Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 14:13

TATORT (BR) - Der traurige König (26. Februar)

23.02.2012

Sie satteln drauf

Es gibt Menschen, die verändern sich. Das zieht sich leitmotivisch durch diesen TATORT. Hintergründig tritt auch Psychologin Sophie Wiesmann (Sabine Vitua) auf: der lauernde Blick qualifiziert sie gleichermaßen als Hexe wie als Dame von Welt. Dabei beginnt Der traurige König trotz des fulminanten Einstiegs harmlos, und Julia Winters (Sylta Wegmann), Assistentin auf Zeit, schmisse den Laden im Handumdrehen allein, wären da nicht noch die Männer: Als Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) den Siggi Aumeister (Lasse Myhr) mit drei gezielten Schüssen auf die Intensivstation befördert, ist er gedanklich eher bei seinem schmerzenden Zahn. Von WOLF SENFF

 

Das dreifache Schießen setzt ihm zu. Der behördeninterne Ermittler Maus (Torsten Michaelis) – so überzeugend gespielt, dass man ihn »Ratte« nennen möchte – zieht ihn zur Rechenschaft, und der anämische Vorgesetzte Brandner (Alexander Held) stellt sich mehrfach gleich »zu hundert Prozent« auf Leitmayrs Seite: »Ich biet‘ Ihnen gern eine Beurlaubung an, und ich will, dass Sie am Nachmittag unsere Psychologin sehen« – noch ein, zwei Stufen auf der Karriereleiter, und Brandner fügt sich bruchlos in jene Elite, die sich in Wirtschaft, Finanz und Politik unaufhaltsam ausbreitet.

 

Das Drehbuch (Magnus Vattrodt, Jobst Christian Oetzmann) macht es Franz Leitmayr nicht leicht, und Leitmayr quält sich. Als beratungsresistenter Sturschädel zeigt er hohes Beharrungsvermögen, manchmal ist er einfach ekelhaft, jedoch er lernt. Schön zu sehen. »Jetzt halt’s Maul und lass dir helfen!« Ivo Batic (Miroslav Nemec) trifft den Ton.

 

Nach gut zwei Dritteln des Films meint man: so, war schön, alles gut, der Film ist durch – und es ist gar nicht zu Ende, sie satteln noch drauf. Das verblüfft. Der Film zieht seine Zuschauer komplett wieder rein, er macht das zweimal, dreimal sogar, ohne dass es langweilt oder gestückelt wirkt. Nein, passt, ist verspielt und, nebenbei, amüsant. Dass Musik beim Besuch am Krankenbett aufdringlich erscheint oder dass gelegentlich ein Gran zu viel an menschelnder Gefühligkeit stört und auch die so echt nett gemeinte Episode zum Titel – das alles, mag sein, ist Geschmacksfrage, darüber darf man streiten.

 

Der Fall, um den es geht, wäre draußen kaum eine Schlagzeile wert. Und liegt etwa im Verzicht auf Alarm, Lärm und Aufreger die realistische Art, die Welt wahrzunehmen? Gut gefragt. Ja, genau, das können wir lernen aus Der traurige König. Niemand hatte die Absicht, jemanden umzubringen, nach Lage der Dinge. Keine Geiselnahme, keine Vergewaltigung, lediglich bissel gefaketes Feuerwerk. Trotzdem: Köpfe abschlagen hinterlässt große Narben.

 

Der Fall überzeugt und ist bis zuletzt spannend. Dieser TATORT ist stark, eigenwillig, selbstbewusst, er hat Charakter.

 

Foto: © ARD/BR

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:
Es ist nur leider konstruiert "bis zum geht nicht mehr"! Die Kommissare kriegen von der einen Minute auf die andere eine neue Assistentin an die Seite, ohne, dass sie je etwas davon wussten. Diese ist dann aber trotzdem sofort beim Einsatz dabei. Natürlich ist das Opfer, das Leitmayr erschießt der Sohn seiner Nachbarn, denn München ist schließlich ein Dorf (auch wenn der Ort an einem Bauerhof weit vor der Stadt stattfindet). Dann ist da noch der böse interne Ermittler, der sich manchmal selbst nicht leiden kann, aber nur seinen Job machen will. Dieser Tatort ist zum davon laufen. Es wimmelt nur so von künstlichen konstruierten Beziehungsmustern. Und die Geschichte um den kleinen Laden um die Ecke ist natürlich nett und ein realer Hintergrund Münchens, aber der uneinsichtige Vater, der blind für das Geschäftsversagen ist und vor dem die Bücher geheim gehalten werden, taucht auf einmal mit Waffe im Anschlag im Baumarkt des Sohnes auf, um diesen zu beschuldigen. Wie kann man all diese an den Haaren herbeigezogenen und ins Absurde Übertriebenen Konstruktionen außer Acht lassen. Nein, es ist ein schwacher, realitätsarmer, platter Tatort, mit dem Charakter eines Laiendrehbuchs.
| von br1982, 05.03.2012

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...