, man weiß es, ist vieles möglich, und selbstverständlich klappts und ist rund auch bei Ordnung im Lot.
Foto: Bremedia Produktion GmbH / Jörg Landsberg
Serie läuft woanders
Vorsicht. Man muss sich einlassen können auf diesen TATORT, sonst rutscht man weg. So ungefähr muss sich Werder Bremen fühlen: zwischen den Stühlen. Die Ausgangslage von Ordnung im Lot ist klar: Ein Tankstellenbesitzer wird erschossen in seinem Verkaufsraum aufgefunden, in der Kasse befindet sich ein hoher Geldbetrag, also wird es kein Raubmord gewesen sein. Verdächtige werden im Kreis der eigenen Familie und in der des Nachbarn vermutet. Von WOLF SENFF
Über den ersten Dritteln des Films liegt eine zunächst schräg anmutende atmosphärische Gespanntheit, die ihm einen angenehm eigenwilligen Charakter verleiht. Der behutsam eingebrachte Jazz (Musik: Andreas Weiser) gesellt sich bruchlos dazu.
Diesen Teil des Films trägt weitgehend die Figur der Sylvia Lange, von Mira Partecke eindringlich gespielt und mit einer faszinierenden Präsenz versehen. Die ersten Szenen der Begegnung mit Inga Lürsen (Sabine Postel) gewinnen über die sensible und unbefangene Gesprächsführung einen zauberhaft poetischen Charme, sie sind seltsam entrückt gezeichnet: überirdisch, betörend, und man gewinnt das Gefühl, unter erwachsenen Menschen zu sein - was selten genug geschieht in den Produktionen deutscher Fernsehanstalten.
Der poetische Schleier reißt, als ein - mit Verlaub - tumber Mechaniker zu Wort kommt: »Waren Sie wieder bei der Verrückten?« Das ernüchtert und befördert unsanft zurück in den Krimi (Buch und Regie: Claudia Prietzel, Peter Henning).
Die Aufmerksamkeit bleibt auf Familie Lange gerichtet, es entsteht ein Familienportrait: die Eltern Sylvia und Ole Lange (Wolfram Koch), Sohn Max (Vincent Göhre); man erschrickt, als das Bild der Mutter nach und nach realistische Züge erhält: Ähnelt die Familie unserem Alltag und dem Alltag um uns herum? Wie gehen wir mit Stress um? Und nein, es ist nicht tröstlich, dass es für dieses Verhalten ein Krankheitsbild gibt, ein Krankenhausbett und eine Therapie.
Es ist ihre Verschiedenheit, die die Filme der TATORT-Reihe auszeichnet, jeder hat unverkennbar eigenen Charakter. Nicht jeder ist deshalb von vornherein gelungen, aber man muss diese Individualität erst einmal zur Kenntnis nehmen und gelten lassen. So verstanden, ist TATORT keine Serie, zum Glück, Serienstandard läuft anderswo.
Das letzte Drittel? Der Fall wird aufgeklärt, gut. Der Exkurs in die griechische Mythologie überrascht, die Verstrickungen mag man verwickelt nennen, das Ende lässt die eine oder andere Frage offen. Nun denn, bei Werder, man weiß es, ist vieles möglich, und selbstverständlich klappt‘s und ist rund auch bei Ordnung im Lot.